Wohlen
115-jährige Villa Dreifuss darf nicht abgerissen werden

Der Wohler Gemeinderat hat das Abbruchgesuch für ein 115-jähriges Haus abgewiesen – der Aargauer Heimatschutz wehrte sich erfolgreich gegen den Abriss. Die Villa Dreifuss ist laut Gemeinderat schützenswert und soll in ein Inventar aufgenommen werden.

Jörg Baumann
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Vorläufig wird die Villa Dreifuss nicht abgerissen. kob

Vorläufig wird die Villa Dreifuss nicht abgerissen. kob

DominicKobelt

Die 1898 vom Strohfabrikanten Theodor Dreifuss erbaute Villa an der Farnbühlstrasse 1 in Wohlen wird nicht abgebrochen – wenigstens vorläufig nicht. Der Wohler Gemeinderat hat das Abbruchgesuch des Eigentümers Alessandro Mattiola, Zahnarzt in Wohlen, abgewiesen.

Der Aargauer Heimatschutz hatte sich erfolgreich gegen dieses Begehren gewehrt. Die Villa gehört nach Ansicht des Gemeinderates zurecht zu den schützenswerten Gebäuden im Dorf, die in ein Schutzinventar aufgenommen wurden.

Doch damit ist das Geschäft noch nicht vom Tisch: Denn die revidierte Nutzungsplanung Siedlung und das Schutzinventar sind noch nicht in Kraft. Die Vorlage wird laut dem Gemeinderat im August 2013 öffentlich aufgelegt und kommt voraussichtlich im Februar 2014 in den Einwohnerrat.

Das von Mattiola gestellte Abbruchgesuch wurde zurückgestellt und das Areal mit einer Bausperre belegt.

Diese gilt für die Zeit, die die Gemeinde braucht, um an der Nutzungsplanung Änderungen vorzunehmen – höchstens aber zwei Jahre. Im laufenden Verfahren können alle betroffenen Grundeigentümer ihre Einwendungen vorbringen.

Der Aargauer Heimatschutz nimmt den Entscheid des Gemeinderates mit Befriedigung zur Kenntnis. Dieser liess es noch offen, ob er die Villa unter den strengen Substanzschutz stellen will oder ob es genügt, das Gebäude in seinem Volumen zu erhalten.

Der Aargauer Heimatschutz sei bereit, Hand zu einer «guten Lösungsfindung» zu bieten, teilte die Organisation dem Gemeinderat mit.

Die Villa sei in einem baufälligen Zustand, liess Alessandro Mattiola den Gemeinderat via Anwalt wissen. Der Anwalt machte geltend, dass der Schutz der Villa unrechtmässig sei und die beim Ortsbildschutz angewandten Kriterien einer kritischen Beurteilung nicht standhielten.

In einem informellen Gespräch zwischen allen Beteiligten kündigte der Eigentümer Ende September noch an, dass Abklärungen mit möglichen Kaufinteressenten im Gang seien und das Abbruchgesuch bis zum Ergebnis sistiert werden solle.

Ende Dezember teilte der Anwalt dem Gemeinderat aber mit, dass der Eigentümer auf eine Einigungsverhandlung verzichten wolle und der Gemeinderat nun «möglichst umgehend» einen Entscheid fällen solle.