Umstrittener Vertrag
FC Aarau: Millionenzwist um Transferrechte geht weiter

Sportlich schlittert der FC Aarau von einer Pleite in die nächste. Doch fernab aller Fussballplätze brodelt es auch auf einem Nebenschauplatz – und das nicht erst seit der FCA nur noch in der zweithöchsten Liga mitkicken darf.

Michael Spillmann
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Wunsch nach Siegen

Wunsch nach Siegen

Vor Obergericht wurde gestern das jüngste Kapitel eines langen Rechtsstreits geschrieben, der den Aarauern schon seit Jahren Bauchschmerzen verursacht: der juristische Zwist mit der Zuger MTO Beratung AG um einen umstrittenen Vertrag über den Kauf der Transferrechte und eine damit einhergehende Forderung von rund 2,3 Millionen Franken an die Adresse des FC Aarau.

Der Verhandlungstermin vor Obergericht machte offenkundig, wie verhärtet die Fronten sind – nicht zuletzt darum, weil es um sehr viel Geld geht. Ein Ende des Zivilstreits ist nach der Appellationsverhandlung alles andere als absehbar. Bis ein Urteil vorliegt, könnten noch Monate vergehen. Wie dieses auch ausfallen mag: Der Fall wird dereinst wohl auch das Bundesgericht beschäftigen.

MTO-Gelder waren die Rettung

Dabei hatte die Beziehung FCA-MTO eigentlich so gut angefangen. Es war Ende 2001, als in der Klubkasse ein gähnendes Loch klaffte. Schliesslich kam mit der MTO Beratung AG die Rettung. Die Parteien unterzeichneten einen Vertrag über die Abtretung der Transferrechte. Der Vertrag kam nicht zuletzt durch persönliche und berufliche Kontakte involvierter Exponenten zustande.

Bald kamen hernach aber die ersten Differenzen um die Interpretation des Papiers auf. Die MTO pochte darauf, es handle sich beim Kontrakt um einen Darlehensvertrag, während die FCA-Verantwortlichen behaupteten, es sei ein lupenreiner Kaufvertrag.

Während erst noch auf einen Vergleich gehofft werden konnte, mündete der Streit doch in Betreibung und Rechtsvorschlag, worauf sich die Parteien schliesslich Ende 2007 vor Bezirksgericht Aarau trafen.

Dort klagte die MTO auf die Bezahlung von 2,3 Millionen Franken. Das Verdikt der Richter: In der Sache gaben sie dem FC Aarau recht, da es sich beim Vertrag um einen «Innominatskontrakt mit kaufrechtlichen Elementen» handle, der Verein wurde aber zu einer Zahlung von 300 000 Franken an die Gegenpartei angewiesen. Für die MTO – selbstredend – viel zu wenig, für den Verein FC Aarau 1902 zu viel.

«Ein zweifelhaftes Urteil»

Geschlagene drei Jahre nach der erstinstanzlichen Verhandlung warfen die Anwälte gestern erneut ihre Argumente in die Waagschale. Der Rechtsvertreter der MTO, die sich bei Vertragsabschluss auf «rasche Rückerstattung» des Geldes mittels Transfergelder eingestellt hatte, sprach von «nebulösen» Vorkommnissen beim FC Aarau und einem «zweifelhaften Urteil» des Bezirksgerichts: «Wie kann es sein, dass dem FC Aarau, dem das Wasser bis zum Hals stand, nur Rechte eingeräumt werden und der Gegenpartei nichts?»

Fussballverband schaut genau hin

Beim Streit geht es längst nicht nur ums Geld. Bei der Swiss Football League wird das Hickhack «mit Inte-resse» verfolgt, wie zu vernehmen war. Der FC Aarau muss demnach die Ligaverantwortlichen jeweils über den Verfahrensstand informieren. Und: Auch wenn sich «nur» der Verein FC Aarau 1902 mit der Millionenforderung konfrontiert sieht, und nicht etwa die FC Aarau AG, die 2003 gegründet wurde und unter anderem für den Profifussballbetrieb verantwortlich ist, werde der FC Aarau in Bezug auf Lizenzerteilungsverfahren «konsolidiert» betrachtet.