Kirchgemeinde
Einzigartiges Projekt: Die Kirche soll abgerissen und neu gebaut werden

Die Reformierte Kirchgemeinde Birmenstorf, Gebenstorf und Turgi hat einen kühnen Plan: Die über 50-jährige Kirche soll abgerissen und eine neue Kirche gebaut werden. Der Abriss einer Kirche wäre schweizweit wohl eine Premiere.

Pirmin Kramer
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Eine Sanierung der Kirche sei zu teuer, so die Kirchenpflege.Patricia Schoch

Eine Sanierung der Kirche sei zu teuer, so die Kirchenpflege.Patricia Schoch

Der Titel lässt nur erahnen, worum es wirklich geht. «Antrag Neubau Liegenschaft Turgi» heisst das Traktandum 4 zur Kirchgemeindeversammlung, die am 20. November stattfindet. In den Sätzen danach wird klar, dass die Reformierte Kirchgemeinde Birmenstorf, Gebenstorf und Turgi einzigartige und kühne Pläne hat: Die Kirche aus dem Jahr 1960 soll abgerissen, eine neue Kirche soll gebaut werden. «Die Kirchenpflege beantragt der Stimmbürgerschaft den Rückbau der Kirche Turgi und die Realisierung eines Neubaus mit einer Kirche und diversen kirchlich nutzbaren Räumen.» Erstaunlich: Neben dem Kirchenneubau sollen auf dem Grundstück Alterswohnungen gebaut werden.

Es sei schon lange bekannt, dass sich Kirche und Pfarrhaus in einem schlechten Zustand befinden, sagt Kirchenpflegepräsident Albert Lehmann. Probleme gibt es insbesondere mit der Bausubstanz und der Isolation, die Dächer sind undicht. «Externe Gutachten haben ergeben, dass die Sanierungskosten bei weit über drei Millionen Franken liegen würden.»

Die Verantwortlichen prüften eine zweite Variante: Sie überlegten sich, die Kirche zu renovieren und ergänzend dazu Alterswohnungen zu bauen. «Auch die Umsetzung dieser Idee hätte zuviel gekostet», sagt Lehmann.

«Schon sehr speziell»

Ein Team aus Baufachleuten und Delegierten der Kirchenpflege sowie der Kommission Turgi ist dann auf die Idee gekommen, die Kirche abzureissen und neu zu bauen, was «schon sehr speziell» sei, wie Kirchenpflegepräsident Lehmann sagt. Eine Kirche abzureissen, um ein neues Gotteshaus zu bauen und gleichzeitig Alterswohnungen hinzuzufügen, sei wohl ein schweizweit einzigartiges Projekt, glaubt er. «Es gibt gute Gründe, dieses Projekt zu befürworten. Es ist die ökonomisch und ökologisch sinnvollste Variante. Auch eine Kirche darf ökonomisch denken und planen.»

Die sakralen Räume der neuen Kirche werden etwa gleich gross bleiben. «Es wäre aber falsch zu glauben, dass es eine Kirche gibt wie jede andere. Sogar eine Kirche ohne Turm ist denkbar. Es soll ein raffiniertes Gebäude werden, das auch für Konzerte oder Musicals genutzt werden kann», sagt Albert Lehmann.

Die reformierte Landeskirche Aargau war von Beginn weg in die Planung in Turgi eingebunden, wie das Regionaljournal Aargau Solothurn berichtet. «Die Landeskirche hat überhaupt nichts dagegen, neue Wege zu beschreiten, und das Modell Turgi könnte auch wegweisend für andere Kirchgemeinden der Schweiz sein», sagt Christian Boss von der Aargauer Landeskirche.

«Es gibt kritische Stimmen»

Er habe noch nie davon gehört, dass in der Schweiz eine Kirche abgerissen wurde, das Projekt in Turgi sei wohl eine Premiere, sagt Boss. Es gebe viele denkmalgeschützte reformierte Bauten, bei denen ein Abriss undenkbar wäre, sagt er.

«Die Kirche in Turgi aber ist nicht denkmalgeschützt, es gibt keine Auflagen.» Es gebe aber kritische Stimmen in der Gemeinde, sagt Boss. «Der Bau der Kirche wurde damals von Privaten mitfinanziert, diese Leute fänden einen Abriss schade.»

Der Neubau der sakralen Räume dürfte rund 2,4 Millionen Franken kosten, die Kirchgemeinde könne den Bau alleine finanzieren. Die Kosten für den Bau der Wohnungen werden derzeit auf rund 3,8 Millionen Franken geschätzt, sie sollen durch Mieteinnahmen finanziert werden.