Der Sommer meldet sich zurück, aber für wie lange? Darf, muss, soll man sogar im Juli und August heizen? Mieterschutz- und Hauseigentümerverbände sind sich in vielen Dingen nicht einig. Bezüglich der Temperaturen in einer Wohnung ist man jedoch der gleichen Meinung: «Wohn- und Geschäftsräume sind angemessen zu beheizen. Das gilt auch im Sommer, wenn nach einem Wetterumsturz die Temperaturen in den Wohnungen, auf ein unangenehmes Niveau sinken», heisst es beidenorts unisono auf die entsprechende Frage.

20 bis 21 Grad sind Standard

Übereinstimmung herrscht auch bezüglich der Interpretation von «angemessen zu beheizen». Die Temperaturen in einer Wohnung, darüber sind sich die Mietrechtsjuristen aufgrund verschiedener Gerichtsurteile beiderseits einig, müssen am Tag (7 bis 23 Uhr) 20 bis 21 Grad betragen. In der Nacht darf die Temperatur abgesenkt werden. Aber nicht so weit, dass die Bewohner schlottern müssen. Unter 15 Grad, so die allgemeine Regel, dürfen die Raumtemperaturen in einer Wohnung auch in der Nacht nicht fallen.

Laut Auskunft vom Bundesamt für Energie war es früher üblich, in Mietverträgen die Heizsaison verbindlich festzulegen. Meistens wurde sie vom 1. Oktober bis 31. März angesetzt. Auf einen solchen Vertrag könnten sich die Vermieter heute aber kaum mehr berufen. Das, weil in einem Mietvertrag keine Zusatzklauseln erlaubt sind, welche den im Obligationenrecht festgeschriebenen, gebrauchstauglichen Zustand einer Wohnung einschränken.

Gesundheitsgefahr unter 16 Grad

Dazu gehöre das Heizen, hält Thomas Oberle vom Hauseigentümerverband Schweiz in einem Aufsatz zum Thema fest: «In der Regel ist zu heizen, wenn die Aussentemperaturen unter 14 Grad sinken. Die durchgehende Heizperiode dauert in der Regel von Mitte September bis Mitte Mai.

Das will aber nicht besagen, dass nur während der Heizperiode geheizt werden muss. Auch ausserhalb der Heizperiode muss bei entsprechend kühler Witterung die Beheizung des Mietobjektes gewährleistet werden.» Der Vermieter müsse ausserhalb der Heizperiode die Heizung dann einschalten, wenn die Zimmertemperatur tagsüber auch nur zeitweise unter 18 Grad Celsius sinke und absehbar sei, dass die kalte Witterung länger als zwei bis drei Tage andaure.

Bisher keine Reklamationen

Sinke die Zimmertemperatur gar unter 16 Grad, müsse unverzüglich geheizt werden, weil so tiefe Temperaturen für die Mieter ein Gesundheitsrisiko darstellten. Als Regel gelte, dass geheizt werden müsse, wenn die Aussentemperatur drei Tage lang weniger als 14 Grad betrage. Das gelte auch bei Kälteeinbrüchen im Hochsommer.

Im Aargau scheinen zurzeit trotz tiefer Aussentemperaturen kaum Mieter zu frieren. Hauseigentümer- wie Mieterschutzverband versichern zumindest, dass in den vergangenen Tagen keine entsprechenden Reklamationen eingegangen seien.

Ähnlich tönt es bei den angefragten Immobilienverwaltungen. Zu kalte Räume im Sommer seien kaum je ein Problem. Im Gegenteil, reklamiert würde vielmehr, wenn wegen zwei drei kalten Tagen die Heizungen in Betrieb genommen würden und sich das negativ auf die Heizkosten-Abrechnung niederschlage.