Tägerig

150 Jahre Selbstständigkeit – so entwickelte sich das Kirchenleben im Dorf

Die 1846 eingeweihte St. Wendelinskirche in Tägerig.ba

Die 1846 eingeweihte St. Wendelinskirche in Tägerig.ba

Die katholische Pfarrei ist seit 150 Jahren selbstständig und von der Mutterpfarrei Niederwil getrennt. Dies wird nun mit einem Mittagessen gefeiert. Dazu erscheint eine Broschüre über Pfarrkirche, Kapelle und Lourdeskapelle.

Vor 150 Jahren, 1864, löste sich die katholische Pfarrei Tägerig von ihrer Mutterkirche Niederwil und errang die Eigenständigkeit. Dieses Ereignis wird gebührend gefeiert. Am 22. Juni wird die Gemeinde nach dem Sonntagsfestgottesdienst zu einem Mittagessen eingeladen. Auf das Jubiläum erscheint auch eine Broschüre über die Pfarrkirche St. Wendelin, die Kapelle in Büschikon und die Lourdeskapelle oberhalb von Tägerig.

Vom 11. bis ins 19. Jahrhundert war Tägerig nach Niederwil «pfarrgenössig». Die Nachbargemeinde erstellte ihre erste Kirche bereits 1045. Spuren geistlichen Lebens in Tägerig legte damals auch eine Waldbruderklause. Diese bestand im Brudermatthau seit dem 14. Jahrhundert bis in die aufziehende Reformation. Der letzte Waldbruder verliess die Klause Anfang 1528, bevor 1529 die Reformation für kurze Zeit auch Tägerig erfasste.

Tägerig erhält eine Kapelle

Um 1660 fanden die Tägliger die Zeit gekommen, um eine eigene Kapelle zu bauen. Um dafür das notwendige Geld aufbringen zu können, beschloss die Gemeinde, beim Hochgericht ein Stück Wald im «Gugel» zu roden, zu einer Matte zu machen und diese zu verkaufen. Für dieses Vorhaben erhielt Tägerig die Bewilligung von der Stadt Mellingen, die damals in Tägerig regierte.

1666 bewilligten Schultheiss und Rat in Mellingen der Gemeinde Tägerig auch, den Reusshaldenacker zur neuen Kapelle zu schlagen. Dem Bau der Kapelle stimmte die Pfarrei Niederwil, die unter der Kollatur des Klosters Schänis stand, unter der Auflage zu, dass Tägerig auch weiterhin alle Pflichten an Steuern und Bräuchen gegenüber der Pfarrkirche Niederwil erfüllen müsse, keinen eigenen Kaplan oder Pfarrherren anstelle und «ohne Widerred» dem Pfarrherrn von Niederwil gehorchen müsse.

Darauf konnten die Bauarbeiten beginnen. Weihbischof Georg Sigismund von Konstanz weihte das kleine Gotteshaus in der Nähe der Mühle und des Lindenplatz oben im Dorf am 20. Juni 1669 zu Ehren der Patrone St. Antoni und St. Wendel ein. Alljährlich am St. Wendelstag, am 20. Oktober, wurde das Kirchweihfest abgehalten. Die Kapelle erhielt einen einzigen Altar, aber keine Sakristei.

Immerhin befanden sich im kleinen Kirchlein ein paar Stühle und ein Opferstock, worin auch die Urkunden der Gemeinde aufbewahrt wurden. Denn ein Archiv bestand in Tägerig damals noch nicht. 1780 musste die Kapelle renoviert werden. Damals schaffte man auch ein blaues Messgewand sowie ein Messbuch an und erweiterte die Kapelle um ein Vordach und den «Tritt zum Ingang».

Kapelle beim Dorfbrand zerstört

Über Nacht brannte die St. Wendelinskapelle am 17. September 1838 nieder. Das Feuer frass sich durch das ganze Dorf und vernichtete fast alle Häuser in der Gemeinde. 507 Menschen wurden dabei obdachlos. Ein Teil der Überlebenden musste auswandern. Von der Kapelle blieb einzig das Glöcklein übrig. Dieses wanderte 1902 in die damals erbaute Lourdeskapelle.

Quellen: Seraphin Meier: Dorfgeschichte von Tägerig und Buch «Tägerig, Euses Dorf», erschienen 1989 zum Jubiläum 800 Jahre Tägerig.

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