Rentner
Diese Omas und Opas können Sie mieten

Auf Peter Hiltebrands Internet-Plattform «Rent a Rentner» bieten Pensionierte ihre Arbeitskraft an. Das Spektrum der Arbeiten reicht dabei von «Zimmer lüften» bis hin zu Maurerarbeiten. Nun soll ins Ausland expandiert werden.

Daniel Meyer
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Der Rentner Peter Hiltebrand liegt nun nicht mehr auf der faulen Haut

Der Rentner Peter Hiltebrand liegt nun nicht mehr auf der faulen Haut

Zur Verfügung gestellt

Haben Sie nicht auch manchmal das Gefühl, man müsse die alten Säcke und Schachteln mal so richtig einsammeln? Überall haben sie sich mittlerweile angesammelt: sei es nun in Altersheimen, in Alterswohnungen, in Schwimmbädern oder am Samstagmorgen in allen Läden; schlicht und ergreifend überall, wo sie eine immerjunge, immerjugendliche Schweizer Gesellschaft noch gewähren lässt.

Seine Frau wollte seine Hilfe nicht

Ein solcher «alter Sack» ist Peter Hiltebrand, wie er sich selber nennt. Auf seiner Plattform rentarentner.ch können Rentner Rentner mieten. Nach seiner Pensionierung hatte Hiltebrand irgendwann alle Elektrogeräte und Lampen im Haus kontrolliert und bot seiner Frau an, ihr im Haushalt zu helfen. Anschliessend wusch er Bunt- und Weisswäsche zusammen, saugte den Ehering ein und zerbrach die Vase der Schwiegermutter; wonach seine Frau ziemlich bedient war von seiner Hilfe. Doch was nun?

Eines Tages las Hiltebrand einen Artikel über eine Firma, die «nur mit Alten arbeitet», was ihn beeindruckt habe. So etwas wollte er auch machen. Den Computer bezog er von Anfang an in seine Idee mit ein, denn die meisten Leute in seinem Alter hätten den alten Computer ihrer Kinder zuhause stehen. Mit der Idee einer Plattform für Rentner wendete er sich an den «Zürcher Unterländer». Dann fing alles an.

Bereits 400 Rentner

Heute bieten 400 Rentner in Kategorien wie Administration und Baugewerbe oder Computer bis zu Seelsorge und «Mädchen für alles» ihre Dienste an. In den Unterkategorien kann der potenzielle Arbeitgeber beispielsweise auswählen zwischen: «Ikea-Möbel zusammenbasteln», «Fenster lüften» oder «Ordnung machen», ja sogar Tierpsychologie oder «Fachwissen allgemein» werden angeboten.

Einer dieser Säcke ist der Heinrich Nöthiger aus Kölliken, 69 Jahre. In einem Aktionsradius von 80 Kilometern und für 25 Franken die Stunde hängt er Bilder auf, setzt Ikea-Möbel zusammen oder erledigt Gärtner-, Schreiner- und Maurerarbeiten. Der wirkliche, frühere Beruf wird bewusst nicht angegeben, weshalb die Aufträge durchaus ein neues Betätigungsfeld eröffnen können. So auch bei Nöthiger.

«Chefsack» Hiltebrand hat schon lange erkannt, dass es ein Bedürfnis für «so öppis» gibt in der Schweiz. Doch so einer wie er, der 30 Jahre ein eigenes Elektromontage-Geschäft gehabt und geführt habe, der wisse, was er tue. Und als so einer mache er entweder «tutti oder gar nüt».

Vornehmlich «Qualitätsrentner»

Gibt ein User falsche Daten an, hat dieser eine Woche Zeit, seine Daten zu berichtigen, danach wird sein Profil gelöscht und er kann sich auch künftig nicht mehr eintragen. Kontrolliert werden Telefonnummer und Foto. So komme er täglich auf einen Aufwand von zwei bis drei Stunden, so Hiltebrand. Er erklärt, dass es auf seiner Plattform denn auch keine Polen gebe und wenn, dann seien sie herzlich willkommen, wobei sie dann aber «Schwizerdütsch» können müssten, denn die Plattform sei um eine «gewisse Kultur» bemüht und wolle vornehmlich «Qualitätsrentner» ansprechen.

Die «Säcke» und «Schachteln» sind selbsterwerbend, Abzüge bei dem Einkommen gibt es erst, wenn dieses über 1400 Franken steigt, wobei dann auch die AHV abgezogen wird. Er, der Handwerker, habe noch nie gerne Büro gemacht, weshalb er auch nicht auf die Idee komme, pro Auftrag selbst etwas einsacken zu wollen, so Hiltbrand. Grundsätzlich gilt: Erfolgreiche Schachteln lüften Fenster und leeren Briefkästen, erfolgreiche Säcke mähen den Rasen und schneiden Hecken.

Nicht wachsen, sondern wachsen lassen

Finanziert wird das Projekt von Hiltebrand aus dem eigenen Sack. Doch stehe er nun in Verhandlungen «mit Österreich und Deutschland». Auch sonst will er ausbauen: bis Ende Jahr sollen mehr als 200‘000 Franken in einen neuen Server investiert werden. Doch er wolle nicht wachsen, sondern wachsen lassen, erklärt Hiltebrand. Momentan lässt sich damit noch kein Geld verdienen, denn die 350 Franken, die rentarentner.ch pro Jahr und Mitglied verlangt, werden nicht in Rechnung gestellt.

Mehr als eine Abwechslung zwischendurch seien die Arbeiten nicht, erklärt der Mietrentner Nöthiger, durchschnittlich arbeitete er an zwei Nachmittagen im Monat. Doch hat er durch die Plattform eine Festanstellung vermittelt bekommen und liegt nun fortan anderthalb Tage in der Woche nicht mehr auf der faulen Haut.

Plattform: www.rentarentner.ch

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