Bezirk Bremgarten
«119 Mandate pro Amtsvormund sind nicht zu verantworten»

Die überlastete Amtsvormundschaft soll um zwei Stellen aufgestockt werden. Dadurch entstehenfür die 23 beteiligten Gemeinden im Bezirk Mehrkosten von 309000 Franken pro Jahr.

Fabian Hägler
Merken
Drucken
Teilen
Viel Arbeit für die Amtsvormundschaft in Berikon. az

Viel Arbeit für die Amtsvormundschaft in Berikon. az

Aargauer Zeitung

«Aktuell werden 119 Mandate pro 100 Stellenprozent Amtsvormund geführt» – was im Amtsdeutsch relativ nüchtern klingt, hat in der Realität massive Auswirkungen. Daniel Rohrer, Stellenleiter der Amtsvormundschaft des Bezirks Bremgarten in Wohlen, hält fest: «Unsere Amtsvormünder überschreiten durch die hohen Belastungen ihre Arbeitszeiten permanent und können so die
geforderten Weiterbildungen nicht in Angriff nehmen.»

Unter diesen Umständen stehe der Vorstand in der Pflicht, «zum Schutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und um fehlerfreie und termingerechte Führung der Mandate zu gewährleisten, eine Aufstockung der Stellenpensen zu beantragen.»

Rohrer führt aus, bisher habe die Belastungssituation «durch den engagierten Einsatz der Mitarbeiter aufgefangen» werden können. Nun hätten jedoch die Mandate mit komplexen Problemstellungen unerwartet stark zugenommen. «Dies zwingt uns zu raschem, vorzeitigem Handeln», schreibt Rohrer.

Vier neue Stellen verlangt

Im Hinblick auf die ausserordentliche Abgeordnetenversammlung der Amtsvormundschaft vom 23. Februar verlangt der Vorstand zwei zusätzliche Amtsvormund-Stellen (je 80%) und zwei neue Sekretariats-Stellen (je 50%).

Allein diese Personalaufstockung verursacht jährliche Kosten von 285000 Franken, dazu kommen Miete von 24000 Franken für zusätzliche Büros und einmalige Ausgaben für Mobiliar und EDV von 30000 Franken. Insgesamt würden für die 23 Gemeinden im Bezirk Bremgarten damit Zusatzkosten von 309000 Franken pro Jahr entstehen.

Ziel: 80 statt 119 Mandate

Der Vorstand mit Präsident Bruno Breitschmid (Wohlen) begründet den Antrag für die vier neuen Stellen mit der grossen Arbeitsbelastung. Derzeit betreut die Amtsvormundschaft über 600 Mandate, «dazu stehen ihr 510 Stellenprozente für Amtsvormünder zur Verfügung», ist dem Begleitbrief an die Gemeinde-Abgeordneten zu entnehmen.

Im Vergleich mit anderen Amtsvormundschaften im Kanton Aargau liegt der Bezirk Bremgarten hier an der Spitze. Das heisst konkret: In Zofingen führt ein Amtsvormund im Durchschnitt 84 Mandate, in Lenzburg sind es 97, in Muri 103, in Baden 105 und in Bremgarten 119. «Das ist bei den zum Teil äusserst komplexen Mandaten einfach nicht zu verantworten», schreibt Rohrer.

Für ein 100-Prozent-Pensum eines Amtsvormundes empfiehlt sich aus der Sicht des Vorstandes «das Führen von 80 Mandaten unterschiedlicher Schwierigkeitsstufen», führt er aus. Die klar höhere Zahl im Bezirk Bremgarten mache «eine deutlich zu hohe Auslastung erkennbar».

Neben den hohen Fallzahlen stellt sich für die Amtsvormundschaft eine weitere Herausforderung: Die bevorstehende Einführung des neuen Kinder- und Erwachsenenschutzrechts im Jahr 2013.

Dadurch ergeben sich «neue Arbeitsanforderungen und vermehrte Zusammenarbeit mit Fachbehörden», was nach Ansicht des Bremgarter Vorstandes «mit dem heutigen Personalbestand in keiner Art und Weise zu erfüllen» ist.