Bezirksgericht Bremgarten

14-jähriges Mädchen bedrängt und sexuell belästigt: Afghane muss Schweiz fünf Jahre verlassen

Ein Afghane wird für fünf Jahre des Landes verwiesen. (Symbolbild)

Ein Afghane wird für fünf Jahre des Landes verwiesen. (Symbolbild)

Er suchte Asyl in der Schweiz, Trost im Alkohol und Liebe bei einer Minderjährigen. Der Richter in Bremgarten verwies ihn für fünf Jahre des Landes.

Nike-Turnschuhe und Adidas-Trainerhose, ein T-Shirt darüber und die Baseballkappe auf dem Kopf, so präsentierte sich der Angeklagte vor dem Bezirksgericht Bremgarten. Nachdem ihn Gerichtspräsident Lukas Trost aufgefordert hatte, seine Mütze abzunehmen, konnte der Prozess beginnen. Es ging um die Anklage wegen mehrfacher sexueller Nötigung, mehrfacher sexueller Handlung mit einem Kind und mehrfacher sexueller Belästigung. Ramil (Name geändert), begleitet von seiner Verteidigerin und einem Übersetzer, bestätigte, die Anklage verstanden und bei seiner Einvernehmung die Wahrheit gesagt zu haben.

An die Geschehnisse am späten Nachmittag des 11. Oktober 2017 auf Perron 2 des Wohler Bahnhofs könne er sich nicht mehr genau erinnern, weil er betrunken gewesen sei. Er habe eine Frau am Bahnhof getroffen und sie gefragt, wie alt sie sei. Sie habe ihm ihre Handynummer gegeben. Dann habe er sie geküsst und sie sei mit dem Zug weggefahren.

Was in Ramils Version recht harmlos klingt, liest sich in der Anklageschrift um einiges dramatischer. Gemäss Aussagen der damals 14-jährigen Klägerin habe Ramil sie an der Hand gepackt und ihre Handynummer verlangt. Durch sein forsches Auftreten eingeschüchtert, habe sie ihm die Nummer gegeben. Er fragte sie auch nach ihrem Namen und ihrem Alter, welches Paula (Name geändert) mit 13 angab.

Trotz Widerstand bedrängt

Ramil legte den Arm um Paulas Schulter und zog sie an sich. Obwohl sie ihm sagte, dass sie das nicht wolle, und trotz Gegenwehr soll er sie dann auf den Mund und verschiedene andere Stellen an Kopf und Hals geküsst haben. Zudem habe er sie an Brüsten und Po angefasst. Nach mehreren Minuten konnte sich Paula losreissen und wegrennen. Sie suchte Zuflucht im Wartehäuschen. Doch laut Ermittlungen der Staatsanwaltschaft folgte ihr Ramil dahin und bedrängte sie in gleicher Art weiter, bis es Paula endlich gelang, ihn wegzustossen. Paulas Mutter, die als Vertreterin der Klägerschaft am Prozess teilnahm, betonte in ihrer Stellungnahme, dass ihre Tochter nicht einfach von sich aus so zusammengebrochen wäre. Sie habe sich ernsthaft bedroht gefühlt.

Ramils Pflichtverteidigerin rügte in ihrem Plädoyer die Vorgehensweise der Staatsanwaltschaft und bezeichnete deren Arbeit in diesem Fall als «dürftig». Ihr Klient sei zum Zeitpunkt des Geschehens «in nicht unerheblichem Masse» alkoholisiert gewesen. Eine neutrale Schilderung der Geschehnisse liege keine vor. Ramils Kollege, der an besagtem Spätnachmittag mit ihm unterwegs war, sei auch nicht vernommen worden. Aufgrund der vorliegenden Fakten sei Ramil einzig wegen sexueller Belästigung zu belangen. Eine Strafe von 300 Franken und die Begleichung eines Drittels der Gerichtskosten sei dafür angemessen.

Gastfreundschaft missbraucht

Da war Gerichtspräsident Trost allerdings anderer Ansicht. Die Schweiz habe Ramil geglaubt und ihn unterstützt, als er, aus Afghanistan geflüchtet, um Asyl ersucht habe. Er habe mit seinem Gesetzesbruch diese Gastfreundschaft missbraucht. «Die Klägerin hat glaubhaft und überzeugend ausgesagt. Sie haben mich nicht überzeugt.» Wenn ein 20-Jähriger eine 14-Jährige in sexueller Absicht angehe, obwohl sich diese wehrt, dann sei das eine strafbare Handlung, nicht nur in der Schweiz. So verhängte Trost einen Landesverweis für fünf Jahre, eine Geldstrafe von 2700 Franken, auf Bewährung ausgesetzt auf zwei Jahre, und die Übernahme der Gerichtskosten. Ramil nahm Trosts mahnende Worte aus dem Munde des Übersetzers scheinbar teilnahmslos entgegen und setzte sein Cap wieder auf.

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Autor

Christian Breitschmid

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