Hallwil
Ein Dorf, das die Waffeninitiative mit fast 85 Prozent bachab schickte

Unterwegs im Dorf, das die Waffeninitiative mit 84,3 Prozent Nein-Stimmen abschmetterte und in dessen Gemeinderat es keine Parteien gibt, sondern nur Parteilose.

Michael Spillmann
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Die Gemeinde Hallwil am westlichen Rand des Seetals: Parteien gibt es keine, auch im Gemeinderat sitzen nur Parteilose. 760 Einwohner bewohnen das 218 Hektaren grosse Gemeindegebiet. Die Gemeindekanzlei zählt 537 Stimmberechtigte, fast jeder Zweite von ihnen stimmte über die Initiative «Für den Schutz vor Waffengewalt» ab. Und das Urteil der Hallwiler konnte fast nicht klarer sein: 204 Nein-Stimmen standen gerade 38 Ja-Stimmen gegenüber, was einer Ablehnung von satten 84,3 Prozent entspricht – es ist der höchste Nein-Anteil im Aargau.

Kurzbesuch in der «Schützenstube»

Um herauszufinden, warum gerade die Hallwiler so klar gegen die Initiative votierten, führt der Weg zum einzigen Restaurant im Dorf, das beizeichnenderweise «Schützenstube» heissen muss. Dort sitzen Handwerker von auswärts an den Tischen und stärken sich mit dem Tagesmenü. «Ich bin nicht von hier», wiegelt einer ab. Doch auch der Wirt kann nicht weiterhelfen. Das Thema sei hier zwar rege diskutiert worden, er selber äussere sich aber nicht zu politischen Themen.

Nur einen Katzensprung davon entfernt versucht schliesslich einer eine Erklärung zu finden: Werner Urech, der Präsident der Schützengesellschaft Hallwil. «Unser Dorf verfügt über ein ausgeprägtes Vereinsleben», sagt der höchste Schütze von Hallwil am Küchentisch. Zudem zelebriere die Gemeinde jährlich gleich fünf Bräuche, zu denen auch das «Chlausklöpfen» oder die «Bärzeli-Buebe» gehören. «Wir sind ein Dorf mit vielen Traditionen», so Urech. Auch die Schützengesellschaft sei fest im Dorfleben verankert. Für den Vereinspräsidenten ist das klare Urteil der Stimmbevölkerung auch ein Vertrauensbeweis den Schützen gegenüber: «Das Resultat zeigt, dass unser Verein bei uns einen guten Ruf hat.»

«Als Sport macht Schiessen Spass»

Viele Hallwiler trifft man an diesem sonnigen Wintertag nicht auf der Strasse. Gertrud Gloor, die gerade in den Zug nach Lenzburg einsteigen will, rätselt: «Warum der Nein-Anteil hier so hoch ist, kann ich mir auch nicht erklären.» Dann fährt der Zug ab. Michael Parkola wartet am Strassenrand auf einen Kollegen, der ihn mit zur Arbeit nimmt. Er selber war bei den Jungschützen aktiv. «Als Sport macht Schiessen Spass», erklärt er. Und warum ging die Abstimmung in Hallwil so deutlich aus? «Vielleicht weil viele in Vereinen aktiv sind, die Dorfbewohner sind gut vernetzt», so der junge Mann. Nicht abstimmen konnte der Deutsche Gert Herrle, Wochenaufenthalter in Hallwil, er hätte es aber auch nicht getan, wenn er könnte. «Ich sehe diesen Entscheid als gesunde konservative Grundhaltung», schildert er. «Die Leute denken sich wohl, wieso sie etwas ändern sollen, wenn kein Druck dazu da ist.»

Der Gemeindeammann ist stolz

Für Walter Gloor, Gemeindeammann und Vorstandsmitglied der Schützengesellschaft, ist der Fall klar: «Unsere Bürger sind einfach gut informiert.» Das klare Resultat freue ihn nicht nur, es mache ihn auch stolz. Der parteilose Walter Gloor erwähnt, wie im Dorf das Jungschützenwesen vorangetrieben werde und wie gross die Unterstützung der Schützengesellschaft durch die Bewohner sei. Er ist überzeugt: «Wir können mit Vernunft abstimmen. In Hallwil haben die Leute einen gesunden Menschenverstand.»