Froh ist, wer überhaupt noch irgend jemand vor der Klasse stehen hat. «In der Tat sind uns zwei Fälle bekannt von Schulen, die Berufsleute wie Schreiner oder Köche als Lehrer angestellt hatten», sagt Kathrin Scholl, stellvertretende Geschäftsführerin Geschäftsführerin des Aargauischen Lehrerverbandes. Diese beiden Personen hätten über keinerlei Qualifikationen verfügt, die zu einer Anstellung als Lehrer befähigt hätten.

Nur als Notlösung geeignet

«Ich will die beiden nicht verteufeln; die Situation kann durchaus zwei bis drei Wochen gut gehen», doch dann würden diese Personen an ihre Grenzen stossen. Dies könnten nur Notlösungen und keine langfristigen Lösungen sein. Verschiedentlich gab es auch schon Widerstand: so gibt es Fälle, in denen sich die Eltern geegn ungenügendes Lehrerpersonal zur Wehr gesetzt hätten. «In einem Fall musste aufgrund der Widerstände seitens der Eltern die entsprechende Lehrperson den Hut nehmen.» Doch viel zu oft würden sich die Eltern nicht trauen, aufzubegehren.

Die Situation rund um den Lehrermangel spitzt sich weiter zu. «In einer Aargauer Bezirksschule musste schon ein halbes Jahr der Mathematik-Unterricht gestrichen werden, weil keine entsprechende Lehrperson verfügbar war», sagt Scholl gegenüber der az. Die entsprechenden Schüler hätten zwar Aufgaben bekommen, doch einen professionellen Fachunterricht hatten sie nicht erhalten. Nun aber haben sie wieder eine Lehrperson und sind mit der Aufarbeitung des Stoffes beschäftigt. Ob dieses halbe Jahr «Schaden» angerichtet hat, kann noch nicht gesagt werden, da diese Klasse noch nicht die Abschlussprüfungen gemacht hat.

Die erfahrenen Lehrkräfte gehen

Die Situation spitzt sich auch insofern zu, dass die wenigen erfahrenen Lehrpersonen nun auch zusehends Neueinsteiger betreuen müssen, womit die Belastung natürlich noch steigt und als Folge davon schon viele erfahrene und ausgebildete Lehrkräfte gekündigt haben. Das Problem ist: Lehrer werden angestellt von den Schulbehörden oder den Gemeinden. Diesen geht es meist nur noch darum, überhaupt jemanden zu haben, mangelnde Qualifikationen hin oder her.