Gewalt

FC Aarau-Präsident: «Wenn neue Kontrollen kommen, müssen alle bezahlen»

Das Finanzielle ist aber auch ein Diskussionspunkt.

FCA-Präsident Alfred Schmid ist verbesserten Kontrollen nicht abgeneigt.

Das Finanzielle ist aber auch ein Diskussionspunkt.

Schon nächste Saison sollen Eishockeyfans beim Eintritt ins Stadion nebst dem Matchbillet auch einen amtlichen Ausweis vorweisen. Beim Challenge League-Klub FC Aarau ist man der Gewaltprävention nicht abgeneigt, fürchtet sich aber vor den Ausgaben.

Für Alfred Schmid, Präsident des FC Aarau, ist klar: «Wir unterstützen grundsätzlich alle Bemühungen gegen Gewalt an Fussballspielen.» Angesprochen auf die geplanten, neuen Eintrittskontrollen vor dem Stadion relativiert er aber wieder. «Es stellt sich aber ganz klar die Frage der Verhältnismässigkeit», so Schmid.

Wartezeiten und höhere Kosten

Grund für die zwiespältige Meinung ist ein Test am vergangenen Samstag in Bern: Hundert freiwilligen Probanden wurde nebst dem Eintrittsbillet auch ein amtlicher Ausweis kontrolliert, bevor sie zum fiktiven Spiel in der Arena des SC Bern gelassen wurden. Der Testlauf sollte Leute mit Stadionverbot dank ID-Kontrolle aus der Masse herausfiltern. Bisher ist dies der Job von speziell ausgebildeten Polizisten oder Szenekennern. Die neuen Zugangskontrollen sollen gemäss von «10vor10» bereits auf nächste Saison hin eingeführt werden.

Schmid rechnet mit einem doppelten Zeitaufwand bei der Einlasskontrolle, wenn neu nebst dem Matchbillet auch noch der Ausweis kontrolliert werden müsste. «Längere Wartezeiten führen oftmals auch zu Emotionen unter den Fans», weiss Schmid. Dies könnte dann zu Problemen vor dem Stadion führen. Meistens kämen die Gästefans zudem mit einem Extrazug alle auf einen Schlag.

Wer zahlt für «Pleiteliga»?

Erfahrungen der Polizeikräfte zeigen zudem, dass die Ultras und Chaoten bewusst zu spät vor dem Stadion erscheinen, um Hektik auszulösen. Das Resultat: Häufig werden die Eingangskontrollen abgebrochen, damit alle Zuschauer pünktlich zum Spielbeginn im Stadion sein können. Aus diesem Grund könnte sich Alfred Schmid vorstellen, dass man rund zwei Stunden vor Anpfiff vor dem Stadion sein muss. «Dann würden aber die Gästefans auch länger in Aarau sein», warnt Schmid. Auch dies könnte gefährlich werden.

Um Wartezeiten vor dem Stadion entgegenzuwirken müssten weitere Zutrittspunkte eröffnet werden. «Finanziell ist dies für Challenge League-Klubs nicht machbar», sagt Schmid. «Wer zahlt die Kontrollen und die Elektronik in einer Liga, die auch als Pleiteliga mit 16 Klubs bekannt ist?»

Beim FC Wohlen hingegen ist das neue Zutrittssystem noch kein Thema. «Es ist schon möglich, dass sich dieses irgendeinmal in der Challenge League durchsetzen wird», sagt der FC Wohlen-Präsident Andreas Wider. «In Wohlen haben wir aber keine organisierte Fanarbeit und somit auch weniger Gewaltpotential.» Und daher wolle man sich auch noch nicht mit dem neuen System befassen.

Allgemeinheit soll Ausgaben mittragen

Beim FC Aarau hingegen ist die Sicherheit ein grosser Budgetposten, der mittlerweile jährlich ansteigt. Die Ausgaben in die Sicherheit machen dieses Jahr schon rund 15 Prozent des Gesamtbudgets aus, so Schmid. «Und wir verdienen an einem Hochrisikospiel fast nichts mehr.» Bei neuen Kontrollen müsste man zwingend einen neuen Verteilschlüssel für die anfallenden Kosten finden.

Laut Schmid wäre auch die Allgemeinheit gefragt, auch wenn die Spiele private Veranstaltungen sind. Alle müssten sich an den Kosten beteiligen. «Schliesslich ist die Gewalt im Stadion auch ein gesellschaftliches Problem», erklärt der Aarau-Präsident. «Wir erziehen niemanden, gewalttätig zu sein.»

Zutrittssystem löst Pyro-Problem nicht

Das neue Zutrittssystem wird voraussichtlich auch an der Präsidenten-Konferenz diesen Monat zur Sprache kommen. Schon jetzt ist aber klar, dass dieses System nicht zwingend das Problem von pyrotechnischen Material im Stadion löst. Alfred Schmid verweist auf die unterschiedliche Bauweise der Stadien von Eishockey- und Fussballklubs. Erstere sind überdacht und bieten weniger Möglichkeiten, verbotene Gegenstände über den Zaun zu werfen und so ins Stadion zu schmuggeln.

Für Schmid ist auch die Bekämpfung des «Pyro-Problems» eine finanzielle Frage. «In einem neuen Stadion wäre es definitiv einfacher, Pyros vom Innenbereich des Stadions fernzuhalten.» Da er darauf hofft, die Baubewilligung für das neue Stadion «Torfeld Süd» 2012 zu erhalten, muss man Investitionen ins Brügglifeld immer abwägen.

Auch Peter Bischoff weiss, dass das neue Zutrittssystem pyrotechnische Gegenstände nicht zwingend von Stadioninnern fernhält. Der Verantwortliche des Spielbetriebs des SC Bern war selbst beim Testlauf am vergangenen Samstag dabei. «Die Kontrollen von Eintrittsticket und Ausweis helfen, Leute mit Stadionverbot nicht zum Spiel zuzulassen». Diese Personen sind in der nationalen Hooligan-Datenbank gespeichert. Die Pyros hingegen müssten beim Körpercheck nach der Ausweiskontrolle entdeckt werden. «Durch diesen Check muss trotz Ausweiskontrolle Jeder.»

Für komplett sichere Spiele müssten somit zuerst rigoros Stadionverbote für alle Störenfriede ausgesprochen und diese mit den neuen Sicherheitskontrollen durchgesetzt werden. Zum jetzigen Zeitpunkt sind in der Hooligan-Datenbank 1198 Personen mit Stadionverboten erfasst.

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