Muri
14 Männer und vier Frauen wurden im Klosterdorf zum Ritter und zur Dame geschlagen.

Der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem sorgt mit seiner Investiturfeier für eine volle Klosterkirche Muri.

Barbara Hagmann
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Einzug der Damen und Ritter in die Klosterkirche Muri. Barbara Hagmann

Einzug der Damen und Ritter in die Klosterkirche Muri. Barbara Hagmann

Die Klosterkirche Muri war am Samstagnachmittag rappelvoll. Wer keinen Sitzplatz mehr ergattern konnte, gab sich mit einem Stehplatz zufrieden.

Keiner der 250 Gäste wollte verpassen, was sich in der Kirche abspielte: 14 Männer und vier Frauen wurden zum Ritter und zur Dame geschlagen.

Ein nicht alltägliches Ereignis im Kanton Aargau. Landammann Roland Brogli freute sich über den Besuch des Ritterordens. «Wir sind stolz, dass die Investitur zum ersten Mal im Kanton Aargau stattfindet», sagte er in seinen Begrüssungsworten. Er bezeichnete Muri als kulturellen und spirituellen Kraftort, der für einen ritterlichen Anlass geradezu perfekt sei. «Ich hoffe, dass alle etwas von dieser Kraft mitnehmen und der Welt weitergeben», betonte Brogli.

So ist der Ritterorden organisiert

Seinen Ursprung verdankt der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem dem seit 1335 belegten Brauchtum mittelalterlicher Ritter, den Ritterschlag am Heiligen Grab in Jerusalem zu empfangen. Dies ist im Zusammenhang mit der Pilgerfahrt nach Jerusalem im europäischen Mittelalter zu sehen. Die Leitung des Ordens oblag zuerst dem Papst, wurde jedoch unter Pius XII. einem Kardinal übertragen, der in dieser Funktion den Titel eines Kardinal-Grossmeisters trägt. Länderweise sind die Ordensmitglieder in sogenannten Statthaltereien zusammengefasst, welche jeweils von einem Statthalter geleitet werden. Stellvertreter des Statthalters und geistlicher Leiter ist ein Bischof mit dem Titel Grossprior. In der Schweiz besteht seit 1950 eine Statthalterei mit Sitz im St. Michaelsstift zu Beromünster. Die Statthalterei ist in je eine Sektion Deutschschweiz, Romandie sowie Tessin unterteilt. Die zwei erst genannten Sektionen sind in Komtureien gegliedert. Bei einer Mitgliederzahl von 300 sammelt die Schweizer Statthalterei bis zu 550 000 Franken jährlich. Weltweit gehören dem Ritterorden 33 000 Mitglieder an. (Hag)

Das karitative und soziale Engagement der Ritter und Damen richtet sich in erster Linie an die Christen im Heiligen Land. Dazu gehört der bauliche Unterhalt von Gemeindehäusern, Pfarrkirchen, Schulen und Kindergärten.

Darüber hinaus werden das Priesterseminar Beit Jala und diverse schulische Projekte finanziell unterstützt. «Die Schulen und Familien werden von uns jährlich besucht. Es ist wichtig, dass sie einen persönlichen Bezug zu uns aufbauen und uns nicht nur als Geldgeber kennen», erläuterte Jean-Pierre de Glutz-Ruchti, Schweizer Statthalter.

Die Spenden kommen vollumfänglich den Projekten in Israel, in den von Israel besetzten Gebieten sowie in Jordanien zugute. Christen und Muslime werden im Heiligen Land an denselben Schulen unterrichtet. «Wir machen keine Politik im Heiligen Land. Unsere Aufgabe ist allein die Unterstützung», hielt de Glutz-Ruchti fest.

Der Ritterorden steht Frauen und Männern offen, die sich als Katholiken ausgezeichnet haben. Rainer Kaufmann, Präsident Komturei Zürich, präzisierte: «Die Anwärterinnen und Anwärter müssen nach bestem Wissen und Gewissen nach dem christlichen Vorbild leben.» Ein weiteres Attribut sei die Papsttreue sowie die Bereitschaft, sich finanziell einzubringen.

«Früher ist man im Heiligen Land hoch zu Ross und mit Schwert eingeritten. Heute bringt man Geist und Geld mit», sagte Kaufmann und fügte hinzu: «Wir sehen unser Wirken auch als Beitrag für den Frieden.»