Gesundheit
Er ist tief beeindruckt von den Menschen in Zimbabwe

Der 59-jährige Allgemein- und Suchtmediziner Peter Ackle aus Ehrendingen ist tief beeindruckt von den Menschen in Zimbabwe und von der Arbeit, die dort von Solidarmed geleistet und unterstützt wird.

Fränzi Zulauf
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Blick über ein schönes, aber armes Land: Peter Ackle, Arzt in Neuenhof, bei seinem Aufenthalt im Süden von Zimbabwe. ho

Blick über ein schönes, aber armes Land: Peter Ackle, Arzt in Neuenhof, bei seinem Aufenthalt im Süden von Zimbabwe. ho

Solothurner Zeitung

«Afrika hat mich schon immer fasziniert», sagt Peter Ackle, Facharzt für Allgemeinmedizin und ärztlicher Leiter der Klinik für Suchtmedizin in Neuenhof. Und eigentlich hatte er seit Jahren mit dem Gedanken gespielt, in Afrika einmal einen gemeinnützigen Einsatz als Arzt zu leisten.

Nach Besuchen in verschiedenen Spitälern in Uganda, Nordkenia und Gabun (Lambarene) hat sich Peter Ackle in diesem Jahr für ein paar Wochen im Rahmen von Solidarmed (Schweizer Organisation für Gesundheit in Afrika) in einem Spital im Zimbabwe engagiert.

Das Silveira-Spital, das für die medizinische Grundversorgung von über 150000 Menschen aufkommt, wird seit fast 10 Jahren vom Schweizer Arzt Christian Seelhofer geleitet. «Das Spital hat 150 Betten; zusammen mit einem einheimischen Arzt und dem einheimischen Pflegepersonal betreut Christian Seelhofer zudem täglich 80 bis 100 Patienten ambulant», berichtet Peter Ackle.

Die meisten Menschen im Einzugsgebiet des Spitals sind Selbstversorger und sehr arm, viele haben kaum genug zum Essen, Strom gibt es in ihren Rundhütten nicht. «Um ins Spital zu gelangen, müssen die Patientinnen und Patienten mit ihren Angehörigen kilometerlange Märsche in Kauf nehmen», sagt Peter Ackle.

«Darum gibt es auch viele verschleppte Krankheiten, weil sie erst spät behandelt werden. Tuberkulose, HIV und Malaria sind die drei häufigsten schweren Infektionskrankheiten, die hier adäquat behandelt werden können. Allein im Ambulatorium des Silveira-Spitals werden über 3000 Aids-Patienten betreut.»

Das ländlich gelegene Spital, dessen Infrastruktur Solidarmed massgeblich unterstützt, sei den Umständen entsprechend sehr gut eingerichtet. «Es entspricht einem Bezirksspital bei uns mit Abteilungen für Chirurgie, Geburtshilfe, innere Medizin und Kinderheilkunde.

Ausserdem gehören ein Waisenhaus und Hütten für Gebärende zum Spital, in denen die Schwangeren wohnen, bis sie ihre Kinder zur Welt bringen.» Angegliedert ist eine Schule für Pflegepersonal, das in der Versorgung ebenfalls aktiv mitwirkt.

Es gibt eine Liste von Basismedikamenten, die grundsätzlich zur Verfügung stehen. «Trotzdem ist die ständige Initiative der Verantwortlichen hinsichtlich einer gut funktionierenden Apotheke ein Dauerbrenner. Dank der gut gewarteten Basisinfrastruktur (Labor, Röntgen, Ultraschall, Operationssäle, Anästhesie mit kompetentem Personal) können oft präzise Diagnosen gestellt und kann rasch abschliessend behandelt werden.»

Beeindruckend fand Peter Ackle auch die Tatsache, dass einheimische Krankenschwestern regelmässig Hütten und Dörfer besuchen und vor Ort anhand eines eigens dafür verfassten Diagnose- und Behandlungsbuches genau nach Schema unkompliziert und zuverlässig Kranke versorgen können.

Der Einsatz der Ärzte im Silveira-Spital werde von der Bevölkerung geschätzt, so Ackle: «Die Menschen sind sehr dankbar und nehmen den Rat der Ärzte ernst.

Da aber der Ahnenkult noch sehr lebendig ist, braucht es von den Ärzten auch einiges Fingerspitzengefühl, um medizinische Anweisungen so zu vermitteln, dass sie im Einklang mit der Lebensweise der Patienten stehen und damit auch richtig befolgt werden können. «So bewegt man sich zwischen Ahnenkult und moderner Medizin», erklärt Ackle. «Im Silveira-Spital wird sehr gute Arbeit geleistet», hält der Aargauer Arzt fest.

Besonders überzeugt hat ihn die respektvolle Haltung von Ärzten und Mitarbeitenden gegenüber der Bevölkerung. «Sie treten nicht als gönnerhafte ‹Retter› auf, sondern helfen, wo es notwendig ist, und binden Patienten und Angehörige in die Verantwortung ein.»

«Schwierig war für mich nicht das einfache Leben in Zimbabwe, sondern viel mehr das Zurückkommen», sagt Peter Ackle. «Der riesige Kontrast zwischen den armen Menschen, die täglich um das Notwendigste kämpfen müssen, und dem Wohlstand hier bei uns, zwischen der Basis- und der Supermedizin, war fast erdrückend», blickt Ackle zurück. Und manchmal sehnt er sich nach dem eher kargen Leben in Zimbabwe, in dem es wenig Ablenkung und damit einen unverstellten Zugang zum wirklich Wesentlichen gab.

Spenden: Konto Silveira, UBS AG, 8098 Zürich, zugunsten Dr. Chr. Seelhofer, IBAN: CH 11 00287 28779359940E oder Solidarmed, Postkonto: 60-1433-9, www.solidarmed.ch

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