Räuber
18 Monate Haft für Handtaschen-Räuber

Die Justiz hat entschieden: Das Bezirksgericht Bremgarten verurteilte den uneinsichtigen Serientäter in Sachen Handtaschen-Raub zu unbedingter Gefängnisstrafe.

Andrea Weibel
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Emanuel Freudiger

«Niemand in diesem Gericht hat je einen ähnlichen Fall erlebt», konstatierte Gerichtspräsident Peter Thurnherr am Donnerstagabend.

Er hatte soeben das Urteil im Fall des Wohler Handtaschenräubers Zinan P. (Name geändert) gesprochen: 18 Monate Freiheitsentzug, dazu eine Busse von 600 Franken sowie Zivilforderungen und Genugtuung im Gesamtbetrag von rund 13000 Franken.

Seit Herbst 2009 war der Verurteilte dreimal in Untersuchungshaft. «Und jedes Mal, als Sie rauskamen, haben Sie gleich das nächste Verbrechen begangen. Sie haben nichts, aber auch gar nichts gelernt», sagte Thurnherr kopfschüttelnd zum Angeklagten.

Schwere Kopfverletzungen

Zinan P. ist erst 22 Jahre alt und stand am Donnerstag wegen elf verschiedener Verbrechen vor Gericht. Tragische Berühmtheit erlangte er im Oktober 2009, als er einer Velofahrerin in Wohlen die Handtasche entriss.

Die Frau stürzte und erlitt mehrfache schwere Verletzungen am Kopf. Auf die Frage, weshalb er die Tat begangen habe und auch nicht umgekehrt sei, als er sah, wie die Frau stürzte, sagte Zinan P. aus, er sei halt dumm gewesen und habe sich nichts dabei überlegt.

«Doch der Höhepunkt ist, dass er eine Woche später gleich der nächsten Frau die Handtasche entrissen hat», so der Gerichtspräsident. Bei so wenig Reue des Angeklagten sei es dem Gericht unmöglich, die Strafe auf Bewährung auszusetzen.

Zwei zurückgezogene Anklagen

Der Anwalt der schwer verletzten Velofahrerin stand für die Anklage, drei weitere Kläger waren ebenfalls im Saal. Mit einzelnen Aussagen der Zeugen und Gäste hatte das Gericht allerdings Mühe. Einige Minuten, nachdem die Verhandlung begonnen hatte, platzten unvermittelt zwei junge Frauen, eine davon Zinan P.’s Freundin, mit ihrer Mutter in den Saal.

Sie wollten ihre Anzeige wegen Hausfriedensbruchs gegen P. zurückziehen. Kurz davor hatte der erste Zeuge, ein 16-Jähriger, seine Aussage zurückgezogen.

Zu 90 Prozent erkannt

Er hatte Zinan P. erst beschuldigt, ihm im Oktober dieses Jahres in den Wohler Niedermatten Geld geraubt und ihm auch mit Gewalt gedroht zu haben.

Auf einem Bild, das ihm die Polizei zeigte, habe er P. zu 90 Prozent erkannt. «Aber der Mann damals hatte aufgestellte Haare und trug eine Mütze», so der Zeuge. Zinan P. trägt die Haare heute kurz. «Zinan kenne ich schon lange, er war es nicht», führte der Zeuge aus.

Das Gericht musste P. daher von der Anschuldigung des Raubes freisprechen. «Man darf aber ein ungutes Gefühl haben», sagte der Gerichtspräsident. «Ich bin mir nicht sicher, wie frei der Zeuge wirklich geredet hat.»

Lange Liste von Vergehen

Zinan P. wurde weiter wegen Drogenhandel sowie Erwerb, Besitz und Konsum von Marihuana verurteilt. In diesem Zusammenhang steht auch der Fall vom Oktober 2009, als er von einem Drogensüchtigen am Bahnhof Marihuana kaufen wollte, diesen dann mit Pfefferspray attackierte und ihm die Drogen stahl.

Die Liste der Anklagepunkte wird mit mehrfachem Diebstahl, Zechprellerei, mehrfachem Hausfriedensbruch und Nötigung ergänzt. Mutter, Onkel und drei Geschwister Zinans waren anwesend. Dazu zwei Kantonspolizisten, die Zinan P. danach in Handschellen abführten.