«Ehe für alle»
Nach der «Ehe für alle»-Euphorie tröpfeln nur vereinzelt Anfragen bei den regionalen Zivilstandesämtern ein

Wie die Umsetzung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare ab dem Juli 2022 konkret aussehen wird, wird sich erst mit den Ausführungsbestimmungen des Bundes weisen.

Cynthia Mira
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Die Operation Libero inszenierte mit Brautpaaren eine «Ehe für alle».

Die Operation Libero inszenierte mit Brautpaaren eine «Ehe für alle».

Peter Schneider / KEYSTONE

Gleichgeschlechtliche Paare dürfen heiraten. Das Stimmvolk hatte die Änderung des Zivilgesetzbuches am 26. September mit 64,1 Prozent Ja-Stimmen angenommen. Die Bilder danach zeigen vor allem die Euphorie über dieses Ergebnis. Dennoch griffen erst wenige Paare zum Hörer. In den vier Zivilstandsämtern der Region Aargau West, die für sämtliche Gemeinden und Städte zuständig sind, blieb der Ansturm aus.

Das regionale Zivilstandsamt in Schöftland erreichte nur eine Anfrage. In Lenzburg wollen sich bisher zehn Paare trauen lassen. Und auch Aarau blieb am Montag und in den Tagen nach dem Wahlsonntag von einem Ansturm verschont, wie Ronald Baumann, Leiter Zivilstandsamt, auf Anfrage schreibt.

Den Leiter des Zivilstandsamts in Menziken, Deepak Santschi, erreichte ebenfalls nur eine Anfrage eines gleichgeschlechtlichen Paares. Es wollte wissen, ob und wie nun ihre bestehende eingetragene Partnerschaft in eine Ehe umgemünzt werden kann. Eine konkrete Antwort auf solche und ähnliche Fragen können die Zivilstandsämter aber nur bedingt geben. Es gilt, die Ausführungsbestimmungen des Bundes abzuwarten. Erst dann können Aussagen über die Praxis und über die Vorgaben zur Umsetzung der abgeänderten Gesetzgebung gemacht werden. Die Umsetzung bis im Juli 2022 scheint für viele in diesem Zusammenhang sportlich, aber machbar.

Entsprechend zurückhaltend fallen die Prognosen der Zivilstandsämter bezüglich Mehraufwand oder Personalmangel aus. Schöftland geht von keiner zusätzlichen Belastung aus. Einen kleinen Mehraufwand am Anfang, wie es sich auch bei der Einführung der eingetragenen Partnerschaft 2007 ergeben hatte, sieht das Zivilstandsamt Aarau auf sich zukommen. Die Anzahl der eingetragenen Partnerschaften war in den vergangenen Jahren aber äusserst gering. Von 2018 bis 2020 waren es in Schöftland drei, in Menziken fünf, und in Lenzburg und Aarau je dreizehn. Im Vergleich dazu heirateten rund 120 heterosexuelle Pärchen in Menziken und in Schöftland. Und bis zu 300 Männer und Frauen gaben sich die letzten drei Jahre in Aarau das Jawort.

Die gute Nachricht ist, dass es bei den Reservierungen bisher bei keinem der Zivilstandsämter zu Engpässen kommt. Noch müssen aber Frau und Frau oder Mann und Mann bei der Terminauswahl auf die Schnapszahl 22.2.22 oder den Valentinstag 2022 verzichten.

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