Jonen

Béatrice Koller – 33 Jahre Engagement für Gemeinde und Familie

Von diesem Platz aus hat Béatrice Koller viel erarbeitet, für Jonen und weit darüber hinaus.

Von diesem Platz aus hat Béatrice Koller viel erarbeitet, für Jonen und weit darüber hinaus.

Béatrice Koller wurde am Montag als Gemeindeammann offiziell verabschiedet, jetzt winkt das Ortsbürgerrecht.

Am Montagabend wurde Béatrice Koller-Wiederkehr von der Joner Einwohnergemeindeversammlung offiziell aus ihrem Amt als Gemeindeammann und Gemeinderätin verabschiedet. Was sich so trocken und journalistisch distanziert liest, beinhaltet jenseits des Zeitungspapiers mehr als 33 Jahre Engagement für Familie und Öffentlichkeit, 33 Jahre Aufbauarbeit, 33 Jahre voller Schweiss, Herzblut, Erfolg, Freude und bitterer Tränen.

Was Béatrice Koller im Laufe dieser 33 Jahre für Jonen, die Region Mutschellen-Reusstal-Kelleramt, den Bezirk Bremgarten und den Kanton geleistet hat, das vermag kein noch so prächtiges Blumenbouquet und auch kein noch so langer, stehender Applaus je zu fassen. Darum beantragt Jonens Gemeinderat der Ortsbürgerschaft an deren Versammlung vom Freitag, die gebürtige Ruedistetterin unentgeltlich in das Ortsbürgerrecht aufzunehmen. Eine grosse Ehre für die bescheidene Schafferin, die als erste Frau Gemeindeammann in die Geschichte Jonens eingegangen ist: «Ich freue mich sehr über diesen Vorschlag. Ich spüre daraus eine Wertschätzung, ein Gefühl der Dazugehörigkeit und ein Dankeschön. Bisher durfte ich die Ortsbürgergemeindeversammlungen nur leiten, nun darf ich dann auch abstimmen.» Sagts und lächelt still über ihren Unterlagen.

Start als Schulpflegerin

Nach Jonen verschlug es die 1948 geborene Mutter von zwei erwachsenen Söhnen, als ihr Mann, Othmar Koller, im beschaulichen Bauerndorf die Raiffeisenkasse übernahm. Das war im März 1984. «Mir hat es von Anfang an gefallen hier», erinnert sich Béatrice Koller. «Jonen ist eine schöne, kleine Gemeinde, übersichtlich, ein richtiges Dorf eben. Ich kannte auch schon einige Leute und hatte sogar Verwandte hier. Und wenn man Kinder hat, dann kommt man ohnehin schnell in Kontakt.» Ihr älterer Sohn, Stephan, war zwei Jahre alt, als die Familie nach Jonen kam. Weihnachten 1986 kam Christian, der jüngere Sohn, zur Welt. Als junge Mutter und Bankfachfrau – sie amtete auch als Stellvertreterin ihres Mannes bei der Raiffeisenbank – wurde sie 1990 als Mitglied der Schulpflege angefragt. Damit nahm eine politische Karriere ihren Anfang, die Jonen in der Folge das Schulhaus Pilatus und die Gründung der Kreisschule Kelleramt bescherte, inklusive Verkauf der Schulhäuser Titlis und Pilatus an die Kreisschulgemeinden. «Als wir mit unserer Idee, unsere Schulhäuser zu verkaufen beim Kanton vorstellig wurden, konnten das die Kollegen in Aarau nicht glauben: ‹Was wollt ihr? Ein Schulhaus verkaufen . . .?!›», erinnert sich Koller.

Erbin der Ruedistetter Untervögte

Die erfolgreiche Schulpflegerin und CVP-Politikerin wurde 1998 in den Gemeinderat gewählt, wo sie naheliegenderweise und unter anderen die Ressorts Bildung und Kultur übernahm. 2002 wurde sie Vizeammann und 2006 Gemeindeammann von Jonen. 2008 übernahm sie das Ressort Bau und Planung, wofür sie sich schon als Schulpflegerin und als Kommissionsmitglied bei der Kantonsstrassensanierung fit gemacht hatte. Gräbt man tiefer in ihrer Familiengeschichte, dann wird auch schnell klar, worauf Kollers Interesse für nachhaltige Bauten fusst.

Ihre Herkunftsfamilie, die Wiederkehrs, sind seit 1639 in Rudolfstetten verbrieft. «Sie waren Untervögte und Müller von Beruf», erklärt die stolze Nachfahrin des Geschlechts, «und sie haben die alte Mühle, das Gemeindehaus und den Sternen erbaut.» Mit ihrem Mann zusammen hat sie auch ein Haus in Rudolfstetten gebaut, aber nicht in der Absicht, wieder dahin zurückzukehren: «Ich habe kein Heimweh nach Rudolfstetten. Ich kannte das alte Ruedistette, das war schön. Aber ich lebe jetzt seit 33 Jahren in Jonen, meine Kinder sind hier aufgewachsen und ich bin mit ihnen zusammen hier verwurzelt. Ich möchte nicht zurück.»

Kommt sicher hinzu, dass Béatrice Koller in Jonen auch viel Trost und Halt erfahren hat, als ihr Mann 2003 gestorben ist. Ihre Söhne waren zu jener Zeit gerade mal 17 und 21 Jahre alt. «Da konnte ich nicht einfach in meiner Trauer versinken», sagt Koller, «da musste ich einfach funktionieren und für meine Söhne stark sein. Zum Glück hatte ich da meine Aufgaben als Vizeammann. Auch da musste ich funktionieren und meine Pflicht erfüllen. Das hat mich auch abgelenkt.»

Mit vollem Eifer hat sie sich in jener Zeit dem Aufbau der Jugendarbeit Kelleramt gewidmet. Dieses Projekt war ebenso von Erfolg gekrönt wie die Sanierung der Dorfstrasse, der Bau des Schulhauses Säntis oder die diversen Wohnungsbauten, die unter Kollers Ägide entstanden. Auch nach ihrer Zeit als Gemeindeammann wird es ihr bestimmt nicht langweilig. «Ich habe schon diverse Angebote auf dem Tisch», verrät die reiselustige Vielleserin, «aber darüber kann ich noch nicht sprechen.» Die nächsten Kapitel der Koller-Erfolgsgeschichte folgen also in Bälde.

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