Wer bei André Schnellmann in Birmenstorf an der Haustüre klingelt, darf nicht erschrecken, wenn ihm vom Hausherrn, gewandet wie im 13. Jahrhundert, die Türe geöffnet wird. Denn für alle Anlässe, die der Birmenstorfer mit seiner Mittelaltergruppe «der rote Hufen» besucht, schlüpft er bereits zu Hause ins passende Gewand. Dann ist er nicht mehr André, sondern Hubertus. So verkleidet gehts dann zum Einsatzort – etwa am Pfingstmontag zum Klosterfest nach Wettingen.

Dort kann man ihm und weiteren Mitgliedern vom «rote Hufen» über die Schulter schauen. «Ich zeige, wie man früher Schafwolle gefärbt hat», sagt Schnellmann. Dazu wird er die im eigenen Garten gezogenen Pflanzen Färberkrapp, Färberwaid und Färberwau mitbringen, die für eine rote, blaue oder gelbe Farbe sorgen. «Emma wird das Spinnen und Karden vorführen, Lena zeigt, wie der Webrahmen bedient wurde, und Elisabeth erklärt das Dünteln (Fingerhäkeln)», sagt Chemielaborant und Badener Pilzkontrolleur Schnellmann. Und jede Besucherin oder jeder Besucher könne selber eine Kugel filzen.

Selber gefärbt, genäht, gehäkelt

Alles ist authentisch an Hubertus, angefangen von der Bundhaube und der wollenen Tunika über das Unterhemd und die zwei Beinröhren bis hin zum Leder- und Proviantbeutel. Schnellmann hat alles von Hand gemacht. «Ich habe selber gefärbt, genäht, gehäkelt.» Nur die Schuhe hat er fixfertig gekauft.

Etwas will bei Schnellmann nicht recht zum Mittelalterbild passen – die Brille. «Ohne die wäre ich blind wie ein Maulwurf», sagt er. Kompromisse müsse man eingehen, auch bei anderem. Denn nicht alles, was im Mittelalter gefertigt wurde, sei dokumentiert. So sei die Gruppe immer wieder gefordert, aufgrund von Bildern und anderen historischen Dokumenten eine mögliche Herstellung abzuleiten. Ein recht aufwändiges Hobby? «Ja, das ist so. Aber es macht mir grossen Spass», betont er. Verschiedene Tätigkeiten seien darin vereint. So habe er Schmieden und Töpfern gelernt, könne aus Tierhaut Pergament und aus Talg Kerzen herstellen, kenne sich mit alten Kochrezepten aus und habe einen Münzprägestempel kreieren dürfen.

Wie kommt man zu einem solchen Hobby? «Übers Pfeilbogenbauen. Ich wollte unbedingt einen englischen Langbogen machen.» Dafür musste er sich durch umfangreiche Literatur lesen und Mittelalteranlässe besuchen. «Da hats mir den Ärmel reingenommen.» Erst sei auch seine Familie Feuer und Flamme gewesen, das habe sich nun gelegt. Die jüngste Tochter Leonie teilt die Leidenschaft ihres Vaters nach wie vor.