Aargau
Fast die Hälfte der Schüler sitzt nach

Beim Austritt haben 43 Prozent der Jugendlichen das Regelalter überschritten. Fast die Hälfte der Schülerinnen und Schüler schaffen es also nicht ohne Ehrenrunde.

Urs Moser
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Wohl nicht ganz freiwillig, aber: Aargauer Schüler beweisen Sitzleder.

Wohl nicht ganz freiwillig, aber: Aargauer Schüler beweisen Sitzleder.

Jedes Jahr im September wird die Schulstatistik für die Volksschule im Aargau erhoben. Aus dem Zahlenwust lassen sich interessante Entwicklungen ablesen. Zum Beispiel, dass die Schulabgänger deutlich älter sind, als sie eigentlich sein sollten: Fast die Hälfte schafft es nicht, die obligatorische Schulzeit im regulären Alter von 15 zu beenden. Das Durchschnittsalter bei Schulaustritt liegt bei 16,2 Jahren.

Hauptsächlich verantwortlich für die «Überalterung» der Volksschule: sie dauert für viele länger als die vorgesehenen neun Jahre, insbesondere der Wechsel in einen anspruchsmässig höheren Schultyp in der Sekundarstufe ist kaum ohne Repetition eines Schuljahrs zu bewerkstelligen.

Das Phänomen zeigt sich aber bereits in der Primarschule. Bei Schuleintritt sind neun von zehn Kindern im regulären Alter, sie haben bis zum 30. April des Einschulungsjahres das 6. Altersjahr erreicht. Verspätet eingeschult wurden im vergangenen Jahr nur 5 Prozent der Schulkinder.

Bei den Kindern, die am Ende ihrer Primarschulzeit angelangten, waren aber nur noch sieben von zehn im regulären Alter. Das Durchschnittsalter bei Schulbeginn liegt bei 6,5, das beim Austritt aus der Primarschule bei rund 12 Jahren.

Unterschiede zwischen Schultypen

In den drei Oberstufentypen sind die Unterschiede «erwartungsgemäss gross», wie es in der Schulstatistik heisst – je schwächer, desto älter: zu Beginn der Realschule sind bereits mehr als die Hälfte der Schüler älter als vorgesehen, in der Sekundarschule ist es ein Drittel, in der Bezirksschule liegt der Anteil nur bei 16 Prozent.

Interessant ist allerdings, dass sich der Anteil dann bis zum Ende der Schulzeit unterschiedlich entwickelt. In der Realschule bleibt er praktisch konstant, in der Sekundarschule steigt er deutlich an, in der Bezirksschule verdoppelt er sich sogar. Dafür seien neben den Repetitionen innerhalb des gleichen Schultyps hauptsächlich die Stufen-
wechsel verantwortlich, wird in der Statistik ausgeführt: wie erwähnt ist ein Wechsel zum Beispiel von der Real- in die Sekundarschule fast immer mit der Repetition des entsprechenden Schuljahrs verbunden.

Konkret haben fast 60 Prozent der Realschulabsolventen beim Schulaustritt das Regelalter überschritten, in der Sekundarschule sind es gut 45, in der Bezirksschule fast 34 Prozent. Der Durchschnittswert liegt bei 43,1 Prozent, bald die Hälfte der Aargauer Schülerinnen und Schüler durchläuft die Volksschule also nicht in der eigentlich vorgesehenen Zeit.

Sprachprobleme offensichtlich

Ob es einen Zusammenhang gibt, ist aus der rein quantitativen Erfassung nicht ersichtlich. Fest steht, dass das Überschreiten des Regelalters mit einem stetig steigenden Ausländeranteil an den Schulen einhergeht: Ende der 70er-Jahre lag er noch bei gut 15, heute bereits bei knapp 26 Prozent. Und wenig überraschend schaffen es deutlich weniger ausländische Schüler in die anspruchsvollen Schultypen. In der Realschule liegt der Ausländeranteil bei über 43, in der Sekundarschule bei knapp 22 und in der Bezirksschule bei gut 11 Prozent.

Dass hier neben anderen Faktoren die Fremdsprachigkeit eine entscheidende Rolle spielt, ist wenig überraschend, wird durch die Zahlen aber eindrücklich untermauert: Von den Jugendlichen aus dem Kosovo besuchen 63 Prozent die Realschule und nur 7 Prozent schaffen es in die Bezirksschule, bei den Italienern sind es 20 und bei den Deutschen gut 50 Prozent. Letztere scheinen damit übrigens schulisch erfolgreicher zu sein als die Schweizer, bei ihnen liegt der Bezirksschulanteil bei knapp 46 Prozent.