«Die Gemeinden sind verpflichtet, den Zugang zu einem bedarfsgerechten Angebot an familienergänzender Betreuung von Kindern bis zum Abschluss der Primarschule sicherzustellen. Die Aufgabe kann in Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden oder Dritten erfüllt werden. Die Benützung des Angebots ist freiwillig.» So steht es im Kinderbetreuungsgesetz (KiBeG), das vom Aargauer Stimmvolk am 5. Juni 2016 angenommen worden ist.

In vielen Freiämter Gemeinden wird dem neuen Gesetz bereits nachgelebt, über die entsprechenden Vorlagen ist an den Gemeindeversammlungen im Herbst 2017 beraten und entschieden worden. In Wohlen steht die Umsetzung des KiBeG noch bevor. Eine siebenköpfige Kommission unter der Leitung von Gemeinderat Paul Huwiler hat das in Wohlen bereits bestehende Kinderbetreuungsreglement revidiert und den neuen gesetzlichen Bestimmungen angepasst. Jetzt liegt die Vorlage auf dem Tisch, der Einwohnerrat wird an einer seiner nächsten Sitzungen darüber befinden müssen.

Nichts Neues, aber viel mehr

Was das KiBeG verlangt, gibt es in Wohlen grundsätzlich schon seit einigen Jahren: Seit 2008 gibt es Blockzeiten an der Schule und 2012 hat der Einwohnerrat das Konzept Mittagstisch und Aufgabenhilfe beschlossen. Mittlerweile gibt es in allen drei Schulzentren einen Mittagstisch, für dessen operative Leitung der Gemeinnützige Ortsverein gewonnen werden konnte. Die gleiche Organisation bietet auch die Aufgabenhilfe an. Und wie vom neuen Gesetz verlangt, werden auch die Elternbeiträge an die familienergänzende Kinderbetreuung bereits nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Erziehungsberechtigten bezogen.

Es wird sich somit in Wohlen am Angebot nicht viel ändern. Ausser, dass es zeitlich stark ausgeweitet wird.

Von früh bis spät

Bisher waren die Tagesstrukturen in Wohlen auf die Zeit von 8 bis 13.30 Uhr beschränkt. Am Mittwoch gab es nur ein reduziertes Angebot mit Betreuung und Aufgabenhilfe (B&A) am Morgen, jedoch ohne Mittagstisch.

Neu wird von früh bis spät betreut und geholfen. Von 6.30 bis 8 Uhr spielt eine Frühbetreuung, dann greift während der vier Stunden Blockzeit bis zum Mittag das B&A-Angebot. Von 12 bis 13.30 Uhr gibts den Mittagstisch mit B&A – neu auch am Mittwoch – und am Nachmittag zwei neue Angebote mit Frühnachmittagsbetreuung von 13.30 bis 15.30 Uhr und Spätnachmittagsbetreuung von 15.30 bis 18.30 Uhr. Die Nutzung des Angebots ist freiwillig. Die Eltern können ihre Kinder in einer Betreuungsinstitution ihrer Wahl unterbringen. Die Gemeinden sind aber nach KiBeG für deren Qualität sowie die Aufsicht zuständig.

Kosten nach Leistungsfähigkeit

Wie bisher müssen die Eltern für die Kosten des Betreuungsangebotes der Gemeinde geradestehen, wenn die von ihren Kindern in Anspruch genommen wird. Die Gemeinde erstattet ihnen jedoch einen Teil der Beiträge zurück. Deren Höhe wird auch nach dem neuen Reglement entsprechend der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Erziehungsberechtigten berechnet. Wie der Gesetzgeber gewünscht hat, ist der Wettbewerb in der Kinderbetreuung offen. In einer Verordnung legt die Gemeinde jedoch den maximalen und den minimalen Elternbeitrag fest und regelt auch den maximalen Unterstützungsbeitrag pro Modul.

Konkret: Für die Mittagsbetreuung zahlen die Eltern mindestens 8 und maximal 16 Franken, die Gemeinde beteiligt sich mit einem Beitrag von höchstens 19.50 Franken.

Wie bei neuen Gesetzen meistens üblich, ist auch das KiBeG mit höheren Ausgaben für die Gemeinde Wohlen verbunden. In der Rechnung 2017 sind die Kosten für das Kinderbetreuungsangebot noch mit 303 000 Franken ausgewiesen. Für das laufende Jahr – das neue Reglement tritt in Wohlen am 1. August in Kraft – wird mit Ausgaben von 495 000 Franken gerechnet, 2019 werden es voraussichtlich 827 000 Franken sein. Diese Zahl ist allerdings mit Vorsicht zu geniessen, da sie auf einer Schätzung beruht. Es kommt darauf an, wie viele Leute letztlich das Angebot nutzen. Im Kostenvergleich mit den anderen grossen Aargauer Gemeinden steht Wohlen nicht schlecht da: Wohlen rechnet für das KiBeG mit Kosten von 50 Franken pro Einwohner, Wettingen mit 66 Franken, Lenzburg mit 70 Franken, Baden mit 128 Franken und in Aarau soll die familienergänzende Kinderbetreuung 150 Franken pro Einwohner kosten.