Leitungswasser
Dieses Wasser stinkt der Polizei

Das «muffige» Hahnenwasser im Polizeikommando solle man besser nicht trinken, heisst es beim Verbraucherschutz. Der Polizeiverband fordert Wasserspender. Doch die gibt es nicht.

Michael Spillmann
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Schweiz am Sonntag

Die Beschreibung dessen, was im Polizeikommando in Aarau seit Jahren aus einigen Wasserhahnen fliessen soll, tönt nicht nach einer erquickenden Erfrischung: Die Rede ist von einem «fischigen» oder «muffigen» Geruch, das Wasser sei «trüb» und «schäume» sogar. Immerhin: Giftig soll das Wasser, das seit einer Rohrsanierung nicht mehr das ist, was es mal war, nicht sein.

Doch Irina Nüesch, Sektionsleiterin Trink- und Badewasser beim kantonalen Amt für Verbraucherschutz, erwähnt das Vorsorgeprinzip: «Man sollte das Wasser besser nicht trinken.»
Seit drei Jahren beschäftigen sich verschiedene kantonale Stellen mit der polizeilichen Wasserproblematik. Während die Kantonspolizei in der «schäumenden» Angelegenheit an die Gebäudebesitzerin, die Immobilien Aargau, verweist, will man dort noch vor Ende Jahr definitiv über «punktuelle» Anpassungen entscheiden. Klar ist nur: Die vom Verband Kantonspolizei Aargau (VKA) geforderten Wasserspender werden nicht geliefert, da die Wasserqualität nicht zu beanstanden sei.

Selbstverständlichkeit

Auf die lange Bank geschoben werde das Problem, das seinen Anfang bereits 2007 nach der Sanierung der alten Leitungen genommen hatte, so Markus Leimbacher, Präsident Verband Kantonspolizei Aargau, an der Herbstversammlung Mitte November. Und er ging noch weiter: «Ist der Aargau weiterhin ein verlässlicher Arbeitgeber?» Es sei eine Selbstverständlichkeit, dass im Polizeikommando einwandfreies Trinkwasser zur Verfügung gestellt werden müsse, referierte Leimbacher vor den anwesenden Kantonspolizisten. Es dürfe nicht sein, dass eine «bereits seit langer Zeit bestehende Problematik» nicht «zeitgerecht gelöst wird».

Bereits «vor Monaten» habe der Verband einen schriftlichen Antrag gestellt, um in diesen Räumlichkeiten Wasserspender zur Verfügung zu haben. Eine Beantwortung sei bis zur Versammlung nicht eingetroffen und Wasserspender seien auch nicht aufgestellt, musste der VKA-Präsident beim Treffen im Kloster Muri konstatieren. Dem Vernehmen nach kam kurzfristig sogar die Idee auf, vor dem Kommando eine Mini-Protestaktion zu veranstalten.

In der angeregten Diskussion musste schliesslich auch der zweite Stellvertreter des Polizeikommandanten, der Chef der Mobilen Einsatzpolizei Rudolf Scherer, Stellung beziehen. Das Thema sei polizeiintern mittlerweile zur Chefsache erklärt, sagte er. Die Abteilung Support der Kantonspolizei soll demnach bis Ende November Vorschläge für eine Zwischenlösung erarbeiten - auf eigene Kosten. Darüber, was das für Lösungen sein könnten, war bei der Kantonspolizei auf Anfrage nichts zu erfahren. Es hiess nur, man wolle sich «zur Trinkwasserproblematik nicht äussern», es liege an der Immobilien Aargau, dies zu erklären.

Keine toxische Belastung

Und dort ist man vorbereitet: «Gemäss den Befunden des Amtes für Verbraucherschutz gibt es aus heutiger Sicht keine toxische Belastung. Die Wasserqualität ist einwandfrei», erklärt Martin Moll von Immobilien Aargau, die zum Departement Finanzen und Ressourcen gehören. Es sei allein ein Problem mit dem Geruch und dem Geschmack des Trinkwassers, an höchstens zehn Stellen - dort, wo es «steht». In den Toiletten, der Küche oder etwa bei der Autowaschanlage sei die Qualität «zu jedem Zeitpunkt» gegeben. Im Zusammenhang mit der im Frühjahr erhaltenen Anfrage seitens der Polizei über den Stand in Sachen Trinkwasser räumt er ein, diese sei vergessen gegangen, man habe dies nun aber nachgeholt.

Zum Thema Wasserspender, die der Verband Kantonspolizei verlangt, sagt er: «Wasserspender würden im Falle einer Notmassnahme bereitgestellt. Doch in diesem Fall braucht es keine Notmassnahme. Bis auf die erwähnten Geruchsemissionen ist alles einwandfrei.»

Nach einer nunmehr zweijährigen Beobachtungszeit wollen die Verantwortlichen bei den Immobilien Aargau den Zustand bis Ende Jahr neu überprüfen - und dann entscheiden, wie es weitergeht. Auch eine Zweitmeinung soll hierfür eingeholt werden. Möglich seien «punktuelle» Anpassungen, wie das Ersetzen von einzelnen Wasserrohrteilstücken oder das Montieren von speziellen Apparaten, die die betroffenen Hahnen für eine begrenzte Zeit regelmässig automatisch nutzen.

Schleichender Prozess

Wie Irina Nüesch vom Amt für Verbraucherschutz bestätigt, habe es sehr wohl Hahnen mit normaler Trinkwasserqualität. Und: Der Wassergeruch selber sei ein abnehmendes, kein zunehmendes Problem. Nur: Der «schleichende Prozess» der Normalisierung dauere «inakzeptabel lange».

Und so vergingen die Jahre. An den selten benutzten Hahnen sollen mit der Zeit sogar Hinweisschilder montiert worden sein, und die durstigen Polizisten müssen das Wasser teilweise minutenlang laufen lassen, um die Leitung zu spülen. Das für die Kontrolle zuständige Amt für Verbraucherschutz des Gesundheitsdepartements entwickelte seinerseits Spülpläne und nahm immer wieder Proben. Wie die Sektionsleiterin für Trink- und Badewasser schildert, seien bei der Frage, welche Stoffe in welcher Konzentration vorkommen, sogar spezialisierte Chemiker vor analytische Probleme gestellt worden. Ob sich das Rätsel um das Wasserproblem der Polizei löst, ist offen. Gemäss Irina Nüesch sei der aktuelle Zustand «zulässig», es stelle sich aber die Frage: Ist er für die im Kommando arbeitenden Polizisten zumutbar?