Opferhilfe

Eine Trennung, bei der die Fetzen fliegen

Susanne Schläpfer und Susi Rupp.

Susanne Schläpfer und Susi Rupp.

Nach der Vertragsauflösung wirft die Frauenzentrale der Regierung Rufschädigung vor. «Wir fühlen uns stark angegriffen», sagt Susi Rupp von der Frauenzentrale

Nachdem der Regierungsrat beschlossen hat, die Opferhilfe in Eigenregie zu führen und die Zusammenarbeit mit der Frauenzentrale nach 16 Jahren aufzulösen, gehen die Wogen hoch. Rufschädigend sei das, was die Regierung da mache, beklagt sich Susi Rupp, Präsidentin der Frauenzentrale. Und die neu verpflichtete Geschäftsführerin Susanne Schläpfer doppelt nach: Es gebe wohl kein Unternehmen, das seine Mitarbeiter so blossstellt. Wenn der Staat so etwas mache, sei das schon sehr bedenklich.

Der Ton macht die Musik

Die Frauenzentrale hatte auf gestern zu einer Pressekonferenz geladen, um ihrem Unmut Ausdruck zu geben. Auslöser war die Beantwortung von parlamentarischen Vorstössen zum Entzug des Leistungsauftrags. Genauer die Ausführungen der Regierung zu einer Interpellation von BDP-Grossrat Roland Basler. Darin wird die Arbeit der Opferhilfestelle in der Tat nicht schmeichelhaft geschildert.

So habe wiederholt die mangelnde telefonische Erreichbarkeit der Beratungsstelle auch zu «telefonarmen» Zeiten kritisiert werden müssen. In Standardgeschäften hätten Mängel bei der Beratungsstelle zu zusätzlichem Aufwand, Fehlern und Verzögerungen geführt, etwa fehlende Beilagen und Belege.

Weiter seien Kostengutsprachen an Leistungserbringer erteilt worden, welche die nötigen fachlichen Voraussetzungen nicht erfüllten. Und schliesslich macht das Departement Gesundheit und Soziales ein «unzureichendes Fallmanagement» dafür verantwortlich, dass seit 2008 der «Output», die Zahl abgeschlossener Opferberatungsfälle, massiv abgenommen habe.

Frauenzentrale

Frauenzentrale - Eine Trennung, bei der die Fetzen fliegen

«Dieser Ton irritiert uns sehr, wir fühlen uns stark angegriffen», beklagt sich Susi Rupp über die Ausführungen der Regierung. Die im Übrigen auch materiell bestritten werden. Da würden die Mitarbeiter bloss- und einzelne Fehler so dargestellt, als ob sie die Regel gewesen wären. «Es wird der Eindruck erweckt, wir hätten unprofessionell und schludrig gearbeitet», empört sich Frauenzentrale-Vizepräsidentin Erika Schibli. Dabei habe man ein Qualitätsmanagement aufgebaut, das wohl seinesgleichen suche, so Karin Halter, Präsidentin der Betriebskommission Opferhilfe.

Dass man Richtlinien zu Kostengutsprachen nicht einhalte, sei zuvor vom Kanton nie bemängelt worden. Vielmehr sei es so, dass bei unterschiedlichen Auffassungen zwischen dem kantonalen Sozialdienst und der Frauenzentrale in Beschwerdeverfahren meist die Auffassung der Frauenzentrale bestätigt worden sei.

Neuer Zahlenstreit programmiert

Es geht aber nicht nur um die verletzte Ehre, sondern wie schon bei der Vergabe des Opferhilfeauftrags jetzt auch bei der Überführung der Beratungsstelle in den kantonalen Sozialdienst um Geld. Die Frauenzentrale hat in der Zeit, als sie die Opferberatung im Mandatsverhältnis führte, mit den Kantonsbeiträgen Reserven von 450000 Franken geäufnet. Die will der Kanton jetzt zurück.

Strittig ist dabei die Frage, wie hoch die Auflösungskosten für die Beratungsstelle sind. Die Frauenzentrale beziffert sie auf rund 120000 Franken. Darin enthalten ist neben noch bis Ende März anfallenden Raummieten unter anderem auch eine Art Durchhalteprämie für das Personal. Nachdem die Trennung von der Frauzenzentrale bereits Ende Juni bekannt gegeben worden war, wurde sie den Mitarbeitenden zugesprochen, damit sie nicht sofort davonlaufen und der Opferhilfeauftrag bis Ende Jahr ordnungsgemäss zu Ende geführt werden kann. Zwar ist noch nicht bekannt, wie die Regierung die effektiven Überführungskosten veranschlagt, aber dass sich hier ein neuer Konflikt anbahnt, scheint offensichtlich.

Die Versicherung, es sei dem Departement von Regierungsrätin Susanne Hochuli an einer konstruktiv, in geordneten Bahnen ablaufenden Überführung der Opferberatung zum Kanton gelegen, ergänzt Kommunikationsleiter Balz Bruder mit einem vielsagenden Satz: «Dies betrifft insbesondere die Rückführung der von der Frauenzentrale geäufneten Reserven sowie die saubere Abgrenzung der Überführungskosten von Begehren, die mit der Überführung keinen Zusammenhang haben.»

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