Zufikon

14'000 Jahre alte Baumstämme lagern tief im Zufiker Waldboden

Die beiden Dendroökologen Daniel Nievergelt (links) und Ulf Büntgen mit ihrem ältesten Fundstück.

Die beiden Dendroökologen Daniel Nievergelt (links) und Ulf Büntgen mit ihrem ältesten Fundstück.

Ein weltweit einmaliger Fund aus Zürich befindet sich nun im früheren Munitionslager im Zufiker Wald. Die Forscher erhoffen sich durch die Untersuchung der uralten Baumstämme und Holzproben wichtige Erkenntnisse.

Von aussen ist die Bunkeranlage im Zufiker Wald, ganz in der Nähe der Waldhütte, unscheinbar. Eine Betonwand am Fusse des Hügels, darin eine dicke Türe, wie man sie von Luftschutzbunkern kennt. Früher wurde hier Munition gelagert. Seit kurzem befindet sich hinter der unauffälligen Wand ein weltweit einzigartiger Fund.

Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) nutzt die Räume, um Holz einzulagern, das bis zu 14 000 Jahre alt ist. Auch eine Sammlung an Bodenproben wurde von Birmenstorf nach Zufikon ausgelagert.

So lagern die antiken Baumstrünke in Zufikon.

So lagern die antiken Baumstrünke in Zufikon.

Ein langer Gang führt horizontal ins Innere, bis man sich rund dreissig Meter unter der Erde befindet. Die Temperatur bleibt hier bei etwa 10 Grad konstant, allerdings ist die Luft feucht, was dem jahrtausendealten Holz nicht zuträglich wäre. Deshalb wurde im Inneren quasi nochmals ein Gebäude errichtet, in dem man die Luftfeuchtigkeit bei etwa 50 % halten kann. Der Raum, 100 Meter lang, bietet Platz für unzählige Baumstrünke und Holzproben aus längst vergangener Zeit.

Qualität und Quantität einmalig

Gefunden wurde das Holz auf einer Zürcher Baustelle. In einer lehmigen Baugrube im Quartier Bünz wurde der subfossile Wald entdeckt. «Zuerst fanden wir nur drei Baumstämme. Als es dann zehn wurden, freuten wir uns schon riesig, denn aus dieser Zeit gibt es nicht viele Funde. Schliesslich waren es 250 Baumstrünke, das ist weltweit ein einmaliger Fund», erklärt Ulf Büntgen, Dendroökologe am WSL.

Das aber nicht nur wegen der Quantität, sondern auch wegen der Qualität: «Die Bäume wurden einst vom Lehm erfasst – warum genau, wissen wir nicht – und darin konserviert. Jetzt, wo sie vom Lehm befreit sind, müssen wir sie vorsichtig lagern, damit sie keinen Schaden nehmen.»

Der Fund, der rund 2000 Jahre abdeckt, ist aus einem weiteren Grund wichtig für die Forscher. Baumringe erlauben eine genaue Datierung – ein Ring pro Jahr. Die mitteleuropäische Jahrring-Chronik geht 12 594 Jahre zurück, danach gibt es aber eine Lücke. Die noch älteren Funde sind etwa 12 700 Jahre alt, aber wegen der Lücke «schwimmen» diese Daten, weil man sie mit der C14-Analyse nur auf etwa 20 Jahre genau einordnen kann.

Können die Forscher mit dem Zürcher Fund die Lücke schliessen, hat das Auswirkungen auf alle älteren Daten, weil diese dann in die Messreihe «eingehängt» werden können, wie Daniel Nievergelt, ebenfalls Dendroökologe, erklärt. Spannend sind Erkenntnisse aus dieser Zeitperiode zudem, weil gerade da die letzte Eiszeit zu Ende ging.

Alles ist neu

Wie die Forscher das Holz analysieren, erläutert Büntgen: «Von Auge kann auch ein Forscher nicht sagen, ob ein Baumstamm 4000 oder 14 000 Jahre alt ist. Zuerst untersuchen wir die Baumringe und vergleichen sie mit den anderen Bäumen, dann können wir anhand des Musters festlegen, in welchen Bereichen sich die Proben überschneiden.» Anhand der Dichte des Holzes könne man Rückschlüsse ziehen, wie gut es dem Baum an einem Zeitpunkt ging.

«Beim Untersuch von holzanatomischen Merkmalen betrachten wir das Holz auf Zellebene und können damit feststellen, was innerhalb eines Jahres passiert ist.» Schliesslich könne anhand der stabilen Isotope festgestellt werden, wie alt der Baum ungefähr sei. Das Verfahren beruht darauf, dass in abgestorbenen Organismen die Menge an gebundenen radioaktiven 14C-Atomen abnimmt. DNA-Analysen erlauben zudem, die Abstammung der Bäume zu verfolgen.

Das Spannende an diesem Forschungsfeld: «Alles, was wir herausfinden, ist neu. Allerdings wissen wir vieles noch nicht, und schliesslich kann niemand genau sagen, wie es vor 14 000 Jahren war. Denn wir können die Proben zwar mit heutigen Bäumen vergleichen – die Pflanzen damals müssen sich aber nicht genau gleich verhalten haben», sagt Büntgen.

Eine Luxussituation

Es ist erst ein Teil des Materials eingelagert, den man in Zürich gefunden hat. «Durch den Fund waren wir gezwungen, uns auf die Suche nach geeigneten Lagermöglichkeiten zu machen, nun haben wir eine Luxussituation», sagt Büntgen. Der Raum wird einst voll mit Holz sein. Durch das grosszügige Platzangebot ist es einfacher, an die Proben zu kommen, als wenn sie in Regalen aufbewahrt würden.

«Zudem können wir auch Material einlagern, für dessen Untersuchung wir noch keine Kapazitäten haben. Damit können wir auch in ein paar Jahren noch Material untersuchen, falls es neue Messmethoden oder Fragestellungen gibt.»

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