Seit über 100 Jahren rattern Filme auf Zelluloid in den Kinos. Heute steht die Filmindustrie vor einem grossen Wandel: dem Umstieg auf die Digitaltechnik. Für die vielen kleinen Studiokinos wird das zur Bedrohung. Die neuen Projektoren kosten bis zu 150000 Franken. Selbst Kinoketten ächzen bei diesen Mehrkosten.

«Das können wir uns nicht leisten», sagt Stephan Filati, Betriebsleiter des Kinos Odeon in Brugg. «Momentan ist so vieles noch unklar.» Man wisse nicht, ob die Filmverleiher in 2 bis 3 Jahren bereits keine 35-mm-Filme mehr anbieten würden. «Wir wollen aber nichts übereilen», sagt Filati. Momentan werden noch Lösungen mit anderen kleinen Kinobetreibern aus der Region gesucht.

Tonqualität bleibt gleich

Die Umstellung von der analogen 35-Millimeter-Filmprojektion auf die digitale Vorführtechnik bringt aber auch Vorteile mit sich. Denn auch nach der hundertsten Vorstellung bleibt die Ton- und Bildqualität gleich wie bei der Premiere. Bei der bisherigen Technik kam es zur unvermeidbaren mechanischen Abnutzung des Filmmaterials. Filmkratzer und Laufstreifen gehören deshalb bald der Vergangenheit an. Zusätzlich entfallen Transport und Lagerung der bis zu 30 Kilo schweren Filmrollen. Die digitalen Daten können mittels Server, Festplatte oder DVD vergleichsweise einfach übertragen werden. Die Filmverleiher profitieren davon.

Peter Sterk, alt Geschäftsführer und VR-Präsident der Sterk Cine AG, tönt zwar nicht allzu begeistert von der neuen Technik, wehrt sich aber auch nicht dagegen. «Wir sind eine Dienstleistungsfirma, wir wollen unseren Kunden etwas bieten.» Im Trafokino Baden und in der Elite Wettingen gibt es je bereits einen digitalen Projektor. Damit können auch 3-D-Filme gezeigt werden. «Weitere digitale Projektoren folgen kontinuierlich», sagt Sterk. Noch dieses Jahr werden in Baden und Wettingen 2 bis 3 weitere Säle umgerüstet und ein Jahr darauf nochmals so viele. «Wir tun dies gestaffelt, damit wir die Billettpreise nicht erhöhen müssen», sagt Sterk.

Pannen in Deutschland

Die Grossinvestition ist aber nicht damit getan, dass man alle Kinosäle umrüstet und dann die Projektoren 50 Jahre lang gebrauchen kann. Was mit der analogen Technik noch möglich war, funktioniert mit der schnellen technischen Entwicklung nicht mehr: «Alle 5 bis 6 Jahre muss man die digitalen Projektoren ersetzen, da sie überholt sind. Zudem sind sie anfälliger auf technische Abstürze», erklärt Sterk. In den SterkKinos sei noch nie eine Vorstellung ausgefallen, weil die Technik versagte. Sterk hofft, dass das auch so bleibt. Damit spricht er die Pannen mit digitalen Geräten an, die es in letzter Zeit in Deutschland gab.

Im Studiokino-Bereich dränge eine Digitalisierung nicht, da es die meisten dieser Filme noch auf 35-mm-Filmen gibt. Für 3-D-Filme hingegen brauche es digitale Projektoren. Ein Durchbruch des 3-D-Kinos scheint sich aber nicht abzuzeichnen: «Der Run auf 3-D-Filme hält sich in Grenzen», sagt Sterk. Die höheren Billettpreise, die 3-D-Brille und die Intensität, die nicht allen gleich gut bekommt, seien dafür verantwortlich. Nur der 3-D-Disney-Film «Rapunzel» sei bei ihnen sehr gut gelaufen.

Streit über 3-D

Die neue Digitaltechnik wird von den einen in den Himmel gelobt und von anderen kritisiert. Farbtiefe, Kontrast und Differenzierung in Helligkeitswerten seien noch nicht mit der analogen Technik vergleichbar, ist vielerorts zu lesen. «Über die Qualität kann man verschiedener Meinung sein», sagt Sterk. «Es gibt sicher viele Filmfreaks, welche die Unterschiede erkennen, Laien wohl eher nicht.» Es komme aber auf den Projektor, die Optik und die Leinwand an.

Was viele Filmfans verärgern wird, ist, dass es noch mehr Synchronisationen gibt. Sterk sagt, dass viele der neuen Projektoren gar keine Untertitel einblenden könnten.

Die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten. Die Kinobetreiber fordern deshalb für die Anschaffung der neuen Geräte Unterstützung vom Bund. «Ohne finanzielle Hilfe durch den Bund können wir keinen digitalen Projektor kaufen», sagt Stephan Filati vom Odeon Brugg.
Laurent Steiert, Leiter ad interim für Filmförderung beim Bund (nach dem Abgang von Nicolas Bideau) sagt dazu: «Vorgesehen ist, dass der Bund künftig gesamthaft 1 bis 2 Mio. Franken pro Jahr bereitstellt, um Kinos, die ein vielfältiges Programm bieten, zu unterstützen.» Die Beiträge seien höher als bisher. Am 21. Januar informiert das Bundesamt für Kultur über die genaue Unterstützung. Danach können die Kinobetreiber ihre Anträge auf Unterstützung stellen.