Pro Natura
Einsturzgefahr: Der ehemalige Steinbruch in Auenstein bröckelt

Der renaturierte Steinbruch von Pro Natura Aargau kommt ins Rutschen. Deshalb muss der Hang gesichert werden - sonst droht Einsturzgefahr.

Marco Wölfli
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Jahrelang wurde im Auensteiner Steinbruch Fahr Stein gebrochen. Als der Betrieb stillgelegt wurde, kaufte Pro Natura Aargau das Gelände im Jahr 1983 und erklärte den Steinbruch zum Naturschutzgebiet. In den folgenden Jahren eroberten sich Pflanzen und Tiere das Territorium zurück. Bis im letzten März. Dann lösten sich aus der Felswand Hunderte Steinbrocken und donnerten zu Boden.

Das Wasser ist schuld

Grund dafür ist das Gestein. An dieser Stelle überlagert sich der Kalkstein des Juras mit der Molasse des Mittellandes. Vom Hang dringt regelmässig Wasser in die Gesteinsschichten und gefriert im Winter. Wenn im Frühling das Eis schmilzt, lässt die Spannung nach. Dies genügte, um die Steinlawine auszulösen. Als Johannes Jenny, Geschäftsführer Pro Natura Aargau, das Ausmass zum ersten Mal sah, war er beeindruckt: «Es sind schon sehr viele Steine, die sich von der Wand gelöst haben.»

Die Situation bereitet Jenny Sorgen. Er befürchtet, dass ein nächster Felssturz die Häuser auf der Kante beschädigen könnte. Ein geologisches Gutachten bestätigt die böse Ahnung. Eine Evakuation sei zwar nicht nötig, allerdings müssten unverzüglich Sicherungsmassnahmen ergriffen werden. Zur Auswahl stehen zwei Varianten: Der Steinbruch könnte mit Baumaterial aufgefüllt werden, dann wäre die Felswand quasi «verschlossen». Diese Lösung wäre kostengünstiger, würde aber auch viel Zeit in Anspruch nehmen. Die zweite Möglichkeit sind Betonrippen, die den Fels stützen würden. Diese könnten zwar rasch installiert werden, würden aber auch grosse Kosten verursachen.

Kanton soll bezahlen

Wer diese Massnahmen bezahlen soll, ist unklar. «Der Kanton hat damals die Baubewilligung für die gefährdeten Häuser erteilt und sollte sich deshalb beteiligen», sagt Jenny. Allerdings wäre Pro Natura Aargau als Besitzer logischerweise auch haftbar. Langfristig soll ein Rechtsgutachten Klarheit schaffen, wer wie viel bezahlen muss. Kurzfristig hofft Jenny auf den Kanton: «Ich stehe in Kontakt mit Regierungsrat Peter C. Beyeler und hoffe, dass wir bald eine Lösung finden.» Möglich wäre, dass der Kanton die Arbeiten vorfinanziert.

Am wichtigsten ist für Jenny, dass rasch gehandelt wird: «Leib und Leben sind gefährdet. Da dürfen wir weder sparen noch zuwarten.» Pro Natura Aargau hat nun bei der Baufirma Knecht eine Offerte bestellt, die zeigen soll, wie der Hang am einfachsten gesichert werden kann. Der ehemalige Steinbruch Fahr ist für Pro Natura Aargau momentan ein Dauerthema. Obwohl die Umweltorganisation noch andere Steinbrüche besitzt, sei Auenstein das einzige Risiko. Die anderen befänden sich nicht in Siedlungsnähe, betont Jenny.

Wenn der Steinbruch dereinst sicher ist, wäre dies wahrscheinlich wegen der dafür nötigen, baulichen Eingriffe das Ende des Naturschutzgebietes in seiner heutigen Form. In diesem Fall wäre ein Verkauf des verbauten Geländes naheliegend. Wenn die Geschichte eine ganz unglückliche Wendung nimmt, muss Pro Natura Aargau also die Bauarbeiten bezahlen, die das eigene Naturschutzgebiet «verschandeln» würden.

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