Lenzburg
Fall Padrutt: Finanzieller Schaden beläuft sich auf 337000 Franken

Der Fall Padrutt erscheint in der Jahresbilanz der Wohnbaugenossenschaft Lenzburg mit einer Forderung über 337000 Franken gegenüber dem freigestellten Geschäftsführer. Den finanziellen Schaden zu bebehen, wird noch Jahre dauern.

Thomas Röthlin
Drucken
Teilen
«Turbulente Zeit»: WGL-Präsident Charly Suter.sim

«Turbulente Zeit»: WGL-Präsident Charly Suter.sim

Der wegen mutmasslichen Vermögensdelikten strafverfolgte Rechtsanwalt Roland Padrutt war Geschäftsführer der Wohnbaugenossenschaft Lenzburg (WGL). Bis alles aufflog und er Ende 2010 gehen musste. Jetzt scheint der Fall Padrutt, der inzwischen weit über die WGL hinausreicht, in deren aktuellem Jahresbericht auf. «Die WGL steht nach dieser turbulenten Zeit gestärkt da», wird Präsident Charly Suter zitiert.

Die Genossenschaft mit 267 sozialverträglichen Mietwohnungen hält am Montagabend ihre Generalversammlung ab. In Turbulenzen geriet sie bereits im Sommer 2010. Damals wurde sie von einem ehemaligen Mitarbeiter ihres langjährigen Geschäftsführers auf einen Betrugsverdacht aufmerksam gemacht. Im Herbst folgte eine Strafanzeige, im Dezember die Freistellung Padrutts.

20 000 Franken abbezahlt

In ihrer Bilanz 2011 mit einem Gesamtvermögen über 57 Mio. Franken hat die WGL unter der Bezeichnung «Schuldbrief Padrutt» eine Summe von 337000 Franken eingestellt. Diese Zahl entspricht «allen errechneten Auslagen» im Zusammenhang mit dem möglichen Betrugsfall, wie Suter auf Anfrage erklärt. Im Rechnungsjahr zuvor waren 50000 Franken für «Prozesskosten» zurückgestellt worden. Der Betrag wurde 2011 in die Gesamtforderung integriert.

Ein Lichtblick sind laut Jahresbericht «erste Abschlagszahlungen aufgrund einer Vereinbarung». Diese sei, so Suter, ganz am Anfang des Verfahrens abgeschlossen worden. Doch als weitere mutmassliche Vermögensdelikte Padrutts auftauchten, hätten die Zahlungen aufgehört. Gesehen hat die WGL bisher lediglich 20000 Franken. Den Rest müsse man wohl eintreiben oder abschreiben, so Suter, der im Jahresbericht keinen Zweifel offenlässt: «Es wird Jahre dauern, bis der ganze Schaden behoben ist.»

Die verdoppelte Fensterrechnung

Der Schaden nahm seinen Ursprung im Jahr 1999, als die WGL eine Fenstersanierung an mehreren Liegenschaften beschloss. Das Unternehmen, das den Zuschlag bekam, offerierte für etwas mehr als 270000 Franken. Diesen Betrag soll der damalige WGL-Geschäftsführer Padrutt im November 2000 fälschlicherweise als Akontozahlung angegeben und von der WGL überweisen lassen haben.

Das Geld floss aber nicht auf das Konto der Fensterfirma, «sondern überraschenderweise zugunsten eines Kontos von unbeteiligten Drittpersonen», die Padrutt offenbar mit einer Erbschaftsangelegenheit mandatiert hatten. Dieses sei «mutmasslich als Zwischenkonto zur Verschleierung der Zahlung» instrumentalisiert worden. So steht es in der ausführlichen Dokumentation, die der WGL zehn Jahre später – kurz vor der Verjährung des Betrugs – als Entwurf für die Strafanzeige diente.

Im Frühjahr 2001 folgte die Schlussrechnung der Fensterfirma, die ihrer Offerte entsprechend knapp 290000 Franken verlangte. Padrutt soll die Rechnung gegenüber der WGL gefälscht haben, indem er die Akontozahlung dazuzählte und seiner Arbeitgeberin weismachte, die Fenstersanierung koste insgesamt 560000 Franken. In Tat und Wahrheit kostete sie die Hälfte, die andere soll Padrutt abgezweigt haben.

Aktuelle Nachrichten