Eine Tankstelle in Muri, morgens im Februar 2013: Ein junger Lenker eines blauen Seat Leon verwickelt eine 15-Jährige in ein Gespräch. Ob sie ihm ein Geschäft in der Nähe des Polizeipostens Muri zeigen könne? Das Mädchen lässt sich überreden, steigt in sein Auto – und bereut dies schon wenig später. Denn der Mann fährt in Richtung Boswil, lässt sie nicht aussteigen – auch als sie weint und ihn anfleht.

Stattdessen droht er, sie im Wald zu vergewaltigen, falls sie ihn nicht während der Fahrt oral befriedige. Zwar öffnet sie die Beifahrertür mehrmals einen Spalt, traut sich aber nicht, aus dem fahrenden Auto zu springen. Nach der Tat täuscht sie einen Asthma-Anfall vor. Erst jetzt, endlich, lässt er sie aussteigen.

Die Schülerin klingelt nun bei der nächstbesten Haustür. Wenig später identifiziert die Polizei den Mann: Es handelt sich um einen 21-jährigen Schweizer aus dem Kanton Zug. Er wird an seinem Wohnort verhaftet.

Vom Obergericht verurteilt

Das Aargauer Obergericht sprach den Mann im Januar 2017, wie zuvor das Bezirksgericht, vor allem wegen der sexuellen Nötigung und der sexuellen Handlung mit einem Kind schuldig. Es reduzierte die Freiheitsstrafe von 3½ auf 3 Jahre, davon 2 Jahre auf Bewährung, und berücksichtigte dabei einen rechtskräftigen Schuldspruch wegen mehrfacher Pornographie.  

Gegen dieses Urteil zog der heute 25-Jährige vor Bundesgericht. Dort stritt er nach wie vor die sexuelle Nötigung ab. Gemäss seiner Version habe die 15-Jährige ihn gebeten, wohin zu fahren. Sie haben ihn zum Oralverkehr verführt, ihr Alter mit 18 angegeben und danach erpresst. Sie sei erst 16 Jahre alt und gehe zur Polizei, wenn er ihr nicht Geld gebe.

Dem Obergericht warf er vor, seine und ihre Aussagen einseitig, sprich willkürlich gewürdigt zu haben. Laut Gericht hatte das Überwachungsvideo der Tankstelle keine eindeutige Aussage zugelassen. Der Beschwerdeführer dagegen sah darin Widersprüche zur Darstellung der 15-Jährigen, zu denen sich das Gericht nicht geäussert habe. Das Video zeige, dass das Gespräch nur etwas mehr als 40 Sekunden gedauert habe. Das könne nicht mit den Aussagen der Jugendlichen übereinstimmen. Zudem rügte er, dass die Vorinstanz die Stellungnahme einer Psychologin vom Kompetenzzentrum für Aussagenpsychologie der Universität St. Gallen nicht gewürdigt habe. 

Das Bundesgericht folgt seiner Argumentation allerdings nicht. Stattdessen bestätigt es die Sicht des Obergerichts. Laut diesem sind die Aussagen des Beschwerdeführers teilweise widersprüchlich oder widersprechen anderen Aussagen respekive Indizien. Die Schilderungen der jungen Frau stuft es dagegen als glaubhaft ein. Es verwies auch auf die Zeugin, die dem Mädchen die Tür öffnete und die eine "panische, verzweifelte, hilflose junge Frau, die vor lauter Weinen fast nicht habe sprechen können, vor ihrer Haustüre" vorfand. 

Urteil: 6B_617/2017