«Der Lehrer ist sehr froh, dass dieses Schuljahr nun zu Ende ist», vermerkte ein Boswiler Schüler vor mehreren Jahrzehnten in der Schulchronik, mit der sich Gerold Hänggi im letzten halben Jahr intensiv auseinandersetzte. Der langjährige Lehrer und Rektor an der Schule Boswil fand beim Durchstöbern der alten Bücher viel Erstaunliches und Kurioses über die Anfänge der Schule heraus. Diese Nachforschungsergebnisse, gespickt mit einigen witzigen Anekdoten, trug er den Mitgliedern des Kulturvereins Boswil vor, die sich zu ihrer 8. Mitgliederversammlung trafen.

So wurde 1874 festgelegt, dass eine Klasse aus nicht mehr als 100 Schülern bestehen darf – in Ausnahmefällen 120. Die Vereinsmitglieder schmunzelten ungläubig. Auch die Einführung des Turnunterrichts verlief in Boswil nicht ganz ohne Kuriosität. Weil die Freiämter bei der Rekrutierung aussergewöhnlich schlecht abschlossen, wurde der Turnunterricht in der Region 1865 obligatorisch. Während die anderen Gemeinden diese Regel befolgten, weigerte sich Boswil strikt. Mit Begründun-gen wie «der örtliche Lehrer ist im Greisen-Alter und darum nicht fähig, den Turnunterricht zu leiten» schafften es die Boswiler 35 Jahre lang, dieses Gesetz zu umgehen.

Flurnamenbuch gut verkauft

Bevor die zahlreichen Gäste den Ausführungen von Gerold Hänggi folgen konnten, wurden die Traktanden der Mitgliederversammlung behandelt. «Die menschliche Kultur erhält sich dadurch, dass sie weitergegeben wird», sagte Othmar Stöckli, Präsident des Kulturvereins Boswil, am Anfang seines Jahresrückblicks. Bei seinen Ausführungen wird schnell klar: Weitergegeben und somit erhalten wird die Boswiler Kultur dank dem Kulturverein auf jeden Fall. So gab der Verein im letzten Jahr das «Flurnamenbuch» heraus, in dem die Namen verschiedener Boswiler Landschaftsteile erläutert werden. Das schön gestaltete Buch wurde weit über die Dorfgrenze hinaus verkauft.

Ausserdem hat der Kulturverein einen zusätzlichen Raum für das Dorfmuseum erhalten, das damit um das Doppelte ausgebaut werden konnte. Auch in Sachen Internet rüsteten die Kulturliebhaber im 2011 auf: Die vereinseigene Homepage wurde zeitgemäss umgestaltet und ist jetzt immer aktuell.

Erwin Notter wird Ehrenmitglied

Im personellen Bereich muss der Verein den Rücktritt von Erwin Notter verkraften. Notter engagierte sich seit 1972 für die Boswiler Kultur. Zuerst war er bei der Kommission «Alt Boswil» tätig, ab 2004 war er Vorstandsmitglied im Kulturverein. «Eine Ära geht zu Ende. Wir verdanken Erwin Notter sehr viel», sagte Othmar Stöckli und erklärte ihn zum Ehrenmitglied. Notter war sichtlich gerührt und bedankte sich herzlich. Ein Nachfolger für Notter wurde bislang nicht gefunden. Ausserdem verabschiedete sich der Kulturverein von den Rechnungsrevisoren Ernst Müller und Rita Reber, deren Amt in Zukunft Bea Bachhofen und Nicole Huber-Schaffner ausüben werden.

Den Abschluss der Vereinsversammlung bildete eine weitere kulturelle Einlage mit Keyboard- und Celloklängen von Esther Reinert Koch und Judith Reinert.