Kommentar

FDP-Politiker Heller in der Facebook-Falle: Lügen haben kurze Beine

Der Aargauer FDP-Fraktionspräsident brachte sich mit einem Facebook-Eintrag in Erklärungsnot. (Bild: Emanuel Freudiger)

Daniel Heller

Der Aargauer FDP-Fraktionspräsident brachte sich mit einem Facebook-Eintrag in Erklärungsnot. (Bild: Emanuel Freudiger)

Wochenkommentar von az-Chefredaktor Christian Dorer zu FDP-Politker Daniel Heller, dessen beleidigenden Facebook-Eintrag über Bundesrätin Doris Leuthard und den Umgang mit eigenen Fehlern.

Als Journalist wird man ab und zu in die Irre geführt oder gar angelogen. Leider fliegt die Sache eher selten auf. Diese Woche war es anders: Der Aargauer FDP-Grossrat und Fraktionschef Daniel Heller bestritt zwei Tage lang mit wechselnden Erklärungen die az-Recherchen, wonach er der Urheber eines beleidigenden Facebook-Eintrags über Bundesrätin Doris Leuthard sei. Am dritten Tag gestand er. Die Geschichte hat zwei Dimensionen.


Zum einen ist da der Inhalt des Facebook-Eintrags, für den sich Heller inzwischen bei Leuthard entschuldigt hat. Sie sei «nicht auf der Höhe ihrer Aufgabe», hatte er geschrieben. Und: «Leider reichen heute Mediengewandtheit und Aussehen auch in der Schweiz aus, um politisch an die Spitze zu gelangen.» Diese Aussagen sind vielleicht ungeschickt, weil sich die FDP nach eigenen Angaben nicht mit schrillem SVP-Stil profilieren will. Ein Skandal sind sie jedoch nicht: In der Schweiz herrscht zum Glück Meinungsfreiheit.

Und auch dass ausgerechnet ein angeblicher Kommunikationsprofi wie Heller - er arbeitet bei Farner PR - offenbar keinen blassen Schimmer davon hat, wie man Facebook bedient und wo die Tücken liegen, ist zwar peinlich. Aber es ist ebenfalls kein Skandal.

Zum anderen ist da die anfängliche Lüge - und hier liegt das wahre Problem. Das kommt auch in den Dutzenden von Online-Einträgen zum Ausdruck, die der az-Artikel ausgelöst hat: Während Hellers Aussage durchaus auf Anklang stösst («Heller hat nur gesagt, was viele denken.»), versteht niemand, warum er nicht von Anfang an zu seinen provokativen Worten stand («Peinlich, dass der gestandene Politiker, Kommunikationsprofi und Generalstabsoberst zuerst wie ein ertapptes Kind lügt.»).
FDP-Politiker Daniel Heller diffamiert Bundesrätin Doris Leuthard.

Klare Worte auf Facebook:

FDP-Politiker Daniel Heller diffamiert Bundesrätin Doris Leuthard.


Wähler verzeihen Fehler, nicht aber Lügen - das ist in der Politik ein bekanntes Phänomen. Eindrücklich zeigte sich das in den vergangenen Jahren zum Beispiel an denjenigen Politikern, die mit Alkohol am Steuer erwischt wurden. Der Tessiner CVP-Ständerat Filippo Lombardi gestand, bedauerte, bereute - und wurde wiedergewählt. Der ehemalige Berner FDP-Nationalrat Marc F. Suter verschwieg, rechtfertigte, rekurrierte - und wurde abgewählt.

In den USA brachte nicht die Affäre mit einer Praktikantin den damaligen Präsidenten Bill Clinton beinahe zu Fall, sondern seine Worte «I did not have sexual relations with that woman, Miss Lewinsky». In Deutschland bestritt der gestürzte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zu Beginn die Plagiatsvorwürfe, um dann immer neue Ausreden zu präsentieren. In der Schweiz verschwieg Bundesrätin Elisabeth Kopp den berühmten Telefonanruf an ihren Mann, was ihr letztlich zum Verhängnis wurde.

Politiker sind Menschen wie Sie und ich mit ihren Stärken und ihren Schwächen. Die Wähler verstehen, dass auch sie Fehler machen. Die Wähler erwarten aber, dass sie ehrlich sind und zu Entgleisungen stehen. Wie man das eigentlich von jedem Menschen erwartet - nicht nur von Politikern.

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