Merenschwand
100 Jahre alt und auf revolutionären Wegen

Der Bauarbeiter mit dem gelben Helm auf dem Kopf schwingt nicht nur den Pickel oder kratzt mit der Schaufel, sondern klappt den Laptop auf. Willkommen im Baugewerbe 4.0.

Eddy Schambron
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CEO Dieter Greber und seine Assistentin Daniela Hofer sind gut gelaunt mit den Vorbereitungen der Jubiläumsfeierlichkeiten beschäftigt. Eddy Schambron

CEO Dieter Greber und seine Assistentin Daniela Hofer sind gut gelaunt mit den Vorbereitungen der Jubiläumsfeierlichkeiten beschäftigt. Eddy Schambron

Eddy Schambron

Stellen Sie sich vor: Sie stehen auf der betonierten Grundplatte Ihres Hauses. Noch bevor eine Mauer hochgezogen wird, machen Sie mit einer Datenbrille auf der Nase einen virtuellen Rundgang durch die Räume. Sie sehen, wo ein Anschluss nicht passt. Oder wo noch eine Steckdose hin müsste. Zukunftsmusik? «Wir gehen heute schon vor der Eingabe des Baugesuchs durch die Räume», sagt Dieter Greber, CEO der Leuthard AG. Dieses Bauunternehmen ist jetzt 100 Jahre alt. Aber noch lieber als auf die erfolgreiche Vergangenheit blickt Greber in die Zukunft. «Wir sind in Sachen Digitalisierung schweizweit führend», stellt er fest. Und unterstreicht, dass die neuen Technologien die gesamte Bauwirtschaft grundlegend verändern werden.

Seit rund drei Jahren setzt sich die Leuthard AG mit der Digitalisierung, auch als vierte industrielle Revolution, als Internet der Dinge oder Industrie 4.0 bezeichnet, auseinander. Und das nicht nur theoretisch. Seit 2016 wurden alle grossen Projekte nach der Methode Building Information Modeling (BIM) geplant und ausgeführt. «Wir decken fast den gesamten Bauzyklus eines Projektes ab, von der Idee bis zur Bewirtschaftung», hält Greber fest, den die modernen Möglichkeiten spürbar begeistern.

Bei der Bauvermessung geht die Leuthard AG neue Wege. Die in der Planungsphase aufbereiteten Daten werden auch vor Ort auf der Baustelle genutzt, etwa in digitalen Vermessungssystemen oder in der Baumaschinensteuerung. So werden beispielsweise dem Fahrer eines Baggers die relevanten Planungsdaten über ein spezielles Display angezeigt. Der Maschinist bleibt jederzeit über die exakte Position informiert und kann in einem digitalen Geländemodell ablesen, an welcher Stelle er den nächsten Arbeitsschritt durchführen muss. «Bauberufe werden durch die Digitalisierung anspruchsvoller, aber auch interessanter», ist Greber überzeugt. Und: «Auch ältere Mitarbeitende finden Freude daran.» Im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten wird in einer Ausstellung speziell auf die Digitalisierung eingegangen. Ebenfalls läuft ein Pilotprojekt mit dem Kanton Aargau. Einmal wird ein Strassenbau klassisch geplant, parallel dazu digital und entsprechend ausgeführt.

Blick in die Zukunft

«Lassen Sie uns über die Zukunft reden» heisst ein Buch, das die Leuthard-Gruppe zum Jubiläum herausgeben wird. Zwar wird in diesem 160-seitigen Werk auch die Vergangenheit Beachtung finden, wie Thomas Heimpel (siehe Box) ausführt. «Aber 80 Prozent wird der Zukunft gewidmet sein.» Das Werk soll nicht nur Leute aus der Baubranche ansprechen. «Wir beleuchten darin grundlegende Veränderungen, beschreiben, was in unserem Marktgebiet passieren kann.» Das geschieht nicht mit irgendwelchen Theoretikern, sondern mit den Mitarbeitenden der Gruppe. Unter Zukunft wird nicht ein ferner Zeitraum verstanden, sondern die nächsten fünf Jahre. Sie werden, davon ist Greber überzeugt, nicht nur in der Baubranche grosse Veränderungen bringen.

Wenn die Leuthard AG zum Jubiläum bewusst die Zukunft betont, knüpft sie beim Gründer an. «Laurenz Leuthard hat damals auch auf die Zukunft gesetzt», sagt Greber. Aus anfänglichen einfachen Kanalisationsarbeiten ist eine Gruppe mit ungefähr 300 Mitarbeitenden und einem Umsatz von 150 Mio. Franken entstanden. «Wenn ein Unternehmen 100 Jahre alt wird und erfolgreich unterwegs ist, hat es wohl einiges richtig gemacht in dieser Zeit.» Heute ist die Leuthard auch als General- und Totalunternehmer aktiv im Tief-, Strassen- und Ingenieurbau sowie dem Hoch- und Infrastrukturbau. Jedes Jahr sind die Angestellten auf rund 150 Baustellen tätig. «Schweizweit gesehen sind wir ein KMU im oberen Segment», sagt Greber.

Jubiläumsfeier mit Bundesrätin Leuthard

Zum Festakt am 8. Juni mit gegen 350 eingeladenen Gästen werden auch Bundesrätin Doris Leuthard und Landammann Alex Hürzeler, Vorsteher Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS), erwartet. Die Merenschwanderin wird die Festansprache halten. Der Festakt wird zudem die Vernissage des Buches «Lassen Sie uns über die Zukunft reden» sein. Das Buch kann bei der Leuthard AG in Merenschwand bestellt werden.

Am Samstag, 9. Juni, 10 bis 15 Uhr, öffnet das Unternehmen in Merenschwand die Tore für die Öffentlichkeit. Hier sind unter anderem auch eine grosse Ausstellung und ein Themenpark zu sehen, die sich mit der Digitalisierung im Baugewerbe und damit mit der Zukunft im weiteren Sinne befasst. Die spezielle Ausstellung ist über die Jubiläumsfeierlichkeiten hinaus bis zum 20. Juli für alle zugänglich. «Bereits haben sich verschiedene Gruppen angemeldet», führt Thomas Heimpel von der Marketing- und Kommunikationsagentur Prozesspiraten, aus. Interessant sei die Ausstellung etwa auch für Schulen. (ES)