Lieni Füglistaller (1951) ist ein «alter Polithase». Er war von 1985 bis 2009 Aargauer SVP-Grossrat und rund zehn Jahre Fraktionschef. Seit 2005 ist er Nationalrat. Per Ende dieser Legislatur gibt er dieses Mandat ab. Dies erklärte er im Dezember 2010. Er sieht sich als Opfer eines Komplotts von Gegnern aus der eigenen Partei. Anlass für ein heftiges Seilziehen vor und hinter den Kulissen waren öffentlich gemachte Vorwürfe angeblicher Ungereimtheiten in Immobiliengeschäften und eine Anklage wegen Wuchers. Davon sprach ihn das Bezirksgericht Bremgarten im November 2010 frei.

Anfang August 2011 folgte ein Paukenschlag: Füglistaller gab bekannt, für den Ständerat zu kandidieren. Was Verwunderung auslöste, ist doch für die SVP doch längst Ulrich Giezendanner nominiert. Als Begründung führte Füglistaller unter anderem an, er wehre sich gegen die Art und Weise, «wie mich eigene Parteikollegen aus meinem Bezirk Bremgarten aus der eidgenössischen Politik zwingen wollen». Und er wehre sich gegen Unterstellungen, die ihm Unkorrektheiten vorwarfen. Füglistaller: «Sämtliche diesbezüglich vorgebrachten Vorwürfe wurden öffentlich entkräftet und erwiesen sich als haltlose Behauptungen.»

Aber schadet er mit seiner Kandidatur nicht der Partei und Kandidat Ulrich Giezendanner? Füglistaller sah dies damals nicht so und er bleibt dabei. Auch wenn Parteipräsident Thomas Lüpold in dieser Zeitung eben erst bekräftigte: «Füglistallers wilde Kandidatur schadet unserem Kandidaten und gefährdet eine bürgerliche Vertretung im Stöckli.» Füglistaller wiederholt seinerseits, auf jedem Wahlzettel könne man auf zwei Linien zwei Namen schreiben: «Die Wähler sollen entscheiden.»

Ulrich Giezendanner meinte in dieser Zeitung anlässlich der jüngsten az-Umfrage mit Blick auf Füglistaller: «Vielleicht gibt es noch Überraschungen, ich habe ein gutes Verhältnis zu ihm.» Kann man daraus ablesen, dass Füglistaller im zweiten Wahlgang zugunsten von Giezendanner verzichtet? Erst recht, wenn im ersten Wahlgang schon ein Sitz vergeben sein sollte? Zu Spekulationen will er sich nicht äussern. Füglistaller: «Warten wir den 23. Oktober ab.»

In der jüngsten az-Wahlumfrage schnitt er mit 6,7 Prozentpunkten auf dem fünften Platz überraschend gut ab. Das sei ein Zeichen der Wählerinnen und Wähler, «weil ich hinstehe und einen guten politischen Leistungsausweis vorzeigen kann», sagt er. Was täte er denn im Ständerat? «Ich würde meine Arbeit weiter machen wie bisher.» Und sich für Finanzen und Bildung einsetzen sowie dafür, dass der Fokus nicht nur auf Tourismus und Banken gerichtet ist, sondern auch auf die Industrie. Schliesslich ist der Aargau der wichtigste Industriekanton.

Und er will, dass der Ständerat wie früher wieder eher ausgleichend wirke, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Das überrascht. Die SVP wirkt doch eher polarisierend? Füglistaller: «Ich meine ausgleichend. Heute ist der Ständerat von Mitte- und Linksparteien dominiert. Es braucht mehr SVP, um den Ausgleich wieder herzustellen.»

Ob Füglistaller gewählt wird oder doch wohl eher nicht – dem FC Nationalrat bleibt er als Spieler und als Quästor treu. Das nächste Spiel im Dezember ist in seiner Agenda schon dick angestrichen.