Fall Burger
Führungskrise bei der Staatsanwaltschaft: Auflagen für Simon Burger werden gelockert – doch die Situation ist weiter «anspruchsvoll»

Rund eineinhalb Jahren nach Ausbruch der Vertrauenskrise um Simon Burger in der Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm ist die Situation gemäss Regierung immer noch schwierig. Dennoch werden die Begleitmassnahmen abgebaut.

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Simon Burger, fotografiert im Februar 2017.

Simon Burger, fotografiert im Februar 2017.

Sandra Ardizzone

Im Juni 2020 machte die AZ publik, dass eine Gruppe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm ihrem Chef Simon Burger schlechte Amtsführung vorwirft. Burger sei ein Machtmensch, mische sich in Verfahren von Kolleginnen ein und dränge sie, höhere Strafanträge zu stellen – ausserdem verbreite er eine Angstkultur, hiess es in der Beschwerde an die Oberstaatsanwaltschaft.

Der Regierungsrat liess diese Vorwürfe extern untersuchen. Eine erste Analyse des Instituts für Arbeitsforschung und Organisationsberatung (iafob) stellte Burger ein schlechtes Zeugnis aus: Eine deutliche Mehrheit der Mitarbeitenden beurteilte ihn in einer Befragung «als die falsche Person für die Leitung der Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm». Burger wurde bereits im Juli 2020 ins Homeoffice versetzt – auf Drängen aller 23 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zwar durfte Burger im März dieses Jahres ins Büro zurückkehren, aber nur unter Aufsicht eines Führungscoaches und eines Oberstaatsanwalts.

Diese Begleitmassnahmen – sowohl die regelmässige Präsenz der Oberstaatsanwaltschaft wie auch das Führungscoaching – sollen nun abgebaut werden, wie die Aargauer Regierung mitteilt. Allerdings nicht, weil die Probleme vom Tisch sind: Gut eineinhalb Jahre nach Ausbruch des Vertrauenskonflikts sei die Situation nach wie vor anspruchsvoll, schreibt der Regierungsrat. Simon Burger müsse seine Führungsrolle wieder aktiver wahrnehmen und auf Vertrauensbildung ausrichten.

Ziele teilweise erreicht – gegenseitiges Vertrauen fehlt weiterhin

Der Regierungsrat stützt sich dabei auf eine zweite Analyse des iafob, die auch wieder eine Befragung der Mitarbeitenden umfasste. Demnach erfüllen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Simon Burger ihre Aufgaben in der Bearbeitung von Strafverfahren mit «grossem Engagement». Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm funktioniere gut, schreibt die Regierung. Dazu trage bei, dass die Verbesserungsmassnahmen umgesetzt wurden, die diesen Januar erarbeitet wurden.

Auch bei einem Teil der Mitarbeitenden seien weitere Verbesserungen in der Grundhaltung und im gegenseitigen Vertrauen erforderlich, damit die Arbeits- und Führungssituation «die notwendigen Fortschritte macht» und die Zusammenarbeit «dauerhaft auf eine vertrauensvolle Basis gestellt werden kann», so die Regierung.

Die weitere Entwicklung werde mit einem Controlling durch die Oberstaatsanwaltschaft und Regierungsrat Dieter Egli im Rahmen der ordentlichen Führungsprozesse begleitet und unterstützt, heisst es weiter.

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