Flurnamen-Serie
Wer hauste in Walhüsere?

Die Bezeichnung Walhüsere nimmt direkten Bezug auf eine einstige Präsenz der Römer. Lesen Sie hier, was es mit dem Gebiet am nördlichen Ausläufer der Abdachung unterhalb der Wegenstetter Flue sonst noch auf sich hat.

Philippe Hofmann
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So sieht es im Gebiet Walhüsere in Wegenstetten aus.

So sieht es im Gebiet Walhüsere in Wegenstetten aus.

Severin Bigler

Vroni Dillier aus Wegenstetten stellte die Frage nach der Bedeutung des in ihrer Wohngemeinde liegenden Flurnamens Walhüsere, der auch als Strassen­name in der Form Wallhäusern belegt ist. Heute liegt das als Walhüsere bezeichnete Gebiet zwischen der südlichen Siedlungsgrenze und der Flur Asp am nördlichen Ausläufer der Abdachung unterhalb der Wegenstetter Flue.

Dies ist daher hervorzuheben, weil sich auf der Karte des «Topographischen Atlas» aus dem Jahr 1880 die Schreibung Wallhäuser dort befindet, wo heute der Wallhof liegt. Solche Wanderungen von Flurnamen sind aber keine Seltenheit.

Walen – Welsche, Fremde, Römer

Der Name ist in die Bestandteile Wal und Hüsere aufzuteilen. Während das Grundwort Hüsere problemlos als Plural zu Haus in der heutigen Bedeutung in seiner dialektnahen Schreibung zu erkennen ist, handelt es sich beim Grundwort Wal um ein heute so nicht mehr in der Mundart gebräuchliches Wort.

Natürlich liegt kein Bezug zum gleichnamigen Säugetier vor, auch fehlt ein Zusammenhang zum Verb walen im Sinne von (sich) wälzen, das sich heute noch im Kücheninstrument Wallholz zeigt. So ausserordentlich der Name auch klingt, umso mehr überrascht es, dass im nicht weit entfernt gelegenen Ormalingen BL ebenso ein Wolhusen liegt.

Abgesehen von der Verdumpfung des ersten Vokals von a zu o, unterscheiden sich der Name und die damit verbundene Deutung nicht voneinander. Wer jetzt aber umgehend an Wolhusen im Kanton Luzern denkt, liegt falsch. Ein Personenname Wolo im Bestimmungswort ist nicht zu erwarten wie beim luzernischen Wolhusen. Vielmehr handelt es sich um eine Zusammensetzung aus den Bestandteilen Wal zu althochdeutsch walah, mittelhochdeutsch walch, walhe ‹Welscher, Fremder, Romane, Römer, Nichtgermane› und dem Grundwort Haus und bezeichnet somit ein einzelnes Haus oder eine Häusergruppe.

Tatsächlich kann mit Hilfe der Archäologie auch festgestellt werden, dass sowohl in Ormalingen BL als auch in Wegenstetten römische Funde vorliegen. Walhüsere nimmt aufgrund dieser Befunde direkten Bezug auf einstige Präsenz der Römer. Möglicherweise handelt es sich wie beim Baselbieter Pendant Wolhusen auch um eine einstige römische Villa. Diese lagen bevorzugt unter 600 m ü. M. an einem Südhang in der Nähe eines ausreichend wasserführenden Gewässers.

Bei Walhüsere ging der Besitzername verloren

Was wir aber bis heute nicht wissen, ist der richtige Name des römischen Besitzers dieses Landguts. Diese wurden wie die ältesten Siedlungen der Alemannen auch stets nach dem Sippenführer, dem Besitzer, benannt. Ein Beispiel dafür ist der Ortsname Herznach, der auf eine römische Gründung verweist und als «Hofgut des Arcius» zu deuten ist. Im Laufe der Zeit hat sich aus Ariciniacum das heutige Herznach gebildet.

Bei Walhüsere ging der Besitzername verloren, aus welchen Gründen auch immer. In die Gegenwart transportiert wurde lediglich, dass dort einst Römer ansässig waren. Somit muss man sich (vorerst) mit der Deutung von Walhüsere als ‹bei den Häusern der Walen, Romanen› zufriedengeben.

Flurnamen-Serie

Die Autoren schreiben in loser Folge über Flurnamen aus dem Aargau. Beatrice Hofmann-Wiggenhauser arbeitet im Namenforschungsprojekt des Kantons Solothurn, Philippe Hofmann hat sich bis 2017 mit Flurnamen von Basel-Landschaft beschäftigt. Aktuell forschen sie zu Aargauer Flurnamen.