Aargau
FDP-Präsident Burkart: «Jetzt noch mehr mobilisieren»

Thierry Burkart sieht keinen Zusammenhang zwischen dem schlechten Umfrage-Ergebnis für die FDP und dem (Kern-) Energiekurs seiner Partei. Er ist überzeugt, dass die Erfahrung und der sachliche Politstil von Ständerätin Egerszegi belohnt werden.

Mathias Küng
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FDP-Kantonalpräsident Thierry Burkart

FDP-Kantonalpräsident Thierry Burkart

Emanuel Freudiger

Herr Burkart, haben Sie eine Erklärung für den Taucher der FDP in der Umfrage der az Aargauer Zeitung?Thierry Burkart: Umfragen sind immer Momentaufnahmen. Die telefonisch durchgeführten Interviews waren zufällig ausgewählt. Und die Messgenauigkeit beträgt +/– 3,2 Prozent. Man darf also nur vorsichtig auf das tatsächliche Wahlergebnis schliessen. Dennoch nehme ich die Resultate ernst: Wir müssen noch einmal einen Zacken zulegen im Schlussspurt.

Wie?
Viele Wählerinnen und Wähler werden sich am Schluss für unsere ehrlichen und realistischen Lösungen, mit denen unsere KMU gestärkt, absurde Bürokratie gestoppt, Arbeitsplätze geschaffen und den Rentenkollaps bekämpft werden, entscheiden. Populismus und Etikettenschwindel werden durchschaut. Viele Menschen beklagen die Überreglementierung und staatliche Bevormundung. Dagegen kämpfen wir an. Und das schlechte Umfrageergebnis wird helfen, die Freisinnigen zu mobilisieren.

Kommt Ihr Energiekurs vielleicht doch nicht überall so gut an, wie Sie überzeugt sind?
Der Energiekurs der FDP Aargau hat sich in der ersten Umfrage niedergeschlagen. Damals haben wir nicht schlecht abgeschnitten. Im Übrigen hat der Aargauer Grosse Rat in der Energiedebatte den mittleren Kurs der FDP – kein vorschneller Ausstieg, keine Technologieverbote, Garantierung der Versorgungssicherheit – bestätigt. Und im Ständerat in Bern zeichnet sich dieser Kurs auch ab.

Wollen die Menschen denn diesen Kurs?
Wir wollen ehrlich politisieren und den Menschen keinen Sand in die Augen streuen. Auch in der Politik sollten die Positionen auf seriösen Grundlagen beruhen. Leider machen das die meisten Parteien nicht mehr.

Ist womöglich der nationale Einfluss so gross? Verlieren Sie Stimmen, weil Ihr neuer Bundesrat noch nicht richtig Fuss gefasst hat?
Dieser Zusammenhang ist zu vereinfachend. Wir verfügen im Kanton über eine solide und treue Wählerbasis, auf die ich zähle. Die Bundespolitik hat uns aber sicher nicht geholfen.

In wirtschaftlich unsicheren Zeiten legte die FDP früher eher zu. Warum jetzt nicht, obwohl die Leute ihr die höchste Wirtschaftskompetenz zuordnen?
Unsere Wählerinnen und Wähler wissen, dass die FDP ihre zentrale Rolle als verantwortungsvolle Kraft in den Wirtschafts- und Finanzkrisen der letzten Jahre immer wieder bekräftigt hat. Dies werden sie am 23. Oktober hoffentlich bestätigen. Die Schweiz ist trotz allem ein erfolgreiches Modell – nicht zuletzt dank der FDP.

Was wollen Sie tun, um den Trend wieder zu kehren?
Die Lage ist ernst. Wir stehen aber zu unseren liberalen Positionen und engagieren uns weiterhin konsequent für eine gesunde Wirtschaft und eine lebenswerte Schweiz. Aber es reicht nicht, gute, mehrheitsfähige Politik zu machen.

Was tun Sie also?
In den nächsten Tagen werden unsere Kandidierenden noch vermehrt auf den Aargauer Strassen anzutreffen sein und sich mit der Bevölkerung austauschen. Es gilt, die Unentschlossenen und die Nichtwähler zu überzeugen, dass jede Stimme zählt. Jeder von uns hat die gesellschaftliche Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass nicht Verhinderungspolitik, sondern realistische und selbstbewusste Lösungen über die Zukunft der Schweiz entscheiden.

Die Umfrage zeigt auch, dass der Vorsprung von Ständerätin Christine Egerszegi schmilzt. Wie wollen Sie da noch einen Zacken zulegen helfen?
Wir müssen die Basis in den nächsten Tagen und Wochen noch stärker mobilisieren. Unsere Ständerätin hat in der vergangenen Legislatur viel beachtete und ausgezeichnete Arbeit geleistet! Die Aargauerinnen und Aargauer schätzen ihre langjährige Erfahrung und ihre sachliche Art, zu politisieren. Und sie kennen den beachtlichen Leistungsausweis von Christine Egerszegi. In Bern hat sie viel getan für unseren Kanton. Ich bin mir sicher, dass das von den Aargauerinnen und Aargauern an der Urne honoriert wird.

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