Sarmenstorf

1.-August-Brunch: Das Zöpfeflechten ist eine Wissenschaft für sich

Az-Mitarbeiterin Verena Schmidtke wurde schon bei den Vorarbeiten für den Bauern-Brunch eingesetzt; hier ist sie im Schuppen am Zöpfebacken.

Az-Mitarbeiterin Verena Schmidtke wurde schon bei den Vorarbeiten für den Bauern-Brunch eingesetzt; hier ist sie im Schuppen am Zöpfebacken.

Sie stammt aus Deutschland: Deshalb möchte die az-Journalistin auf dem Bauernhof der Sarmenstorfer Familie Zimmermann als Helferin für den traditionellen 1.-August-Brunch tätig sein.

Mein Chef hat interessante Ideen für neue Artikel, dachte ich, als ich mich am Montag mit neuen Gummistiefeln auf den Weg zu meinem Einsatz machte. Ich sollte berichten, wie es mir auf dem Bauernhof der Familie Zimmermann in Sarmenstorf als aus Deutschland kommende Helferin für einen traditionellen Brunch zum 1. August ergangen ist.

Ehrlich gesagt, war ich etwas aufgeregt. Aber ich sah es auch als Möglichkeit, Kontakte im Dorf zu knüpfen, denn so lange wohne ich noch nicht in Sarmenstorf. Gerade weil ich einige Vorbehalte Deutschen gegenüber kenne, halte ich es für wichtig, sich zu integrieren. Zum Glück nahmen mich Daniel Zimmermann und seine Frau Andrea gleich herzlich in Empfang. Auch Hofhund Nero schien keine Vorbehalte zu haben, denn er begrüsste mich schwanzwedelnd.

Keine Angst vor Spinnen

Seit 14 Jahren richtet die Familie Zimmermann diesen Brunch aus, zu dem etwa 450 Gäste kommen. Daniel Zimmermann berichtet, dass es trotz der Routine ein grosser Aufwand sei. Besonders in der Woche vor dem Brunch gibt es viel zu tun: Putzen, backen und aufbauen. Zum Glück helfen etwa 25 Personen dabei.

Bevor es ans Putzen ging zeigte Daniel mir den Betrieb. Neben Kühen gibt es Schweine und Hühner auf dem Hof. Wir unterhielten uns auch über Unterschiede in der Schweiz und in Deutschland. In den Monaten, die ich hier in der Region wohne, sind mir die vielen «kleineren» Höfe aufgefallen. Das sieht man in Deutschland immer weniger. In dem Dorf, wo ich ursprünglich herkomme, betreiben vielleicht noch zwei Bauern solche Betriebe. Dann ging es an die Arbeit – die Fenster des Kuhstalls aussen und innen zu putzen war mein Job. Wer das nachmachen möchte sollte keine Angst vor Spinnen haben, die finden diese Fenster als Wohnort sehr gemütlich.

Ich bin kein grosser Freund dieser nützlichen Krabbeltiere, aber um nicht als zimperlich dazustehen, biss ich die Zähne zusammen und ignorierte sie. Mit der inneren Fensterfront war Daniel nicht ganz zufrieden, also arbeitete ich mit mehr Putzmitteln nochmals gründlich nach. Punkt zwölf Uhr war ich mit dem letzten Fenster fertig und Daniel kommentierte meinen Einsatz mit: «Tipptopp!»

Am Mittwochnachmittag stand für mich Zopfteigkneten und flechten auf dem Plan. Vormittags hatten die Helferinnen schon fünfmal 15 Kilogramm Brotteig verarbeitet. Ich backe selbst gern, aber die schön geflochtenen Schweizer Hefezöpfe, wie aus dem Backbuch, wollen mir nie richtig gelingen. Wie ich dann feststellte, ist das Zöpfeflechten eine Wissenschaft für sich. Zum Glück bewiesen Vroni und Claudia viel Geduld und zeigten mir die spezielle Technik immer wieder. Zwischendurch bekam ich es auch mal allein gut hin, nur um beim nächsten Zopf erneut an der Technik zu verzweifeln. Kurz vor 18 Uhr konnten wir die letzten Laibe in den Ofen schieben.

Am Morgen des 1. August half ich dabei, die Tische zu decken. Während des Brunchs sollte ich schauen, ob neue Teller oder Bestecke benötigt wurden. Die letzte Woche war für mich sehr spannend. Mir kommt es hier in der Schweiz oft so vor, als gäbe es mehr Gemeinschaftssinn als in Deutschland. Natürlich kommt es dabei auch auf die eigene Person an. Ich habe mich jedenfalls gut aufgenommen gefühlt.

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