Schwaderloch
Ein Waldspaziergang kostet 5 Franken

Schwaderloch beschreitet einmal mehr neue Wege, um die Gemeindefinanzen ins Lot zu bringen. Ab heute muss, wer sich im Schwaderlocher Wald aufhalten will, Eintritt bezahlen.

Jörg Meier
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Schwaderloch, das idyllisch gelegene Dorf im obersten Fricktal, beweist einmal mehr seine Kreativität. Auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, wie die Gemeinde zu dringend benötigten zusätzlichen Einnahmen kommen könnte, hat der Gemeinderat eine Idee entwickelt, die weitherum von sich reden macht.

Die Idee soll Gemeindeammann Rolf Häusler beim frühmorgendlichen Marsch durch den Schwaderlocher Forst gekommen sein. «Unser Wald ist wunderschön, er ist vielfältig, sinnlich und mystisch; er ist gut gepflegt, macht fröhlich und regt das Denken an. Kurz und gut: Unser Wald hat einen enormen Erholungswert.» Und weil das so sei und das die Leute auch schätzen, seien sie gerne bereit, für den einzigartigen Erholungsraum Wald einen bescheidenen Eintritt zu bezahlen.

Gemeinderat Felix Weiss, zuständig für den Forst, weist zudem darauf hin, dass der Schwaderlocher Wald sich gleich zweifach von andern Wäldern unterscheide. Zum einen habe man den einzigen Auenwald im ganzen Fricktal, zum andern sei der Wald an den Jurahängen über Schwaderloch für seine mystische Ausstrahlung bekannt. Auch deshalb rechtfertige sich die Erhebung einer Waldeintrittsgebühr. Zumal eine Erhebung ergeben hat, dass 64 Prozent der Schwaderloch-Waldbesucher Auswärtige sind.

Das neue Waldreglement mit der Gebührenordnung für den Eintritt in den Schwaderlocher Wald tritt am 1. April in Kraft. Vorgesehen ist eine dreijährige Versuchsphase. Dann wird entschieden, ob der Waldeintritt definitiv wird.

In einer Mitteilung schreibt der Gemeinderat, man erwarte zusätzliche Einnahmen von rund einer Million Franken pro Jahr. Geld, das Schwaderloch gut gebrauchen kann, Geld, das erlauben würde, den rekordverdächtig hohen Steuerfuss von 126 Prozent nach und nach zu reduzieren. Kein Wunder, dass es bei diesen rosigen Aussichten in Schwaderloch keinerlei Opposition gegen die Waldeintrittsgebühr gegeben hat..

Die Gebührenordnung für den Waldeintritt ist einfach. Es gibt zwei Tarife. Tarif A ist für Einheimische, Tarif B für Auswärtige. Ein einzelner Waldeintritt kostet für Einheimische 5 Franken, Auswärtige zahlen 8 Franken. An den Waldeingängen werden Automaten aufgestellt, an denen die einzelnen Tickets gelöst und entwertet werden können. Ein 10er-Abo ist für 40 Franken (Tarif A) bzw. 60 Franken (Tarif B) zu haben. Kinder und Hunde zahlen die Hälfte. Abos und Jahreskarten sind direkt auf der Gemeindekanzlei zu beziehen.

Als Kontrolleure konnten Pensionäre aus dem oberen Fricktal rekrutiert werden. Sie sind an den grünen Uniformen zu erkennen und sie sind befugt, renitente Schwarzwäldler zu verzeigen und das Bussgeld von 80 Franken direkt zu kassieren.

Wer in diesen Tagen durch Schwaderloch flaniert, spürt die Vorfreude auf die Waldeintrittsgebühr und den baldigen Geldfluss für die Gemeinde.
Gemeindeammann Häusler ist denn auch überzeugt, dass innert kürzester Zeit die meisten Aargauer Gemeinden dem Schwaderlocher Beispiel folgen werden und den Waldeintritt ebenfalls einführen werden. Auch Finanzdirektor Brogli habe sich äusserst positiv über das Schwaderlocher Modell geäussert.

«Schwaderloch macht es wieder allen vor», sagt Häusler stolz und freut sich auf das heutige Waldeintrittsfest bei der römischen Ruine «oberes Bürgeli».