Austausch
18 indische Schüler in Wohlen – das führt zu witzigen Situationen

Aus der Millionenstadt Bangalore ins Freiamt. 18 Schüler verbringen zehn Tage an der Kanti Wohlen. Das bedeutet Kulturschock. Der ist aber gar nicht ganz ungewollt.

Chantal Gisler
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Es herrscht ein gewaltiges Chaos in der Turnhalle der Kanti Wohlen. Laut in fremder Sprache redend, spazieren junge Leute kreuz und quer durcheinander. Aber sobald die Musik losgeht, formieren sich die indischen Schüler zu einer Figur und legen mit einer einzigartigen Synchronizität eine atemberaubende Tanzeinlage hin. Am Ende des Lieds zerstreuen sich die Tänzer wieder. «Das geht schon die ganze Zeit so», sagt Remo Knüsel staunend. «Die üben seit Monaten daran. Sie wollen, dass alles perfekt wird.»

Doch wieso tanzt eine indische Klasse durch die Wohler Schule? Schuld sind drei Jugendliche aus der dritten Kanti: Neben Knüsel sind das Oliver Arenas und Samuel Meier. Sie haben sich im Rahmen des Projektunterrichts für die Arbeit über das «Schweizerisch-Indische Klassenzimmer» (siehe Box) entschieden. Dieses beinhaltet unter anderem den Austausch zweier Schulklassen während zehn Tagen. Das Finale des Besuchs wird eine öffentliche Dance-Performance der indischen Schüler vor der Kanti sein, die heute Donnerstag um 15.30 Uhr stattfindet.

Die Organisatoren Remo Knüsi, Oliver Arenas und Samuel Meier von der Kanti Wohlen posieren mit den akrobatischen Indern in der Turnhalle.

Die Organisatoren Remo Knüsi, Oliver Arenas und Samuel Meier von der Kanti Wohlen posieren mit den akrobatischen Indern in der Turnhalle.

Chantal Gisler

Gipfeli mit Messer und Gabel

Im Oktober werden die Kantonsschüler mit zwei Lehrern nach Indien reisen. Sie werden bei den Familien der indischen Mitschüler leben, so wie diese momentan bei den Familien der Kantischüler wohnen. «Wenn die Möglichkeit besteht, möchte ich neue Erfahrungen sammeln», meint Arenas. «Ich hoffe auf einen Kulturschock.» Diesen haben die Inder allemal: «Sie essen normalerweise mit ihren Händen, das Benutzen von Besteck mussten sie lernen.

Das ist manchmal lustig mit anzusehen, vor allem, wenn sie am Sonntagmorgen nach Messer und Gabel für ihr Gipfeli fragen», erzählt er lachend. Seit gut einer Woche ist die indische Klasse in Wohlen. «Sie kommen aus einer Grossstadt, für sie ist das eine ganz neue Erfahrung hier», erklärt Meier. «Bangalore hat mehr Einwohner als die ganze Schweiz. Dort grüsst man sich nicht wie hier.»

Schweizerisch- Indisches Klassenzimmer

Unterstützt werden die Schüler von der ch Stiftung für eidgenössische Zusammenarbeit und der Stiftung Mercator Schweiz. Die beiden Stiftungen fördern mit ihrem Projekt «Schweizerisch-Indisches Klassenzimmer» Schulpartnerschaften mit Indien, um jungen Menschen mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund persönliche Begegnungen und Einblicke in andere Lebensweisen zu ermöglichen. Sie wollen die Jugendlichen unter anderem dazu bringen, über die eigenen Werte und Traditionen nachzudenken. (chg)

Ziel der Aktion ist es auch, gemeinsam an verschiedenen Projekten zu arbeiten. «Dass ihr Kühe esst, stört mich eigentlich nicht. Ich bin der Meinung, dass jede Kultur einzigartig ist und man sie respektieren soll», erklärt Amogh Raj, Schüler der indischen Klasse. «Ich finde die Schweizer Kultur faszinierend, aber am meisten gefällt mir, dass eure Strassen so leer sind, in Indien haben wir viel mehr Verkehr.» Knüsel berichtet: «Die Inder sind höflich und sehr hilfsbereit. Letzteres haben wir eigentlich gar nicht erwartet, da sie aus der obersten Schicht kommen und teilweise sogar Hausangestellte haben.»

Zwischen Perfektion und Chaos

Und was haben die Kantonsschüler vorbereitet? «Wir haben es uns überlegt, aber das würde nie so perfekt aussehen wie ihr Tanz.» Der Perfektionismus der Inder zeigt sich besonders beim Gruppenfoto. Lange besprechen die Inder, bis sie sich plötzlich zu einer Figur zusammenstellen. «Jetzt, schnell, schnell!», rufen sie aufgeregt auf Englisch, denn die Untersten der Menschentürme können ihre Mitschüler nicht lange halten. Dann setzen alle ein unbeschwertes Lächeln auf. Doch nachdem das Foto im Kasten ist, gehen sie auseinander und das vorherige Chaos bricht wieder herein.