Prozess

Ex-Polizeichef von Zofingen kommt mit bedingter Geldstrafe davon

Der Ex-Polizeichef von Zofingen ist verurteilt

Der Ex-Polizeichef von Zofingen ist verurteilt

Der Ex-Chef der Regionalpolizei Zofingen AG ist wegen Widerhandlungen gegen das Betäubungs- und Heilmittelgesetz zu einer bedingten Geldstrafe und einer Busse verurteilt worden. Der 37- Jährige führte die Aufputschdroge Crystal ein, verkaufte und konsumierte sie.

Der gebürtige Thurgauer kassierte eine bedingte Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu 80 Franken sowie eine Busse von 1000 Franken. Der Angeklagte habe das Vertrauen in ein gutes Polizeikorps «arg enttäuscht», sagte der Gerichtspräsident am Donnerstagabend in der Begründung. Der Angeklagte habe eine Vorbildfunktion gehabt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die am Prozess nicht anwesende Staatsanwaltschaft hatte eine bedingte Freiheitsstrafe von 14 Monaten und eine Busse von 2500 Franken gefordert. Der Verteidiger plädierte auf eine bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 80 Franken.

Sein nicht vorbestrafter Mandant sei nie ein Drogendealer gewesen und habe die Drogen einzig in seiner Freizeit konsumiert, sagte der Verteidiger. Mit der Arbeit des Polizeichefs seien alle zufrieden gewesen.

Der nach seiner Verhaftung 2009 fristlos entlassene Chef der Regionalpolizei wurde unter anderem für schuldig befunden, in der Zeit zwischen 2005 und 2009 eine grössere Menge Methamphetamin (Crystal) von Köln aus in die Schweiz geschmuggelt zu haben.

Der Wert der Partydrogen belief sich auf bis zu 30'000 Franken. Er hatte das Crystal und Ecstasy vor allem selbst konsumiert und in Kleinmengen zum Selbstkostenpreis an mehrere Personen verkauft.

«Mein Leben selbst zerstört»

Der Angeklagte machte bei der Befragung vor Gericht einen geläuterten Eindruck und gestand alle Vorwürfe erneut ein. «Ich habe mein Leben selbst zerstört», sagte er. «Ich war süchtig.» Nach einer Therapie sei er seit Ende 2009 «clean». Er lebt nun von 3000 Franken pro Monat, weil er hohe Schulden zurückzahlen muss.

Mit dem Drogenkonsum hatte er gemäss eigenen Angaben in der homosexuellen Szene in Zürich begonnen. Die Sucht steigerte sich wegen einer unglücklichen Liebe zu einem Mann, der bei der Regionalpolizei Lenzburg arbeitete. Um den Geliebten zu beeindrucken, wurde er Polizeichef in Zofingen.

Im August 2009 war er in seinem Polizeibüro verhaftet worden und sass mehrere Tage in Untersuchungshaft. Auch danach schmuggelte er nochmals 8 Gramm Crystal von Deutschland in die Schweiz. Ohne Bewilligung hatte er ferner Potenzmittel gegen Erektionsstörungen in die Schweiz eingeführt.

Lebenswandel zu wenig abgeklärt
Der Fall des drogenkonsumierenden Polizeichefs hatte grosses Aufsehen erregt. Der Mann war als Quereinsteiger Mitte 2008 vom Zofinger Stadtrat (Exekutive) zum Polizeichef ernannt worden.

Als Konsequenz der Affäre trat der für die Polizei zuständige Stadtrat, der damalige Grossratspräsident Herbert H. Scholl (FDP), zurück. Eine Untersuchung ergab, dass der Politiker den Leumund des Bewerbers zu wenig abgeklärt hatte.

Dieser war bereits vor seiner Ernennung bei der Kantonspolizei Zürich in den Jahren 2006 und 2007 wegen Betäubungsmitteldelikten aktenkundig geworden.

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