Urteil

18 Monate bedingt für Wohler «Drift-Depp» – Bundesgericht weist Beschwerde ab

Konsequenzen für Drifter von Wohlen

Seine Drift-Aktion wurde auf Video festgehalten. 2018 gefährdete der Junglenker nach einem Fussballmatch mehrere Menschenleben.

Der Junglenker gefährdete mit seiner Aktion nach einem Fussballmatch mehrere Menschenleben. Nun soll er bis zu 6 Monate ins Gefängnis.

Im Juni 2016 feierte ein 21-Jähriger einen Sieg der Italiener an der Fussball-EM mit einem Autokorso durch Wohlen. Dabei verlor er die Herrschaft über seinen Wagen. Nur mit Glück gab es keine Verletzten. Das Aargauer Obergericht verurteilte ihn zu 18 Monaten bedingt. Nun hat das Bundesgericht die Beschwerde des jungen Mannes abgewiesen.

Fussball sorgt für Emotionen bei den Fans, besonders bei Grossanlässen wie einer Euro. So auch am 13. Juni 2016. Die Squadra Azzurra schlug Belgien 2:0, die italienischen Fans freuten sich über den Sieg. Zu ihnen gehörte auch der damals 19-jährige Pietro (Name geändert), der das Spiel zusammen mit Freunden in der Wohler Zanzibar schaute. Wie viele andere wollte er sich dem traditionellen Autocorso anschliessen, um den Sieg der Italiener zu feiern.

Pietro plante um den damaligen «Azag»-Kreisel zu fahren, an der «Zanzibar» vorbei, zum Bären-Kreisel, nochmals an der «Zanzibar» vorbei und dann nach Hause, wie er im Juni 2018 vor dem Bezirksgericht Bremgarten aussagte. Daraus wurde aber nichts. Bei der zweiten Vorbeifahrt an der Zanzibar verlor Pietro, der erst seit einem halben Jahr den Fahrausweis hatte, die Kontrolle über seinen Lexus IS2000 und driftete von der Fahrbahn.

Obergericht verschärfte Urteil

Laut einem Gutachten schoss er mit rund 40 km/h aufs Trottoir zu, wo mehrere Personen zurückweichen mussten. Nur mit Glück gab es keine Verletzten. Pietros Lexus drehte sich um die eigene Achse und kollidierte rückwärts mit einem Betonsockel und einer Signaltafel. Eine Videoaufnahme, die ein Zuschauer machte, zeigte daraufhin die dramatische Szene auf sozialen Medien und in Online-Portalen. Der «Blick» machte ihn sogar zum Wohler «Drift-Depp».

Das Bezirksgericht Bremgarten verurteilte Pietro wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln zu einer bedingten Geldstrafe von 360 Tagessätzen à 80 Franken mit drei Jahren Probezeit sowie einer Busse von 1000 Franken. Die Staatsanwaltschaft zog das Urteil an die nächste Instanz weiter. Das Obergericht verschärfte dieses im vergangenen Oktober sogar noch. Es sprach Pietro der qualifiziert groben Verletzung der Verkehrsregeln schuldig und bestrafte ihn mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten mit dreijähriger Probezeit.

Keine Einsicht

Dies passte dem jungen Italiener natürlich nicht. Er rekurrierte vor dem Bundesgericht und verlangte lediglich eine Geldstrafe von 300 Tagessätzen à 25 Franken. Ebenso sei die Sache zur neuen Beurteilung ans Obergericht zurückzuweisen und ihm eine unentgeltliche Rechtspflege gewährt werden. Pietro rügte unter anderem, dass die private Videoaufnahme der Schleuderfahrt als Beweismittel nicht verwertbar sei. Zudem machte er vor Bundesgericht geltend, dass das Obergericht zu Unrecht angenommen habe, dass er das Driftmanöver vorsätzlich ausgeführt habe.

Die Richter in Lausanne stützen laut ihrem Urteil vom 17. August 2020 (6B_1404/2019) aber den Entscheid des Aargauer Obergerichts vollumfänglich und wiesen Pietros Beschwerde in allen Teilen ab. Einzig sein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird gutgeheissen und seinem Anwalt wird eine Entschädigung von 3000 Franken aus der Bundesgerichtskasse ausgerichtet.

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