Ausstellungstipps
Endlich Museumswetter: Diese Ausstellungen bringen Farbe in den Herbst

Wenn die Tage kühler und trüber werden, rücken die Museen und Ausstellungsräume der Region die Farben ins rechte Licht.

Anna Raymann
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Im Kunsthaus Zofingen zum Künstler-Familientreffen.

Im Kunsthaus Zofingen zum Künstler-Familientreffen.

FC Ullmann Photography

Kunstvolle Familienbande in Zofingen

Mit kräftigen Strichen zieht sich die Kunst durch die Bande der Familie Wyler/Fellner. Vier Generationen, zwei Männer, zwei Frauen, haben ihren Weg in die Kunst gefunden. Nun lädt das Kunsthaus Zofingen zum anregenden Familientreffen: Da ist Otto Wyler (1887–1965), die eher im Schatten wirkende Tochter Lotti Fellner (1924–2018), der Enkel Tom Fellner (*1956) und die Urenkelin Anne Fellner (*1986). Zusammen ergibt das ein vielseitiger, bunter Reigen, der einen schwungvollen Bogen spannt durch eine hundertjährige, Aargauische Kunstgeschichte. «Stay With Me» sucht darin nach gemeinsamen Blicken und Erinnerungen.

Begleitend zur Ausstellung ist soeben eine Publikation erschienen. Die Werke spielen in gebrochener Chronologie Pingpong, regen zum Dialog an. Die jüngeren Generationen der Familie kommen darin auch persönlich zu Wort.

Kunsthaus Zofingen 21.8.–24.10. Stay With Me – Vier Generationen einer Malerfamilie

Auch im Stadtmuseum ist die Frau im Fokus: Elinor Carucci mit «Getting Closer».

Auch im Stadtmuseum ist die Frau im Fokus: Elinor Carucci mit «Getting Closer».

zvg

Lenzburg feiert zum vierten Mal die Fotografie

Die Welt stösst immer wieder, immer rascher an ihre Grenzen. An emotionale Grenzen und an physische - am 11. Mai 2021 hat die Bevölkerung die Ressourcen, die ihr für dieses Jahr zugestanden hätten, aufgebraucht. Das Fotofestival Lenzburg hat sich für diese Ausgabe das dringliche Motto «re:sources» auf die Fahne geschrieben. In vier Ausstellungen an verschiedenen Standorten untersucht das Festival den Begriff und tastet sich damit an eine künstlerische Momentaufnahme heran.

Bereits zum vierten Mal holt das Fotofestival Lenzburg die internationale Fotoszene für einen Monat in die Stadt. Diesmal richtet sie den Fokus speziell auf den weiblichen Blick. Die Hauptausstellung im Stapferhaus gehört der amerikanischen Fotografin Mary Ellen Mark mit «The Lives of Women». Zum ersten Mal ist auch der namhafte «SONY World Photoraphy Award» in Lenzburg zu Gast.

4. Fotofestival Lenzburg 4.9.–3.10. re:sources, verschiedene Standorte

Dorothea Lange in ihrem Studio in San Francisco 1964.

Dorothea Lange in ihrem Studio in San Francisco 1964.

Rondal Partridge Archives

Letzte Gelegenheit für ein bewegendes Duett in Brugg

Die Bilder, die Dorothea Lange machte, sind dazu da, sich zu erinnern. Die Arbeiterinnen und Arbeiter, etwa die berühmte «Migrant Mother», die sie in den 1930er-Jahren in Kalifornien fotografierte, prägten in all ihrer visuellen Kraft die kollektive Wahrnehmung der Wirtschaftskrise in den USA.

Mit sensiblem Blick auf all jene, die am Rand stehen, wurde Dorothea Lange zur Pionierin der Dokumentarfotografie. Ihre Themen – Migration, Naturkatastrophen – sind noch heute aktuell. Und so nimmt im Zimmermannhaus die Schweizer Künstlerin Lilian Beidler das Duett auf. Sie bettet das Werk in einen Klangteppich, den sie vom Ausstellungsraum hinaus in die Stadt ausrollt. Die dritte Stimme, die das Spiel umfasst, ist jene von Langes Enkel, der Musiker Paul Taylor, der sich an «Grandma Dorrie» erinnert. Am 1.10. gibt es einen Cello-Abend zur Ausstellung.

