az Leserwandern
10. Etappe: Grosse Auswahl an Natur und angenehmer Begleitung

Was braucht es zum Wandern? Mirjam Egloff, die im Namen des Gemeinderates die az-Leserwanderer in Mellingen empfing, wusste die Antwort: «Ordentliches Wetter, eine schöne Strecke und angenehme Begleitung».

Hubert Keller
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Und, wie im Fall des Zielorts Mellingen, ein kühles Bier und eine heisses Wienerli samt Mutschli. Egloffs Wanderkriterien waren allesamt erfüllt: Das Wetter war angenehm. Die Wolken zogen erst auf, als man sich wieder auf den Heimweg machte. Die Strecke war mit einer Marschzeit von anderthalb Stunden nicht nur kurz, sondern auch kurzweilig. Und die angenehme Begleitung konnte, wie Gemeinderätin Egloff meinte, sich jeder selber aussuchen, Auswahl hatte es genug, nahmen doch nicht weniger als 150 az-Leserinnen und -Leser teil.

Pflegeheim und Naturpark

Gestartet wurde in Gnadenthal, wo az-Chefredaktor Christian Dorer und der Direktor des dortigen Pflegeheims, Thomas Peterhans, die grosse Schar zu Kaffee und Gipfeli begrüssten. Die az-Wanderer nutzten die Gelegenheit, sich im grosszügigen Areal des Pflegeheims, das 235 pflegebedürftigen und demenzkranken Menschen Obhut bietet, und in der ehemaligen Klosteranlage umzusehen.

Sie statteten den Eseln, Zwerggeissen und Hühnern einen Besuch ab und naschten von den Tomaten, die im Schaugewächshaus für Pro-Specie-Rara gezüchtet werden. Bis zu zehn Sorten werden hier vermehrt, Sorten, von denen nur noch wenig Saatgut vorhanden ist.

Die Natur im Kleinen

Die kurze Wanderung rege dazu an, die Natur im Kleinen zu entdecken, erklärte Wanderleiter Maximilian Schmid. Weidende Hochlandrinder und Naturschutzgebiete zogen die Blicke auf sich. Und Bruno Leisi meinte sogar, einen Biberbau gesichtet zu haben. Er ist erst vor einem Jahr zusammen mit seiner Frau nach Stetten gezogen, in die Nähe einer seiner Töchter.

Vorher hatte er 18 Jahre lang in Zug gewohnt, von wo ihm der Abschied nicht leicht gefallen sei. Er lernte auf der Wanderung ein weiteres kleines Stück seiner neuen Heimat kennen. «Ein sehr schönes Stück», wie er gern zugab.

Gnadenthal: früher Tabakfabrik

Die az-Leserwanderer starteten gestern an einem geschichtsträchtigen Ort. Viele dürften nicht gewusst haben, dass das Gnadenthal früher eine Tabak- und Zigarrenfabrik beherbergt hatte. 1876 hatte der Kanton Aargau die Immobilien des Klosters und die Reussfähre an Industrielle verkauft, die ohne grössere bauliche Veränderungen eine Tabakfabrik einrichten wollten. Die Gemeinde Nesselnbach wehrte sich dagegen. Das Argument, dass die Bevölkerung in Gnadenthal seit Menschengedenken die Frühmesse besucht und im Klosterwald dürres Holz gesammelt hätte, stach nicht. 1877 wurde die Fabrik eröffnet. Der erwartete Gewinn blieb allerdings aus. 1894 erwarben der Dekan J. Nietlispach aus Wohlen, Pfarrer A. Döbeli aus Muri und der Arzt Pestalozzi-Pfyffer aus Zürich Gnadenthal, um in den Gebäuden eine Pflegeanstalt einzurichten. Sie regierten damit auf den Notstand an Unterbringungsmöglichkeiten für ältere Menschen und chronisch Kranke, der seit dem Brand der Pflegeanstalt Muri im Jahr 1889 geherrscht hatte. (Kel)

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