TCS-Kurs
E-Bikes: Jetzt fahren auch Ungeübte im Renntempo

Fahrräder mit elektrischem Zusatzantrieb sind eine tolle Erfindung, sie bergen aber auch ein Gefahrenpotenzial. Bereits fahren 150000 Schweizerinnen und Schweizer E-Bike, die Unfallzahlen nehmen rasant zu.

Toni Widmer
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Der TCS Aargau organisiert Kurse für E-Biker; az-Reporter Toni Widmer (gelbes T-Shirt) war in Muri dabei. ES

Der TCS Aargau organisiert Kurse für E-Biker; az-Reporter Toni Widmer (gelbes T-Shirt) war in Muri dabei. ES

Wer heute an einem sonnigen Tag über die Hügel und Täler des Aargaus radeln möchte, muss nicht mehr Spitzensportler sein. Eine einigermassen gute körperliche Verfassung genügt, sofern man auf einem E-Bike sitzt. Seit Biketec 1993 mit dem Flyer ein erstes Fahrrad mit elektrischem Zusatzantrieb vorstellte, steigen die Verkaufszahlen Jahr für Jahr.

Bereits fahren 150000 Schweizerinnen und Schweizer E-Bike. Mit 50000 von insgesamt 351000 verkauften Fahrrädern wurde bei den «Elektrischen» 2011 ein neuer Verkaufsrekord erzielt. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren waren es schweizweit erst 13000 verkaufte E-Bikes.

Ein Boom mit Schattenseiten

Der Boom hat Schattenseiten: Die Zahl der Velounfälle hat 2011 spürbar zugenommen. Dabei ist die Anzahl der Todesfälle von 34 auf 39 und die Zahl der Verletzten von 835 auf 867 gestiegen. Das Bundesamt für Verkehr (Astra) stellt die Zunahme in einen Zusammenhang mit der stärkeren Verbreitung von E-Bikes.

«Mit einem E-Bike können heute auch Ungeübte im Renntempo über die Strassen flitzen. Ihnen fehlt aber oft das Bewusstsein, dass höhere Geschwindigkeit auch höhere Gefahr bedeutet», bringt es Markus Baumgartner von der Regionalpolizei Muri auf den Punkt.

TCS Aargau will E-Biker sensibilisieren

Baumgartner referierte am ersten von sechs E-Bike-Kursen, die der TCS Aargau 2012 anbietet. «Es geht nicht darum, die Kursbesucher Rad fahren zu lehren. Wir wollen sie auf die Gefahren beim E-Biken aufmerksam machen», erklärten die Kursleiter René Altschul und Christoph Konrad.

Die Gefahren sind vielfältig. «Man ist plötzlich mit 25 km/h unterwegs, die schnellen E-Bikes erlauben sogar Tempi von 45 km/h. Bei diesen Geschwindigkeiten wird nicht nur der Bremsweg länger. Man wird auch von Autofahrern oft übersehen oder falsch eingeschätzt», sagte Baumgartner. Und Fahrlehrer Christoph Konrad riet: «Kleidet euch auffällig und macht euch damit für die anderen Verkehrsteilnehmer sichtbar.»

Das richtige Bike kaufen

Das Einschätzen der eigenen Geschwindigkeit und das richtige Bremsen waren denn auch Hauptteil des praktischen Kursteils, der auf E-Bikes des E-Bike-Hersteller Stöckli Swiss Sports absolviert werden konnte. Die Stöckli-Profis warben indessen nicht primär für ihre eigenen Produkte, sondern rieten ganz allgemein zum Kauf von Markenprodukten. Nur damit sei Gewähr geboten, dass Fahrradkonstruktion und Bremsen den möglichen Geschwindigkeiten auch gewachsen seien.

Wer sich mit dem Umstieg auf ein E-Bike befasse, tue gut daran, sich im Fachgeschäft bedarfsgerecht beraten zu lassen. Qualitativ gute E-Bikes seien ab 3000 bis 3500 Franken zu kaufen. Billigprodukte für 1000 Franken und tiefer garantierten unter Umständen ein böses Erwachen.

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