Wie viele Schülerinnen und Schüler darf eine Klasse haben, damit der Lernerfolg nicht leidet? An einer Podiumsveranstaltung von Anfang Juli hatte SVP-Regierungsratskandidatin Franziska Roth erklärt: Man müsse einen Schritt zu einer Schule machen, «wie wir sie vor 30, 40 Jahren kannten». Sie löste damit eine Polemik aus und handelte sich den Vorwurf einer Ewiggestrigen ein.

Nun präzisiert die Brugger Richterin Franziska Roth auf ihrer Webseite, was sie denn genau gemeint hat. Dies im Rahmen ihrer neuen Kolumne "Meine Meinung".

Zur Klassengrösse: Nicht die Klassengrösse sei entscheidend für den Lernerfolg, sondern die pädagogische Methode. Roth: "Die Volksschule soll zum Ziel haben, einheitlich die Grundfertigkeiten Lesen, Schreiben und Rechnen sowie allgemein sittliche Grundregeln des Zusammenlebens zu vermitteln." Das ist klare SVP-Linie. Doch mit dieser Haltung fährt die Partei keinen Exklusivkurs. Dass die Schule Rechnen, Schreiben und Lesen vermitteln soll, fordert jede Partei. Die Frage ist, wie das Ziel erreicht wird. Roths pädagogische Methode lautet: Disziplin (siehe unten). 

Roth will beim Thema Klassengrösse auch falsch verstanden worden sein: "Ich habe nie davon gesprochen, die heutige maximale Klassengrösse von 25 auf 35 anzuheben, sondern die kleinen Klassen mit beispielsweise 14 Schülern um zehn Schüler, damit der Durchschnitt wieder höher liegt."

Zur Überbetreuung: Roth fordert eine Umstellung von der integrativen Schule zurück zu Kleinklassen. Denn heute kämen 1,3 Lehrer auf eine Klasse. Früher habe einer gereicht - bei wesentlich grösserer Schülerzahl. Kleinklassen würden die schwächeren Schüler fördern, ohne die stärkeren zu bremsen.

Zur Schule wie vor 40 Jahren: Was ihr zum Vorwurf gemacht wurde, stört Roth offenbar nicht. Unter diesem Stichwort erinnert sie daran, dass Disziplin "wieder höher gewichtet" werden sollte. Rechnen, lesen, schreiben - das müsse der Fokus der Schule sein. Noten würden klare Verhältnisse schaffen. Es sei "sinnlos", die Ziele auch für die schwächsten Schüler unerreichbar hoch zu setzen und "am Ende der Schulzeit können sie nicht einmal die Grundfertigkeiten, die im Berufsleben überall wichtig sind". Und: Stärkere Schüler sollten selbstverständlich gefördert werden.

Wirklich Neues enthält Franziska Roths Haltung zur Volksschule nicht. Letztlich zeichnet sie dasselbe Bild wie zuvor: das einer Schule von gestern. Doch wie kündigte die SVP Roths Mitteilung an? "Franziska Roth hat eine klare Meinung!"

Regierungsratskandidatin Franziska Roth im Fokus

Was bedeutet die Nomination der Brugger Bezirksgerichtspräsidentin und wie wird sie versuchen, ihren Bekanntheitsgrad zu verbessern? (April 2016)

INFOGRAM: Grafik Grossratswahlen AG