Frauenstimmrecht

Eine geballte Ladung Frauenpower

Ein gemeinsamer Grund zum Feiern über alle Parteigrenzen hinweg. Chris Iseli Ein gemeinsamer Grund zum Feiern über alle Parteigrenzen hinweg.

Ein gemeinsamer Grund zum Feiern über alle Parteigrenzen hinweg. Chris Iseli Ein gemeinsamer Grund zum Feiern über alle Parteigrenzen hinweg.

Vertreterinnen von über 20 Organisationen nahmen an der Feier in Aarau zum 40-Jahr-Jubiläum des Frauenstimmrechts teil. Dabei haben sie in die Vergangenheit und vor allem in die Zukunft geblickt. Denn vieles gebe es noch zu tun.

«Herrgott, ist das ein schönes Bild.» So entfuhr es gestern Ständerätin Christine Egerszegi beim Blick in den Grossratssaal in Aarau. Er war voll besetzt mit Frauen, denn über 20 Organisationen und Parteien hatten sich zusammengeschlossen, um der Einführung des Frauenstimmrechts vor 40 Jahren auch im Aargau ein würdiges Gedenken zukommen zu lassen.

Christine Egerszegi selbst gehörte nicht mehr zu den Kämpferinnen für das Frauenstimmrecht. Als sie ihre politische Karriere begann, hatte man schon so seine Erfahrungen, aber nicht unbedingt gerade grosse Routine damit.

Als sie zum ersten Mal für die Grossratswahlen aufgestellt wurde, verlangte der Präsident zum Schluss der Nominationsversammlung von allen Kandidaten ein Foto: «In weissem Hemd, Krawatte und frisch rasiert.» Solche und andere Anekdoten waren gestern immer wieder zu hören, die Feier wurde mit Humor, gelegentlich sogar mit einer Prise Selbstironie der Kämpferinnen für die Gleichberechtigung gestaltet. «Entweder man macht selber Politik, oder es wird Politik mit einem gemacht», sagte Christine Egerszegi.

Dieser Aufruf, sich aktiv in die Politik, in die Gestaltung von Gesellschaft und Staatswesen einzubringen, war so etwas wie der rote Faden durch den Jubiläumsanlass. Es liege an allen selbst, die politischen Rechte auch wirklich wahrzunehmen, wurde immer wieder betont. Wobei der Aufruf dem Anlass entsprechend natürlich ganz besonders, aber keineswegs ausschliesslich an die Frauen gerichtet war.

Eingeladen, um gemeinsam mit den Frauen die politische Emanzipation zu feiern, wären übrigens auch die Herren der Schöpfung gewesen, aber ausser Juso-Präsident Cédric Wermuth wagte sich kaum einer in die Höhle der Löwinnen.

Es gibt noch viel zu tun

Versammelt hatten sich vor allem Politikerinnen aller Ebenen, ehemalige wie aktive. Solche, die den Kampf um das politische Mitbestimmungsrecht noch selber geführt haben wie solche, denen es aus heutiger Sicht einigermassen bizarr vorkommen muss, dass man überhaupt je darüber gestritten hat. Begrüsst wurden sie von Nationalrätin Pascale Bruderer, die das Matronatskomitee der Feier präsidierte, und von Regierungsrätin Susanne Hochuli. Beide betonten in ihren Ansprachen, dass sich auch nach 40 Jahren Frauenstimmrecht für viele Frauen noch die mehr oder weniger gleichen Fragen stellen wie damals. Angesprochen waren die Vereinbarkeit von Familie und beruflicher und/oder politischer Karriere.

Die Forderung sei ganz klar, und zwar für Frauen und Männer gleichermassen, so Susanne Hochuli: beide müssten Familien- und Erwerbsarbeit besser untereinander aufteilen können. Es sei ein Anlass, um zurück und auch vorauszublicken, meinte Pascale Bruderer. Und da gebe es noch einiges durchzusetzen. Bedenklich für die Nationalrätin: «Die Frauen kommen hoch qualifiziert aus den Bildungsinstitutionen, aber in den Chefetagen sind sie immer noch massiv untervertreten.»

«An uns, uns durchzusetzen»

Zu Wort meldeten sich im Grossratssaal über 20 Vertreterinnen aller Parteien und verschiedenster Organisationen, vom Gewerkschaftsbund über die reformierte Landeskirche und den katholischen Frauenbund bis zu den Business and Professional Women oder zur Präsidentin der Gemeindeammänner-Vereinigung. Letztere, Renate Gautschy, liess sich einen kleinen Seitenhieb auf die Männer in der Politik nicht nehmen, die das Festhalten an einem traditionsbehafteten Begriff noch heute zur Bedingung für die ganze Aargauer Gemeindereform machen: Die Frauen würden heute zwar 30 Prozent der Gemeindeoberhäupter stellen, «aber als Frau Gemeindeammann sind wir immer noch ein Zungenbrecher», so Gautschy.

Entsprechend dem breiten Spektrum, das vertreten war, gab es auch ganz unterschiedliche Gedanken zum Gedenken an die Einführung des Frauenstimmrechts zu hören. So bestand SVP-Grossrätin Vreni Friker auf der Überzeugung, dass es keine spezifische Männer- oder Frauenpolitik gibt. «Wir haben die Gleichberechtigung, geschätzte Kolleginnen. Es liegt an uns, uns durchzusetzen», rief sie in den Saal. Nach 40 Jahren werde es höchste Zeit, dass die Frauen selber aktiv würden und sich in vermeintlichen Männerdomänen der Politik ein- und durchsetzen.

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