DRG – diese drei Buchstaben haben gesundheitspolitischen Zündstoff. Sie stehen für Diagnosis Related Groups. Und das wiederum bedeutet, dass in Zukunft für die Finanzierung stationärer Spitalbehandlungen Fallgruppen gebildet werden, für die es eine Kostenpauschale gibt. Die Umsetzung des Systems stösst auf erheblichen Widerstand. Da sind die datenschützerischen Probleme bei der Weitergabe von Patientendaten an die Krankenversicherer. Und da ist die Frage, ob im Tarif der Investitionsbedarf der Spitäler ausreichend berücksichtigt ist.

Die Fallpauschalen waren gestern auch Thema eines Symposiums der (Haus-)Ärztevereinigung Argomed. Naturgemäss standen hier die Auswirkungen auf die Hausärzte stärker im Vordergrund als die Konsequenzen für die Spitäler. «Blutige Entlassung und kein Hausarzt» lautete der provokative Titel, unter dem die Tagung stand. Das Problem: Die Fallpauschalen schaffen den Anreiz, Patienten möglichst früh aus der Spitalbehandlung zu entlassen. Allenfalls zu früh, bevor sie wirklich auskuriert sind. Das schürt die Angst vor dem so genannten «bloody exit», der dem Symposium den Titel gab. Von wem sollen die Patienten dann adäquat versorgt werden? Und können es sich die Spitäler unter dem wachsenden ökonomischen Druck noch leisten, Allgemeinmediziner auszubilden, die den Part übernehmen?

In einer Podiumsdiskussion mit Ärzten, Gesundheitsspezialisten und Regierungsrätin Susanne Hochuli, moderiert vom stellvertretenden az-Chefredaktor Philipp Mäder im Kultur- und Kongresszentrum Aarau, zeigte sich so etwas wie ein Konsens: Probleme gibt es in der Tat genug, aber bei aller Kritik am neuen Finanzierungssystem sind nicht unbedingt die Fallpauschalen als solche der Grund dafür.

Das unterstrich insbesondere Gesundheitsdirektorin Susanne Hochuli. Sie habe Mühe mit der Kultivierung von Ängsten, sagte die Regierungsrätin und machte klar: Mit ihrer Unterstützung ist bei der Forderung nach einem Moratorium für die Einführung des neuen Systems sicher nicht zu rechnen. Den Fallpauschalen den Schwarzen Peter zuzuschieben, wenn es um Qualitätsbedenken geht, greife zu kurz. Jedes neue System brauche eine Startphase, in der es optimiert werden müsse. Eine Verschiebung der Einführung ändere daran nichts. Auch Argomed-Präsident Kurt Kaspar plädierte dafür, das neue Finanzierungssystem eher als Chance denn nur als Bedrohung im Zusammenspiel mit der stationären Spital- und der ambulanten medizinischen Versorgung durch den Allgemeinpraktiker wahrzunehmen. Es könne motivierend für die Einführung von integrierten Versorgungssystemen wirken, für die sich Argomed starkmacht.

Den Part des dezidierten Kritikers übernahm Urs Strebel, Arzt am Spital Männedorf ZH. Für ihn fördern die Fallpauschalen klar die «Ökonomisierung» der Medizin. Damit meint er nicht einmal nur den Spardruck auf die Spitäler, sondern vielmehr auch den Anreiz zur Mengenausweitung durch Überbehandlung: Wenn ein Patient etwas länger als im System vorgesehen in Spitalbehandlung bleibt, werde man sich überlegen müssen, welche Diagnose man ihm noch «anhängen» könne.