Zimmermannhaus Brugg 21.8.–3.10. Wellenlänge – Dorothea Lange und Lilian Beidler

Im Eck werden unter Roger Wirz und Thomas Hüsler Menschen zu Robotern.

Im Eck werden unter Roger Wirz und Thomas Hüsler Menschen zu Robotern.

zvg

In Aarau tanzen Mensch und Maschine miteinander

«Hallo. Kannst du mich hören?», «Oh, das Bild stockt.» An die Tücken der Technik haben wir uns in den letzten Monaten gewöhnt. Der Bildschirm wurde zum zweidimensionalen, mal mehr, mal weniger lustvollen Ersatz fürs physische Treffen.

Das machen das Künstlerduo Roger Wirz und Thomas Hüsler in ihrer 24-Stunden-Performance zum Thema. Im Kunstraum Eck in Aarau lassen sie sich dazu von Telepräsenzrobotern vertreten, sie machen sozusagen einen virtuellen Körpertausch. Einen Tag lang sind die beiden Aargauer so rund um die Uhr «da» – denn heisst es nicht: Maschinen schlafen nie?

In ihren neuen Körpern proben sie verschiedene Experimente. Sie spielen miteinander, aber vor allem auch mit dem vorbeispazierenden Publikum. Der Raum steht tagsüber ab 12 Uhr mittags allen offen. Nachts wird man einander durchs Schaufenster zuwinken.

Kunstraum Eck, Aarau 2.10.–3.10. P(e-embodied mind), Roger Wirz und Thomas Hüsler

Für seine Bilder hört Silvio Maraini den Fledermäusen zu.

Für seine Bilder hört Silvio Maraini den Fledermäusen zu.

Silvio Maraini

So schön unterhalten sich die Fledermäuse in Baden

Ein Lieblingstier ist das ledrig geflügelte Wesen nicht gerade. Spätestens mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie wurde die Fledermaus endgültig zum Buhmann der Fauna. Sie werden gejagt und vertrieben, ihre Population schrumpft von Jahr zu Jahr. Und doch: Wenn sie in Scharen nachts über den Himmel flattern, fasziniert das – so auch den Fotografen Silvio Maraini.

Statt zur Kamera greift er zum Ultraschallmikrofon. Denn die Tiere kommunizieren in immenser Lautstärke miteinander, nur sind diese Schreie für das menschliche Ohr zu fein. Das spezielle Mikrofon macht aus den Schallwellen ein prächtiges Sonagramm. Das, was sonst stumm bleibt, fächert Maraini in der Serie «’Round Midnight» in einem vielfältigen Spektrum auf. Jedes Bild unterscheidet sich von seinem Nachbarn, sodass auf einmal die subtilen Tonlagen der Fledermäuse nahezu greifbar werden.

Galerie 94, Baden 27.8.–9.10. ‘Round Midnight, Silvio Maraini

Via App von der Statue zum Bruderkuss.

Via App von der Statue zum Bruderkuss.

zvg

Ein Herbstspaziergang auf Zschokkes Spuren

Wer war das noch gleich, dieser Heinrich Zschokke? Selbstbewusst und fest verankert steht er Tag ein, Tag aus im Kasinopark in Aarau. Nun, zu seinem 250. Geburtstag, soll der Aufklärer und Politiker, der die moderne Schweiz mit seinem Wirken geprägt hat, in Bewegung kommen - und mit ihm das Museumspublikum.

Eine kostenlose und interaktive App führt die Spaziergänger entlang verschiedener Stationen vorbei am Naturama, dem Forum Schlossplatz, dem Zentrum für Demokratie und dem Stadtmuseum Aarau. Auf dem drei Kilometer langen Pfad dürfen die Teilnehmenden rätseln und raten. Würden sie das Einbürgerungsverfahren bestehen? Was hat der Herr von der Statue nun mit dem Bruderkuss zu tun? Und wie fand er nebenbei auch noch Zeit für seine Sammelleidenschaft, die Grundstein für ein ganzes Museum war? Via App werden die Fragen eingängig beantwortet.

Stadtmuseum Aarau 25.9.–28.11. Heinrich Zschokke, interaktiver Rundgang