«Die Sorge im zweiten Quartal war gross»

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Urs Hofmann: Es ist natürlich DAS Thema, welches mich als Landammann und die Gesamtregierung dieses Jahr beschäftigt hat. Das war keine einfache Zeit weder für Frau Roth noch für uns. Das Schicksal von Frau Roth hat mich auch persönlich belastet. Wir hatten zwischenmenschlich immer ein gutes Verhältnis mit Frau Roth. Aber wir sahen die Probleme in ihrem Departement und ihr Verhältnis zur Partei, das zunehmend schlechter wurde. Die Sorge im zweiten Quartal war gross, dass es zu einem Zustand kommt, der Regierungsrat und Verwaltung in Mit­leidenschaft zieht. Darum war es eine Erleichterung, als Frau Roth schliesslich ihr Amt niedergelegt hat.

Der Regierungsrat hat zu einem ungewöhnlichen Mittel gegriffen und eine externe Untersuchung in Auftrag gegeben, die Roths Rücktritt beschleunigt hat. War das Ihre Idee?

Das haben wir gemeinsam im Regierungsrat entwickelt. Auch Frau Roth war involviert und hat einer solchen Untersuchung ­zugestimmt. Natürlich wussten wir, dass es je nach Inhalt des Berichts nicht einfach würde. Frau Roth hat den Bericht dann zur Stellungnahme bekommen und bekanntlich den Rücktritt bekannt gegeben, bevor sie sich zum Berichtsentwurf geäussert hat.

Man kann daraus schliessen, dass der Bericht so vernichtend war, dass Roth keinen anderen Ausweg sah.

Dazu will ich mich nicht äussern. Tatsache ist, dass Frau Roth ihren Entscheid in jener Phase getroffen hat. Es ist schwierig zu interpretieren, was den Ausschlag gab, da wir mit Frau Roth seit ihrem Rücktritt keinen Kontakt mehr hatten.

Der Bericht wurde ja gar nicht mehr vorgelegt, ­geschweige denn veröffentlicht. Wer kennt den Inhalt eigentlich?

Frau Roth bekam den Entwurf des Berichts zur Stellungnahme und er wurde mir als Landammann übergeben.

Soll die Öffentlichkeit nicht erfahren, was schief lief?

Der Regierungsrat ist überzeugt, dass Frau Roths Persönlichkeitsrechte höher einzustufen sind als das öffentliche Interesse an diesem Bericht.

Das heisst: Im Bericht ging es vor allem um Frau Roth selber und weniger um Organisation und Struktur des Departements.

Ja, der Bericht befasste sich vor allem mit der Arbeit von Regierungsrätin Roth und es ging nicht in erster Linie um organisatorische oder strukturelle Probleme im Departement, die eine Veröffentlichung des Berichts gerechtfertigt hätten.

Wird der Untersuchungs­bericht einst für Historiker freigegeben?

Das war bisher kein Thema.

Sie waren als Landammann Krisenmanager im Fall Roth. Würden Sie im Nachhinein etwas anders machen?

Nein. Wir haben die Entwicklung mit Frau Roth rechtzeitig besprochen und schon Anfang Jahr eine erste Massnahme ­getroffen, indem wir die Federführung des Beteiligungs­mana­gements für das Kantonsspital Aarau ins Finanzdepar­tement verlegt haben. Gleich­- ­­zeitig haben wir den Bericht in Auftrag gegeben, der dann auch zeitgerecht im Entwurf vor­gelegt wurde. Ich bin überzeugt, dass dieses Vorgehen richtig war. Ebenso überzeugt bin ich, dass Frau Roth mit ihrem Rücktritt den richtigen Entscheid getroffen hat, im Interesse des Kantons und auch für sich selbst.