Natur
Gegen Wildpinkler in Baden: GLP-Einwohnerrat fordert mehr öffentliche WC-Anlagen

An beliebten Orten in Baden fehlt es an öffentlichen Toiletten. Der Einwohnerrat Fabian Hummel will das jetzt ändern. Doch die Stadt fürchtet sich vor Vandalen.

Zara Zatti
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Wenn man muss, dann muss man. Ob es eine öffentliche Toilette in der Nähe hat, ist dann meist egal. (Symbolbild)

Wenn man muss, dann muss man. Ob es eine öffentliche Toilette in der Nähe hat, ist dann meist egal. (Symbolbild)

Pius Amrein

Die Stadt Baden hat ein Problem mit öffentlichen Toiletten. Besser gesagt mit deren Abwesenheit. Das findet zumindest GLP Einwohnerrat Fabian Hummel. In einem Vorstoss fordert er, dass an beliebten Aufenthaltsorten im Freien mobile WC-Anlagen aufgestellt werden. Gerade an der Limmat zwischen der Holzbrücke und den Bädern, am Kappisee und auf der Ruine Stein fehle es an Möglichkeiten, sich zu erleichtern, schreibt Hummel in seinem Postulat. Er sagt:

«An der Limmat hat es eine WC-Anlage unter der hohen Brücke, aber dann kilometerlang keine mehr. Bezüglich Toiletten gibt es in Baden noch viele blinde Flecken.»

Der Wunsch, sich besser erleichtern zu können, kommt eigentlich von der Jungpartei der Badener GLP. Weil diese aber keinen Vertreter im Rat hat, hat sich Hummel dem Anliegen angenommen: «Das ist ein Thema, das betrifft alle Generationen.»

Hummel wünscht sich Komposttoiletten

Die oben genannten Orte würden an einem Sommerabend einladen, zu verweilen. Da sei es störend, dass es keine anständige Möglichkeit gebe, seinen Bedürfnissen nachzugehen. Hummel macht auf die Situation bei der Burgruine Stein aufmerksam. Am Wochenende veranstalten Jugendliche dort immer wieder Partys: Vermehrt kam es zu Klagen wegen Lärm und Abfallberge. Hummel sagt: «Dort haben wir auch ein Problem mit Wildpinklern.» Diese könne er auch verstehen:

«Wenn man keine andere Möglichkeit hat, dann sucht man sich halt eine dunkle Ecke.»

Für die besagten Standorte seien ökologische WC-Anlagen chemielastigen Toiletten vorzuziehen, schreibt Hummel in seinem Vorstoss. Er erwähnt die Schweizer Marke Kompotoi. Die Holztoiletten, die an eine Sauna erinnern, funktionieren mit Sägespänen, die über das Geschäft gestreut werden. Die Reststoffe werden so in Humuserde umgewandelt. In der Stadt Zürich sind mehrere solcher Toiletten im Einsatz und kommen bei der Bevölkerung gut an. Auch weil sie geruchsneutraler sind als ein herkömmliches ToiToi. Eine gut besuchte Kompotoi Anlage in Zürich kostet die Stadt jährlich etwa 16'000 Franken.

Das Kompotoi kommt ganz ohne Chemie aus. Hier eine Anlage in der Stadt Zürich.

Das Kompotoi kommt ganz ohne Chemie aus. Hier eine Anlage in der Stadt Zürich.

Matthias Scharrer

Die mobilen WCs sollen nur im Sommer aufgestellt werden

Thomas Stirnemann ist Leiter des Werkhofs Baden. Dieser ist für den Betrieb der öffentlichen WC-Anlagen zuständig. Der Bau einer fixen Anlage mit Anschluss an die Kanalisation koste etwa 150'000 Franken, sagt er. Hinzu kämen jährliche Betriebskosten von 10'000 bis 20'000 Franken. Günstiger wäre eine mobile Toilette ohne Kanalisationsanschluss, aber: «Dann haben wir das Problem, dass wir nicht wissen, wie oft wir diese leeren und reinigen müssen. Eine einzige Person kann so eine Anlage unbenutzbar machen.» Ausserdem bestehe das Problem von Vandalen:

«Ist das WC-Häuschen nicht fest im Boden verankert, landet dieses in der Limmat.»

Mobile öffentliche WC-Häuschen gibt es in der Stadt Baden bisher nicht. Die Problematik an den genannten Orten habe sich während der Coronapandemie akzentuiert, sagt Stirnemann. Die Stadt wolle jetzt prüfen, ob und was für öffentliche Toiletten dort in Frage kommen.

Dass öffentliche WCs auch immer eine Kostenfrage sind, dem ist sich der Initiant Hummel bewusst: «Man könnte die Toiletten auch nur in den Sommermonaten betreiben.» Dann, wann die Nachfrage nach einem stillen Örtchen im Freien auch gegeben sei.