Wohlen
100 Jahre Paul, 97 Jahre Rosa – und seit 73 Jahren verheiratet

Seit 73 Jahren sind sie verheiratet: Paul und Rosa Meier-Dobler, das älteste Paar im Dorf, hat einen besonderen Geburtstag gefeiert.

Andrea Weibel
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Heute: Noch immer verbringen Rosa und Paul Meier jeden Tag zusammen. aw

Heute: Noch immer verbringen Rosa und Paul Meier jeden Tag zusammen. aw

Andrea Weibel

Paul Meier hat am Sonntag, dem 15. Januar, seinen 100. Geburtstag gefeiert. Damit ist er zwar nicht der älteste Mann in Wohlen, dafür sind seine Frau Rosa, die am 12. Januar 97 Jahre alt geworden ist, und er aber das älteste Ehepaar der Gemeinde: 73 Jahre sind sie bereits verheiratet. Und noch immer verbringen sie jeden Tag zusammen, unterdessen im Bifang Wohn- und Pflegezentrum. Ihre Liebesgeschichte könnte aus einem Bilderbuch stammen, dass sie 73 Jahre verheiratet sind und sich noch immer gern haben, erwärmt das Herz.

Dabei war es so einfach: «Ich wusste vom ersten Tag an, dass ich das Rösli heiraten würde», erinnerte sich Paul Meier noch vor drei Jahren, als Rosa und er ihren 70. Hochzeitstag – die steinerne Hochzeit – feiern durften.

Damals hatten sie bereits fünf Kinder, sieben Enkel und zehn Urenkel, mittlerweile ist es sogar noch ein Urenkelchen mehr. Nach dem grossen Fest sind Meiers müde, aber glücklich. Darum folgt hier ihre Geschichte, wie sie Paul und Rosa Meier der az vor drei Jahren erzählt haben:

Grosse Liebe mitten im Krieg

Als sie sich kennen lernten, diente Paul Meier, der gelernte Müller aus Villmergen, als Müllersoldat und hatte eine eigene Mühle gefasst. Strahlend erzählt er von seinem ersten Diensturlaub: «Das war 1941. Ich arbeitete während des Urlaubs elf Wochen in der Mühle in Ramiswil in Solothurn. Man sagte mir, dass am Montag die Schneiderin auf Stör käme und ich darum in Balsthal einiges einzukaufen hätte.» Diese Schneiderin war niemand anderes als Rosa Dobler.

Am 12. Januar 2014 feierten Rosa und Paul Meier-Dobler ihren 70. Hochzeitstag mit ihrer ganzen Familie. Heute zählen dazu bereits fünf Kinder, sieben Enkel und elf Urenkel. Archiv/Andrea Weibel

Am 12. Januar 2014 feierten Rosa und Paul Meier-Dobler ihren 70. Hochzeitstag mit ihrer ganzen Familie. Heute zählen dazu bereits fünf Kinder, sieben Enkel und elf Urenkel. Archiv/Andrea Weibel

Andrea Weibel

«Am Abend regnete es und Rösli wollte die 500 Meter alleine heimgehen, denn sie hatte einen Schirm», weiss er noch. «Aber ich sagte, mein Schirm sei grösser, da passe man gut zu zweit darunter.» Also brachte der junge Müller die Schneiderin nach Hause. «Und auf dem Rückweg sagte ich mir, diese Frau werde ich heiraten.» Spitzbübisch fügt Rosa an: «Wusste die Frau das dann auch schon?» Doch sofort setzt sie hinzu: «Natürlich wollte ich das auch.»

Hochzeitsreise im Diensturlaub

Am Sonntag ging Rosa stets zur Kirche, das wusste Paul. «Also habe ich danach draussen auf sie gewartet und sie auf einen Spaziergang auf den Passwang eingeladen. Das machten wir jeden Sonntag, die ganzen elf Wochen lang.» Bald stand fest, dass sie wirklich heiraten wollten. Nachdem Paul wieder hatte einrücken müssen, fuhr er jedes zweite Wochenende zu seiner Rosa – sein Posten als Chef der Müllerei der 5. Division machte das möglich.

14. September 1943: Die Hochzeitsgesellschaft in Balsthal.

14. September 1943: Die Hochzeitsgesellschaft in Balsthal.

ZVG

Im nächsten Urlaub nahm er eine Stelle in der Mühle Jonen an. «Dort hatten sie so viel zu tun, dass mir der Gemeinderat zu einer sechsmonatigen Kriegsdispens verhelfen musste. Dazu kamen mehrere Wochen Urlaub pro Jahr. «Auch unsere Hochzeitsreise ins Tessin machten wir während meines Urlaubs», erzählt Paul grinsend. Die Hochzeit wurde übrigens an einem Dienstag gefeiert, wie alle Hochzeiten während des Kriegs. Denn: «Wegen der Rationierungen durfte man nur dienstags und sonntags Fleisch essen.»

Nähmaschine mit Zickzackstich

Das Paar wohnt heute im Bifang Wohn- und Pflegezentrum und verbringt noch nach all den Jahren jeden Tag gemeinsam. Paul wohnt im Altersheim, Rosa im Pflegeheim. «Von meinem Fenster aus sehe ich immer, wenn sie frühstückt. Dann gehe ich hinüber und wir verbringen den Tag zusammen», sagte Paul Meier vor drei Jahren, und das gilt auch heute noch.

Zu ihrem 70. Hochzeitstag schwärmte Rosa von ihrem Paul: «Er war ein wirklich guter Verkäufer.» Nach der Müllerei war er in den Aussendienst gegangen und dort sehr erfolgreich gewesen. «Ich war ein Spezialist für Milchvieh», sagte er stolz. So fehlte es der Familie an nichts. Die junge Schneiderin Rosa besass sogar die allererste elektrische Nähmaschine, die den Zickzackstich nähen konnte. «Die habe ich ihr an der Mustermesse in Basel für 1000 Franken gekauft», freute sich Paul Meier. Und mit dieser Errungenschaft schneiderte sich Rosa auch gleich ihr eigenes Brautkleid.

Das Geheimnis der langen Liebe

«Rösli war eine sehr hübsche Frau. Und das ist sie noch immer», attestierte Paul liebevoll. Man hätte den beiden den ganzen Tag zuhören können. Gibt es einen Trick, wie man so lange glücklich bleiben kann? Rosa lacht: «Nein, das muss jedes selber herausfinden.» Zu ihrem 65. Hochzeitstag, als die beiden von Radio Argovia interviewt wurden, gab Rosa ihr Geheimnis jedoch preis: «Man muss lieb sein zueinander und manchmal an der Ehe arbeiten. Heute wirft man bei einem Streit die Flinte ins Korn. Dabei kommen immer wieder schöne Zeiten.» Paul sagte anlässlich seines 100. Geburtstags: «Man darf einfach nichts übertreiben.» Wünsche habe er keine mehr, er schaue auf ein glückliches Leben zurück: «Wir sind zufrieden», sagt er, während Rosa fröhlich lächelt und nickt.

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