Spital

Ein Komitee kämpft für zwei eigenständige Kantonsspitäler

Die Kantonsspitäler Baden und Aargau machen künftig gemeinsame Sache und werden so zum Kantonsspüital Aargau

Die Kantonsspitäler Baden und Aargau machen künftig gemeinsame Sache und werden so zum Kantonsspüital Aargau

Der Regierungsrat stellt sich die Aargauer Spitallandschaft der Zukunft mit einem Kantonsspital an zwei Standorten vor. Die Spitäler in Aarau und Baden sollen unter die gemeinsame Führung einer neuen «Kantonsspital Aargau AG» gestellt werden.

 Der Plan tönte plausibel, die Gesundheitskommission des Grossen Rats hat sich bereits mit einer einzigen Gegenstimme, jener des grünliberalen Vertreters Peter Schuhmacher, hinter das Vorhaben gestellt.

Doch nun, wenige Wochen vor der Beratung im Parlament, hat sich ein Komitee mit (vorerst) sieben prominenten Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Gesundheitswesen formiert, das den Plan bis aufs Blut bekämpfen und spätestens in einer Volksabstimmung beerdigen will. «Uns gibt es so lange, bis die Vorlage abgeschossen ist», erklärte gestern der Badener Rechtsanwalt Andreas Binder ebenso kampfeslustig wie siegbewusst. Glaubt man seinen Ausführungen, ist die Zentralspital-Botschaft des Regierungsrats kaum das Papier Wert, auf das sie geschrieben wurde.

Rechtsumkehrt in der FDP?

An Binders Seite kämpfen Unternehmer Otto Suhner (Präsident des medizinischen Zentrums Brugg), Rainer Klöti (Vizepräsident des medizinischen Zentrums), Kurt Kaspar (Präsident der Ärztenetzwerk-Organisation Argomed), CVP-Grossrätin Theres Lepori (Stiftungsrätin Spital Muri), FDP-Grossrätin Maja Wanner und FDP-Präsident Thierry Burkart. Das ist nicht ohne Brisanz. Der Slogan des Komitees heisst «Wettbewerb statt Planwirtschaft in der Aargauer Spitallandschaft».

Und zum Zentralspital-Bericht führte ein Vorstoss der FDP, in dem die Partei Effizienzmängel bei den Spitälern und eine Konkurrenz unter den Standorten konstatierte, «ohne dass dabei ein eigentlicher Leistungswettbewerb entsteht». Die parallele Hochrüstung von zwei Kantonsspitälern bringe enorme Kosten, ohne dass die Qualität der Behandlung davon wesentlich profitiere. Nun steht der FDP-Chef - er war bei der Präsentation des Komitees gestern verhindert - an der Spitze einer sich formierenden Bewegung, die so ziemlich genau das Gegenteil behauptet: Mit den Kantonsspitälern Aarau und Baden verfüge der Aargau über zwei nachweislich erfolgreiche, kostengünstige und entwicklungsfähige Spitäler, während die Fusion zu einem Spitalkoloss führen würde, der teurer und wesentlich schwerer zu führen sei.

«Unseriös und unbrauchbar»

Die in der Zentralspital-Botschaft immer wieder angeführten Synergieeffekte nimmt man dem Regierungsrat nicht ab. Weil die angeblichen Synergien nicht spezifiziert und quantifiziert seien. Und weil selbst die auf intransparenten Annahmen basierende Schätzung des Regierungsrats auf 25 Jahre hinaus nur auf Einsparungen komme, die weit unter dem Streubereich einer solchen Grobkostenschätzung liegen. Wäre die Botschaft eine von ihm zu beurteilende HSG-Arbeit, so Professor Binder, sie würde ganz klar die Note «ungenügend» erhalten: «Der Kostenvergleich des Regierungsrates ist betriebswirtschaftlich unseriös und unbrauchbar.»

Im Vorhaben, die Spitäler unter eine gemeinsame Führung zu stellen, sieht das Komitee einen Schritt zurück in alte Zeiten: Spitalmonopol statt Wettbewerb, mehr politische Kontrolle über einen einzigen Verwaltungsrat statt unternehmerischer Eigenständigkeit. Und was das geplante Logistikzentrum betrifft, brachte es Unternehmer Suhner gegenüber den Journalisten träf auf den Punkt: «Möchten Sie etwa im Spital irgendeinen Einheits-Airlinefood essen? Ich jedenfalls nicht.»

Standorte geschwächt statt gestärkt

Für die Ärzte Rainer Klöti und Kurt Kaspar sprechen auch die medizinisch-fachlichen und versorgungspolitischen Argumente klar gegen eine Zusammenführung der beiden Kantonsspitäler unter eine Führung. Und vor allem gegen die Zuweisung bestimmter Behandlungsschwerpunkte an einen Standort.

Da ist einmal die Systematik der neuen Spitalfinanzierung: Das Komitee geht davon, dass mit der freien Spitalwahl Patienten in ausserkantonale Kliniken abwandern würden, wenn sie für bestimmte Behandlungen von Baden nach Aarau oder umgekehrt fahren müssten. So würde nicht wie beabsichtigt die Spitallandschaft Aargau als Ganzes gestärkt, sondern die Spitalstandorte Aarau und Baden geschwächt. Im übrigen sei der typische Patient an einem Zentralspital 60- bis 80-jährig und habe nicht einfach ein ganz bestimmtes Leiden. Charakteristisch für die spezialisierte Medizin eines Zentralspitals sei, dass es sich um eine organübergreifende Medizin mit einer umfassenden Diagnostik handelt. Rainer Klöti drückt es anschaulich aus: «Da kann nicht ein Körperteil nach Aarau und der andere nach Baden.»

Es musste schnell gehen

Schliesslich würde für Kurt Kaspar die integrierte Grundversorgung, zu der sich Regierung und Parlament bekennen, unter der neuen Führung eines Gross-Spitals mit zwei Standorten gefährdet. Ein gutes Beispiel für das Funktionieren dieses Prinzips sei die Notfallpforte am Kantonsspital Baden. So etwas funktioniere aber nur mit kurzen (Entscheidungs-)Wegen, wenn Grundversorger, Spezialisten mit eigener Praxis und Kantonsspitäler regionale Vereinbarungen treffen können.

Bleibt am Ende nur die Frage, warum im Siebner-Komitee eine schwergewichtige Vertretung aus dem Umfeld des Kantonsspitals Aarau fehlt. Geht es am Ende doch mehr um einen regionalpolitischen Kampf und die Angst, das Kantonsspital Baden könnte unter einem gemeinsamen Dach zu einem Filialbetrieb herabgestuft werden? In keiner Art und Weise, beteuert Andreas Binder. Es habe schnell gehen müssen, und da habe man erst einmal ein Kernteam formiert, das sich bereits kennt.

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