Pilotprojekt
20 Hektaren im oberen Freiamt: Landi prüft den grossen Hanf-Einstieg

Die Landi Freiamt hat dieses Jahr 13 Bauern unter Vertrag genommen, die auf insgesamt rund 20 Hektaren Hanf anbauen und dabei zum Teil ganz unterschiedliche Anbautechniken verfolgen

Eddy Schambron
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Lohnunternehmer Maurus Rosenberg (vorne) und Landi-Geschäftsführer Daniel Appert beurteilen den Hanf in Kallern.

Lohnunternehmer Maurus Rosenberg (vorne) und Landi-Geschäftsführer Daniel Appert beurteilen den Hanf in Kallern.

Eddy Schambron

Die erste Ernte aus dem schweizweit einzigarten Hanf-Pilotprojekt der Landi Freiamt ist eingefahren. «Noch zu viel Unkraut», stellt Geschäftsführer Daniel Appert fest. Sein Unternehmen hat dieses Jahr 13 Bauern unter Vertrag genommen, die auf insgesamt rund 20 Hektaren Hanf anbauen und dabei zum Teil ganz unterschiedliche Anbautechniken verfolgen (AZ vom 18. Mai).

Die Landi Freiamt als Anschubfinanziererin, die auch das wirtschaftliche Risiko in diesem Projekt trägt, hat aber grosse Pläne: Sie liebäugelt sogar mit der Erstellung einer Schälanlage für Hanfnüsse – es wäre die erste und einzige in der Schweiz. «Um Hanf zu schälen, muss man heute ins Ausland fahren», weiss Appert.

Im Ausland schälen oder selber etwas bauen?

Der Mähdrescher von Lohnunternehmer Maurus Rosenberg aus Bünzen frisst sich durch das Hanffeld in Kallern. Er hat Erfahrung mit der Ernte von Hanf und das Schneidewerk passend eingestellt. Der Reifegrad entscheidet, wann idealerweise gedrescht wird. «Könnte auch noch ein paar Tage vertragen», stellen er und Appert nach der ersten Ernterunde fest. Das Erntegut wird später mit Abwärme der Biogasanlage der Agrino in Künten getrocknet.

Dann muss es geschält werden, was gegenwärtig nur im Ausland geschehen kann. «Wir müssen uns überlegen, ob wir das im Lohnauftrag machen lassen sollen oder selber etwas, allenfalls in einer Kooperation, für die Schweiz realisieren wollen», erklärt Appert. Man hört aus seinen Worten heraus, dass er Letzteres gerne sehen würde. «Das würde auch anderen Hanf-Anbauern in der Schweiz helfen.» Aber ebenso eine grosse Investition bedeuten.

Freiämter Hanffelder: Andere Sorten, geringerer Geruch

Die in der Reussebene im Auftrag der Pure Holding AG angebauten Hanffelder haben auf der Gemeindekanzlei Fischbach-Göslikon zu Anfragen von Anwohnerinnen und Anwohnern wegen Geruchsbelästigung geführt. Im Zusammenhang mit den Hanffeldern der Landi im oberen Freiamt sind hingegen keine Reklamationen eingegangen, wie Andreas Schüpbach, Verwaltungsratspräsident der Landi Freiamt, ausführt. Das liege in erster Linie an den unterschiedlichen Hanf-Sorten, erklärt er.

Während der Hanf in Fischbach-Göslikon pharmazeutisch weiterverwendet wird, dienen die Sorten der Landi der Nahrungsmittelproduktion. Schüpbach stellt sich, wie der Gemeinderat Fischbach-Göslikon, auf den Standpunkt, dass die Bewirtschaftung von landwirtschaftlich genutzten Flächen zu Geruchsemissionen führen kann – beim Anbau von Kulturpflanzen genauso wie beim Güllen oder Misten.

Es gab bisher bei der Landi keine Diebstähle von Hanf-Pflanzen. «Es scheint inzwischen bekannt zu sein, dass legal angepflanzter Hanf keine berauschende Wirkung hat», stellt Landi-Geschäftsführer Daniel Appert trocken fest. (es)

Konsequent wäre eine eigene Schälanlage allemal. Die Landi Freiamt hat den Hanfanbau ins Visier genommen, weil die recht anspruchslose Pflanze ohne Pestizide auskommt und komplett genutzt werden kann. Hanfnüsse können roh gegessen oder zu Öl gepresst, aus dem Samen kann Mehl gemahlen werden, Blätter eignen sich für Tee und die Stängel für die Produktion von Fasern. «Wir sind mit Glärnisch Textil im Gespräch.»

Diese Genossenschaft hat sich unter anderem zum Ziel gesetzt, Materialien und Hilfsstoffe zu gewinnen und zu verwenden, welche natürlicherweise zur Verfügung stehen, und diese zu guten, zeitgemässen Produkten zu verarbeiten. Konkret können aus Hanffasern Schnüre genauso entstehen wie Hosen oder Jacken. «Die Stängel hier liefern wir noch nicht nach Glarus», lacht Appert, «wir wollen sie nicht erschrecken». Es ist einfach noch zu viel Unkraut unter der Masse.

Das alles kann Appert und die Landi Freiamt jedoch nicht erschüttern. «Es sind ja Versuche, die wir hier anstellen, um Erfahrungen zu sammeln.» Auf den verschiedenen Feldern im ganzen oberen Freiamt sind die Hanfpflanzen ganz unterschiedlich herangewachsen. Überzeugt ist Appert aber von der Hanf-Pflanze als solche. «Sie eignet sich gut in Fruchtfolgeflächen, wächst schnell, verträgt auch Trockenheit – Stichwort Klimawandel – und es braucht keinen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.»