Spektakulärer Neubeginn am Tag vor den Wahlen: Der 43-jährige Grossrat und Oftringer Gemeinderat Martin Bhend wechselt von der EVP zur FDP Aargau. Das löst bei den Freisinnigen Glücksgefühle aus, die damit auf 21 Sitze kommen und CVP und SP mit ihren je 20 Sitzen marginal überflügeln.

Gross sind Ärger und Frust bei der EVP, die damit von 6 auf 5 Sitze schrumpft. «Der Wechsel ist ein Glücksfall für die FDP. Mit seiner gradlinigen Politik vertrat Bhend seit jeher Lösungen im freisinnigen Stil», sagt FDP-Präsident und Grossrat Thierry Burkart.

Die Freisinnigen grasen aber nicht auf den Wiesen der anderen Parteien, denn «er ist freiwillig auf uns zugekommen», betont Burkart. Dies in der Freude über die Tatsache, «dass wir als Partei weiterhin attraktiv sind».

Martin Bhend stimmte mit den Freisinnigen den Steuergesetzrevisionen 2005 und 2011 zu «und lag auch in den Bereichen Strassen- und Energiegesetz auf unserer Linie», doppelt FDP-Fraktionspräsident Daniel Heller nach. Weitere Wechsel sind derzeit nicht in Sicht, aber im Blick auf neue Parteien und die Wahlen 2012 im ganzen Parlament durchaus möglich.

Links-orientierte EVP-Politik

Der Unternehmer und Politiker Martin Bhend ortet eine «zunehmend links-orientierte Politik der EVP». Dabei meint er vor allem die nationale Partei, deren Haltung aber auf die Kantonalpartei abfärbe.

Darum könne er nicht mehr hinter den Themen stehen und habe mehr und mehr gegen seine EVP-Parteikollegen stimmen müssen. Selber habe er immer eine bürgerlich-liberale Grundhaltung vertreten und freue sich auf die Arbeit in der FDP-Fraktion.

Zur Frage einer weiteren Kandidatur im nächsten Jahr, nach 12 Jahren im Grossen Rat, sagt Bhend: «Ich habe weiterhin Lust auf Politik und will mit Freude mitwirken» - falls die FDP Ortspartei und die Regionalpartei ihn auch nominierten. Über die Aufnahme in die FDP-Grossratsfraktion wird die Partei am 8. November entscheiden.

Der Unternehmer mit eigener Firma steht auch vor einem beruflichen Neubeginn, er wird Leiter der Immobilien-Firmen Knecht Brugg Holding. «Der Wechsel zur FDP ermöglicht mir, mich verstärkt für den Wirtschaftsstandort Aargau einzusetzen, der die Basis für unseren Wohlstand ist», schreibt Martin Bhend.

Mehr Arbeit für übrige Fraktion

Die EVP «bedauert selbstverständlich» den Wechsel des prominenten Mitglieds, erklärt Parteipräsident Roland Bialek. Den Vorwurf einer verstärkt linksorientierten Politik weist er allerdings zurück. Auf der gemeinsamen Glaubensbasis «kann es unterschiedliche Meinungen geben». Je nach Thema sei die EVP verstärkt rechts oder links positioniert. In einer kleinen Fraktion bedeute der Weggang mehr Arbeit für alle übrigen Parteimitglieder.

Martin Bhend ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern. 1998 kam er in den Gemeinderat Oftringen, seit 1999 ist er auch im Grossen Rat, zudem Präsident im Verband Entsorgung Region Zofingen, Stiftungsrat im Alterszentrum und Verwaltungsrat im EW Oftringen.